• Viktoria Hock

    Viktoria Hock

    Leiterin Energiewirtschaft und Geschäftskunden Bürgerwerke

    Ich möchte mit meiner Lebenszeit und meinem Engagement dazu beitragen, dass unsere Gesellschaft sozial und wirtschaftlich gerechter wird. Um diesem Ziel näher zu kommen, bin ich bei den Bürgerwerken sehr gut aufgehoben.

Sie sorgt dafür, dass Bürger sich selbst mit sauberer Energie versorgen können

Viktoria Hock – Jahrgang 1988 – Leiterin Energiewirtschaft und Geschäftskunden Bürgerwerke

Schon als Kind hat Viktoria Hock eine enge Verbindung zur Natur. Während Ihres Geographiestudiums wird ihr klar, wie sehr der Mensch das System Erde zerstört. Sie beschließt ab sofort ihr Privatleben möglichst nachhaltig zu gestalten. Aber auch beruflich will sie sich dafür einsetzen, die Lebensgrundlage für nachfolgende Generationen zu erhalten. 2014 landet Viktoria Hock bei den Bürgerwerken. Einem der wenigen 100% Ökostromanbieter in Deutschland.

Was genau sind die Bürgerwerke?

„Wir versorgen Haushalte und Gewerbebetriebe mit Strom aus Sonne, Wind und Wasser. Das Besondere ist, dass die Bürgerwerke eine Dachgenossenschaft für mehr als 90 Energiegenossenschaften bilden. In den Genossenschaften sind wiederum mehr als 15.000 Menschen organisiert, die in ihren Regionen Photovoltaik- und Windkraftanlagen finanzieren, bauen und sich dadurch selbst mit dem erzeugten Strom versorgen. Für die überwiegend ehrenamtlich geführten Genossenschaften ist es kaum möglich, alle energiewirtschaftlichen Voraussetzungen für die Versorgung mit Bürgerstrom zu erfüllen, deswegen springt hier die Geschäftsstelle der Bürgerwerke ein. Die VertreterInnen der Energiegenossenschaften bestimmen demokratisch über die Entwicklung der Bürgerwerke mit. Die Erlöse aus dem Stromverkauf fließen zurück an die Menschen vor Ort, die damit wiederum neue Photovoltaik- und Windkraftanlagen bauen können und damit die Energiewende in ihrer Region weiter voranbringen.“

Viktoria Hock – Futurewoman

2018 – ein wichtiges Jahr für die Energiewende?


Während dieser Text entsteht, diskutieren in Berlin Politiker über den Kohleausstieg, gerade wurde wochenlang im Hambacher Forst gegen die Rodungspläne von RWE demonstriert – mit vorläufigem Erfolg in Form eines Rodungsstopps bis voraussichtlich 2020. Und Experten sind sich einig: Ohne den Ausstieg aus der Kohle werden wir die Klimaziele nicht erreichen. Bei den Ökostromanbietern laufen vor allem durch die Ereignisse im Hambacher Forst die Leitungen heiß – alles Neukunden, die mit einem Wechsel ein Statement abgeben wollen. Und gleichzeitig Angst haben vor den Preisen. Ökostrom sei doch viel teurer, steht überall geschrieben.

„Diese Meldungen sind das Ergebnis sehr guter Lobbyarbeit. Einer Lobby der alten Energiekonzerne, die weiterhin im Besitz fossiler Kraftwerke sind, die hohe Gewinne einfahren, und kein Interesse daran haben, Erneuerbare Energien auszubauen. Durch eine verfehlte Energiepolitik sind die Strompreise für den Endkunden in den letzten Jahren leider gestiegen. Gleichzeitig sind die Preise für Großverbraucher deutlich gesunken – die pauschale Aussage Strom sei immer teurer geworden, ist also so nicht richtig. Die Nutzung Erneuerbarer Energien ist langfristig betrachtet die einzige Möglichkeit, unsere Energiekosten bezahlbar zu halten. Ökostrom ist nicht teuer, er ist in der Erzeugung sogar viel günstiger als Strom aus fossilen Energieträgern. Für den Endverbraucher macht sich dies leider nicht immer bemerkbar. Ein Grund ist, dass fossile Energieträger vom Staat subventioniert werden und die tatsächlichen Kosten für Umweltschäden nicht in die Stromrechnung einfließen, sondern über Steuergelder oder über die Luft, die wir einatmen, von uns allen mitgetragen werden. Dadurch kann Strom aus Kohle- und Atomstrom noch zu geringeren Preisen angeboten werden.“

Demo am Hambacher Forst, Oktober 2018
Demo am Hambacher Forst, Oktober 2018

So werden Erneuerbare State of the Art

„Der Ausbau und die Nutzung der Erneuerbaren muss klug angegangen werden. Kurze Wege und Nähe zum Verbraucher sind dabei wichtig. Es hat wenig Mehrwert, zentrale Großkraftwerke oder Windparks in der Nord- und Ostsee zu erreichten. Der Strom muss dann über teure Stromleitungen in andere Teile Deutschlands transportiert werden. Stattdessen sollten wir dezentrale Photovoltaik- und Windkraftanlagen bauen – und zwar dort, wo der erzeugte Strom auch verbraucht werden kann. Grundsätzlich können wir auch weniger Energie verbrauchen, beispielsweise sind Elektroantriebe deutlich effizienter als Verbrenner.“

Es braucht mehr als einen Stromanbieterwechsel

Viktoria Hock freut sich über die Vielen, die schon etwas tun, die nachhaltiger leben. Aber sie ist sich auch sicher, dass mehr passieren muss. Dass wir ein gesamtgesellschaftliches Umdenken brauchen. Und zwar in allen Bereichen, nicht nur bei der Energie.

„Meiner Meinung nach stehen der Besitz und Konsum von materiellen Dingen zu sehr im Vordergrund und bestimmen das Denken und Handeln eines Großteils unserer Gesellschaft. Dieses Handeln wird von multinationalen Konzernen verstärkt, deren wichtigste Triebfedern Gewinn und Wachstum sind. Dieses Wachstum geht aber mit einem hohen Ressourcenverbrauch, der Verschmutzung unserer Umwelt und der Ausbeutung von sozial Schwachen einher.
Unsere Gesellschaft wäre glücklicher, sozial gerechter und würde unsere Umwelt mehr respektieren und schützen, wenn das geistige und körperliche Wohl eines jeden Menschen im Vordergrund stehen würde und wir alle Menschen gleichwertig behandeln – egal welches Geschlecht sie haben oder wo sie geboren wurden.“ 

Was ist Ihr größter Wunsch für den Planeten?

„Es gibt eine Karikatur, bei der sich zwei Planeten begegnen. Einer davon hat hohes Fieber und ist krank. Auf die Frage, was er denn hätte, antwortetet der Planet: 'Ich habe die Menschen.' Daraufhin erwidert der andere Planet mit Leichtigkeit: 'Die hatte ich auch, das geht vorbei.' Ich wünsche mir, dass die Menschheit für unseren Planeten nicht zur Krankheit wird.“

Futurewoman ist ein Projekt von Janine Steeger