• Christine Riehle

    Christine Riehle

    Geschäftsführerin, Gründerin und Gesellschafterin der ReUse Heroes GmbH

    Start-upZero Waste
    Wir sind verantwortlich für das, was wir tun, aber auch für das, was wir nicht tun. (Voltaire)

Sie will Einwegverpackungen für unterwegs überflüssig machen


Christine Riehle

 

Person

Geschäftsführerin, Gründerin und Gesellschafterin der ReUse Heroes GmbH

Jahrgang: 1979 | Geschäftssitz: Hannover, meistens Portugal

Mehr erfahren

  • bis 2003 BWL-Studium mit Schwerpunkt Tourismus in München
  • bis 2016 diverse Stationen im Marketing, Brand Management und Corporate Design in der Verkehrsbranche, Schwerpunkt Luftfahrt
  • 2013 und 2015 Elternzeit
  • ab 2016 nebenberuflich als Handelvertretung für KeepCup
  • 2017 Gründung der ReUseHeroes GmbH
 

THEMEN

Zero Waste | Müllvermeidung | Recycling und Mehrwegprodukte für den Bereich Essen und Trinken unterwegs (to go) | Materialien, die für Mehrwegprodukte mit Lebensmittelkontakt geeignet sind | Green Washing

 

Einsatzgebiete

Interviewpartner | Gast/Expertin in Gesprächsrunden | Diskussionen | Online-Workshops

 

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Christine Riehle – Futurewoman

Interview

Was genau machst Du beruflich im Bereich der Nachhaltigkeit?

Wir bieten Alternativen zur Einwegverpackung für Essen und Trinken unterwegs, die sich durch Design, Funktionalität, Langlebigkeit und Nachhaltigkeit auszeichnen.

Wie bist du dahin gekommen, wo du jetzt bist?

Beruflich komme ich aus dem Marketing in der Luftfahrtbranche. Ich war dabei, als die ersten Low Cost Airlines ihre Werbebudgets in den Markt geblasen haben, um möglichst viele Kund*innen von den ach so billigen Flugtickets zu überzeugen. Später war ich für die Eröffnungskampagne des neuen Flughafens in Berlin verantwortlich. Die Eröffnung wurde vier Wochen vorher abgesagt. Meine Kampagne lief bereits … Geht es noch sinnloser?

Hat Nachhaltigkeit schon immer eine Rolle gespielt in Deinem Leben, oder gab es den berühmten Change?

Ja, es gab zwei Ereignisse: Fukushima 2011 und die Geburt meines ersten Kindes im Jahr 2012.

Leider hat Corona die gerade in der breiteren Masse ankommende Zero Waste Bewegung in Bezug auf Einwegverpackungen für Coffee to go, Snacks und Essen sehr stark ausgebremst. Langfristig sehe ich den Trend, dass alternative Lösungen (Mehrweg) genutzt werden. Aber es gibt ein starkes Marketing- und Wahrnehmungsproblem bzgl. biologisch abbaubarer und kompostierbarer Materialien. Stichwort: Green Washing. Das führt leider dazu, dass Essensverpackungen und Getränkebehältnisse aus diesen Materialien einfach in der Natur entsorgt werden. Denn sie verrotten ja. Das stimmt so leider nicht. Deswegen ist der einzige Weg: Mehrweg und Wiederverwendung. Es ist sehr viel Aufklärung notwendig, um das komplexe Themenfeld Materialität und Recycling verständlich zu machen.

An welchen Punkten stößt Du, stößt Dein Unternehmen oder Deine Branche an Grenzen in der Nachhaltigkeit und wie löst Ihr diese Herausforderung?

Gerade Edelstahl, das als favorisiertes Material in Sachen Langlebigkeit und Eignung für viele Produkte steht, wird nahezu ausschließlich in China produziert. Die Kosten in Europa zu produzieren sind viel zu hoch oder es gibt schlichtweg keine Hersteller. Hier würde ich mir wünschen, dass sich die Fertigung für europäische Produzenten wieder lohnt. Recycling. Unsere Produkte sind alle recycelbar. Ob sie aber wirklich recycelt werden, wissen wir nicht. Hier würde ich mir eine echte Kreislaufwirtschaft wünschen. Rahmenbedingungen müssen durch die Politik geschaffen werden, damit neue Rohware wie z.B. bei Kunststoff teurer und somit unattraktiver wird als Rezyklat. Das Rezyklat muss auch qualitativ so hochwertig sein, dass es für Mehrwegprodukte, die jahrelang im Einsatz sind, geeignet ist.

Wie kann Deine Arbeit, oder Deine Branche dazu beitragen die Welt nachhaltiger zu machen?

Durch unser Anliegen tragen wir dazu bei, Müll zu vermeiden und weniger Ressourcen zu verschwenden. Dabei bieten wir wiederverwendbare Produkte, die einen Haben-Wollen-Effekt auslösen und durch Design und Funktionalität überzeugen.

Was war der Auslöser für die Gründung?

Die Anzahl der Pappbecher vom Kaffee unterwegs im Ablagefach meines Kinderwagens.

Was waren die größten Hürden und wie hast Du diese gemeistert?

Ich wollte unbedingt einer Tätigkeit nachgehen, die dem Planeten und meinen Kindern nützt und nicht noch mehr Schaden hinzufügt. Der Bereich ist vielfältig und es gibt unzählige Möglichkeiten, aktiv zu werden. Doch ich strebte nach einem Geschäftsmodell, das sich wirtschaftlich trägt, mich persönlich inspiriert und einen echten Impact hat. Darüber habe ich sehr lange nachgedacht.

Was möchtest Du jungen Menschen in Sachen Nachhaltigkeit mit auf den Weg geben?

Hört in euch hinein und fragt euch, was ihr wirklich braucht, um ein erfülltes Leben zu führen. Macht nicht das, was das Umfeld von euch erwartet, sondern das, was ihr wirklich wollt. In der Regel sind es keine Dinge oder Statussymbole, die uns glücklich machen.

Inspiriere uns – wie gestaltest Du Dein Arbeits- und Dein Privatleben umweltschonend?

Ich versuche so wenig CO₂ wie möglich zu verursachen durch: Vegane Ernährung, Vermeidung von Fliegen, möglichst wenig Auto fahren, Ökostrom. Mein Unternehmen führe ich so klimapositiv wie möglich. Das fängt beim Unternehmensgrund selbst an. Wir bieten so nachhaltig wie möglich produzierte Produkte an. Das setzt sich über die Gestaltung des Arbeitsalltags und der Büroorganisation fort. Wir machen so wenige Dienstreisen wie möglich, setzen auf Online und über Telefon. Wir streben ein papierloses Büro an. Wir haben Ökostrom, wir hosten unsere Webseite mit Ökostrom und bieten klimaneutrales Versenden unserer Produkte an, indem wir pro Bestellung bzw. Auftrag eine feste Anzahl an Bäumen pflanzen. Das geschieht in Zusammenarbeit mit Eden Projects.

Was treibt Dich an?

Vermeidung von unnötigem Müll, der sinnvolle Einsatz von Ressourcen, Kreislaufwirtschaft.

Von welcher Positiv-Schlagzeile aus Deiner Branche zum Thema Umweltschutz träumst Du?

Die Bundesregierung verbietet ab sofort alle Einwegverpackungen im Bereich Lebensmittel.

Futurewoman – Empowering Women in Sustainability