• Jennifer Brockerhoff

    Jennifer Brockerhoff

    Finanzberaterin für nachhaltige Geldanlagen

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    Kosmetik, Kleidung, Lebensmittel – alles schon nachhaltig. Aber was ist mit Eurem Geld?

Nachhaltige Geldanlagen sind Ihre Leidenschaft

JENNIFER BROCKERHOFF – JAHRGANG 1978 – FINANZBERATERIN FÜR NACHHALTIGE GELDANLAGEN, Gründerin von Generation nachhaltig

Bei Twitter heißt Du @Oekoinvestor, Du betreibst unter anderem die Homepage „Generation Nachhaltig“, Du bist Finanzberaterin mit einem Schwerpunkt auf Nachhaltigkeit und kannst Dir vorstellen, in Zukunft ausschließlich in der nachhaltigen Geldanlage zu beraten. Wie definierst Du als Expertin nachhaltige Geldanlagen bzw. nachhaltiges Geld?

Vorab ist es mir sehr wichtig zu betonen, dass jeder Mensch eine andere Definition von „nachhaltig“ hat. Gerne nenne ich das auch „Fifty Shades of Green“ – eben von hellgrün bis dunkelgrün. Somit stellt sich in meinen Beratungsgesprächen immer erst die Frage: „What's your green?“ Ein falscher Ansatz aus meiner Sicht ist es, eine einzige Definition als die perfekte Lösung herausstellen zu wollen. Die gesamte Finanzwirtschaft ist im Umbruch und diese Transformation benötigt Zeit. Das darf natürlich kein Freifahrtsschein für „Greenwashing“ sein. Ich persönlich verstehe darunter den konsequenten Ausschluss von skandalträchtigen Unternehmen sowie die Bereiche der fossilen Brennstoffe, Rüstung & Atomwaffen, Kernenergie, Kinderarbeit, Tabakunternehmen, Pornographie und Glücksspiel, Tierversuche, Korruption und Bestechung, Arbeits- und Menschenrechtsverletzungen. Zusätzlich ist es wichtig, einen positiven Impact zu erzielen, also eine direkte Wirkung. Denn nur, indem ich zum Beispiel Fondsanteile erwerbe, habe ich als Anleger noch keine direkte positive Wirkung für die Umwelt erzielt. Den eigenen C02 Fußabdruck habe ich dagegen schon direkt verbessert.

Wenn ich als Verbraucher ganz neu bin in diesem Bereich, was sind die ersten leichten Schritte, um meine Finanzen nachhaltiger zu machen?

Die direkte Sofortmaßnahme ist den Berater bzw. die Beraterin deines Vertrauens zu fragen, wie nachhaltig die eigenen Finanzenprodukte überhaupt sind. Wenn du dann in leere Augen schaust und zuckende Schultern siehst, wird es Zeit sich nach Alternativen umzuschauen. Eine erste Maßnahme kann sein, das Girokonto zu einer nachhaltigen Bank zu verlagern, wie zum Beispiel zur GLS Bank oder die Triodos Bank. Spezialisierte Berater/innen findest du unter anderem beim Forum Nachhaltige Geldanlage sowie beim Ecoanlageberater.

Wie groß ist aktuell der Konkurrenzdruck für konventionelle Banken durch Ethikbanken?

Der Druck ist noch nicht immens, aber er nimmt stetig zu. Steter Tropfen höhlt den Stein und wie bei vielen Dingen entsteht irgendwann ein Tipping Point. Die Großbanken stehen aufgrund der Digitalisierung zunehmend unter Druck und die neue Generation von Bankkunden ist aus meinem Empfinden deutlich kritischer und eher bereit mit alten Konventionen zu brechen.

Ist es überhaupt vorstellbar das gesamte globale Finanzsystem moralischer zu machen, oder ist das eine schöne Utopie? 

Aus heutiger Sicht für die meisten Menschen eine noch unvorstellbare Utopie. Wenn das Thema Nachhaltigkeit bisher noch nicht einmal Bestandteil der Ausbildung eines Bankkaufmanns/ einer Bankkauffrau ist, dann fragt man sich zu recht, wie das Thema Nachhaltigkeit zum neuen „normal“ werden soll. Ernsthafter Druck kommt vor allem jetzt durch die Bemühungen zur Einhaltung des 2 Grad Ziels mit großer wissenschaftlicher Unterstützung sowie durch den zunehmenden Fokus der Umsetzung der #17 Ziele der Vereinten Nationen.

Die Tomorrow Bank bezeichnet sich als erste Bank, die Gutes tut. Inwieweit würdest Du diesen Slogan unterschreiben? 

Es gibt bereits weitere Banken die Gutes tun – schön ist es, dass eine weitere jetzt dazugekommen ist.

Futurewoman – Jennifer Brockerhoff
Futurewoman – Jennifer Brockerhoff
 

Sie ist vor allem ein komplett digitales Angebot. Ich beobachte beim Thema Geld nach wie vor das Bedürfnis der Kunden mit Menschen reden und sich beraten lassen zu wollen. Ist dieses Bedürfnis nicht gerade bei nachhaltigen Geldanlagen noch stärker ausgeprägt? Wie erlebst Du das?

Genauso erlebe ich es auch. Finanzthemen sind bei den wenigsten Menschen das Lieblingsthema für eine Unterhaltung in der Freizeit und nachhaltige Finanzthemen stellen für viele eine zusätzliche Besonderheit dar. Aus meiner Erfahrung ist ein persönliches Gespräch im Vorfeld immer gewünscht und notwendig. Aus dem Grund sehen wir unsere digitale Vermögensverwaltung als hybrides Modell, da neben dem digitalen Zugang meine Kolleginnen/-en und ich immer als direkte Ansprechpartner zur Verfügung stehen.

Wie ist Dein Werdegang? Hast Du Dich vom Beginn Deiner Karriere für Nachhaltigkeit interessiert oder gab es irgendwann den berühmten Change?

1999 habe ich direkt nach meinem Abitur meinen beruflichen Werdegang mit einer klassischen Bankausbildung bei einer privaten Großbank begonnen. Ich war bis dahin völlig ahnungslos im Finanzwesen und habe alle gängigen Finanzmarkttheorien gelernt und nicht in Frage gestellt. Etliche Jahre später, nach meiner zusätzlichen Ausbildung zur Wertpapierspezialistin, war mir das Thema Nachhaltigkeit in der Bank immer noch nicht über den Weg gelaufen. 2009 habe ich die Bank aus verschiedenen Gründen aus eigenem Antrieb verlassen und erst in meiner Selbstständigkeit hatte ich erste Berührungspunkte mit auf Nachhaltigkeit spezialisierte Berater und Beraterinnen. Bis dahin hatte ich 3 große Börsenkrisen miterlebt, die alle auf eine Art und Weise Spuren bei mir hinterlassen haben.

Der richtige Change begann vor ungefähr 5 Jahren, als ich mich zunehmend über die direkten negativen Auswirkungen des Finanzwesens auf unsere Umwelt informiert habe. Je mehr ich las, umso spannender wurde das Thema für mich. 2017 habe ich die Weiterbildung zur Ecoanlageberaterin entdeckt und direkt absolviert und seitdem gibt es für mich kein Halten mehr.

Was treibt Dich an?

Meine Eltern sagten mir mal, dass ich als Kind eine sehr nachdenkliche Beobachterin war. Die Sinn-Frage habe ich mir tatsächlich in meinen 40 Jahren bereits mehrfach gestellt, auch schon als Jugendliche. Ich habe meinen Sinn in meiner Tätigkeit gefunden, beruflich wie privat und möchte meine Lebenszeit nutzen, um so viele Menschen wie möglich für eine nachhaltige Lebensweise zu begeistern. 

Wie nachhaltig lebst Du selbst? 

  • Keine innerdeutschen Flüge, Dienstreisen mit der Bahn oder mit Fahrgemeinschaften
  • Büromaterialen bestelle ich über einen Onlineshop, der nachhaltigen Bürobedarf anbietet
  • Ökostrom im Büro & Zuhause, biologische Putzmittel, echte Handtücher statt Papier, Getränke aus Glas-Mehrwegflaschen, Fairtrade Kaffee
  • Kundenpräsente in Form von fairer Schokolade
  • 10% meiner Beratungshonorare für Finanzcoachings spende ich an Naturschutzorganisationen
  • dieses Jahr spende ich mit jeder Geburtstagskarte (100 Stück) je 5€ an eine Organisation, die sich um den Schutz der Bienen kümmert
  • Wöchentlich kommt die Ökokiste mit regionalem Obst, Gemüse usw. mit dem E-Bike zu mir ins Büro
  • Mülltrennung und Müllvermeidung
  • „Who made my clothes“ – darauf achte ich und unterstütze lokale Läden mit nachhaltigen Modedesignern
  • das komplette Badezimmer mit Naturkosmetik ohne Mikroplastik, keine Flüssigseife sondern Stückseife – auch für die Haare
  • ich esse sehr wenig Fleisch (Flexitarier) und bevorzuge Hafermilch statt Milch und liebe die ayurvedische Küche 

Wie hart ist die nachhaltige Finanzwelt für Frauen? 

Nach wie vor sind Frauen in der Finanzbranche in der Unterzahl. Interessanterweise findet man eine deutlich höhere Frauenquote im nachhaltigen Segment der Finanzbranche. Das ist kein Zufall. Ich sehe die nachhaltige Finanzwelt für Frauen als große Chance sich durch diesen längst überfälligen Veränderungsprozess beruflich zu verwirklichen. 

Futurewoman ist ein Projekt von Janine Steeger