• Prof. Petra Riegler-Floors

    Prof. Petra Riegler-Floors

    Professorin für Bau- und Ressourcenmanagement in der Architektur, Hochschule Trier

    Bauen / WohnenBildung
    Die Strategien zum kreislauffähigen & recyclinggerechten Bauen sind da – wir müssen sie nur nutzen!

Sie lehrt und forscht zur Kreislauffähigkeit von Gebäuden.


Prof. Petra Riegler-Floors

 

Person

Professorin für Bau- und Ressourcenmanagement in der Architektur, Hochschule Trier

Jahrgang: 1975 | Geschäftssitz: Köln

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Prof. Petra Riegler-Floors, geboren in Saarbrücken, studierte französische Kultur an der Sorbonne, Paris und anschließend Architektur an der RWTH Aachen, ETSAV Barcelona und am Berlage Institut Rotterdam. Ab 2004 war sie als Architektin und Projektleiterin in Architekturbüros in Wien und Köln beschäftigt. Parallel war sie als Wissenschaftliche Mitarbeiten am Lehrstuhl für Wohnbau und Entwerfen an der RWTH Aachen (2007-08) und am Lehrstuhl für Baukonstruktion, Entwerfen und Materialkunde an der Bergischen Universität Wuppertal (2013-2020) tätig. Seit 2020 ist sie Professorin für Bau- und Ressourcenmanagement an der Hochschule Trier.

Petra Riegler-Floors ist eine Hauptautorin des 2018 im DETAIL-Verlag erschienen „Atlas Recycling“ (engl. Ausgabe „Manual of Recycling“, 2019), der mit dem Hans-Sauer-Award 2020 in der Kategorie „best education“ ausgezeichnet wurde. Sie ist Mitglied der scientists for future / Ortsgruppe Trier und Fördermitglied der architects for future. An der Hochschule Trier ist sie Stellvertretende Gleichstellungsbeauftragte des Fachbereichs Gestaltung, Mitglied des Fachbereichs-Ausschusses „Nachhaltigkeit“ sowie Mit-Organisatorin und Moderatorin der Vortragsreihe „In the nature of materials“. Sie hält Vorträge in Deutschland, Österreich und Schweiz zum Thema „nachhaltiges Bauen“ bei Kongressen und Konferenzen, Hochschulen, Stadtverwaltungen und als Fortbildungsseminare der Architektenkammer.

 

THEMEN

Nachhaltiges Bauen | Recyclinggerecht konstruieren | Kreislauffähige Baustoffe | Nachwachsende Rohstoffe | Lösbare Verbindungen und Konstruktionen | Kostenvergleich konventioneller und recyclinggerechter Konstruktionen | Einstoffliche Bauweisen

 

Einsatzgebiete

Expertin und Referentin u.a. bei Fachtagungen und Kongressen

 

#nachhaltigesBauen #circulareconomy #urbanminingdesign

Interview

Was genau machst Du beruflich im Bereich der Nachhaltigkeit?

Ich lehre und forsche zum Thema recyclinggecht konstruieren: Wie können wir Gebäude entwerfen, die an ihrem Lebensende nicht auf der Deponie oder in der energetischen Verwertung landen, sondern deren Baustoffe im Kreislauf geführt werden können? Wie können wir unseren immensen Gebäudebestand besser als anthropogenes Rohstofflager benutzen, also Urban Mining betreiben? Welche neuen Baustoffe aus nachwachsenden Rohstoffen wie Hanf, Stroh oder Pilzmyzel helfen uns, die Reserven-Knappheit einerseits und „Abfall-Überfluss“ andererseits zu überwinden?

Wie bist du dahin gekommen, wo du jetzt bist?

Mit Beharrlichkeit und Ausdauer. Und dem festen Glauben, dass ein Umdenken möglich ist.

Hat Nachhaltigkeit schon immer eine Rolle gespielt in Deinem Leben oder gab es den berühmten Change?

Im Privatbereich spielte Nachhaltigkeit schon immer eine Rolle. Im beruflichen Bereich öffnete mir eine Kollegin, die zuvor im ökologischen Baustoffhandel gearbeitet hatte, 2009 die Augen: Nie zuvor hatte ich mir Gedanken gemacht, was mit meinen mühsam entworfenen und gebauten Projekten an deren Lebensende geschieht. Wie bei vermutlich vielen Kolleg*innen reichte mein Horizont nur bis zu dem Moment, an dem nach der Fertigstellung des Gebäudes die Fotos gemacht werden. Aber natürlich wird auch das schönste Gebäude irgendwann abgerissen werden – und was machen wir dann mit dem Abfall? Kurz danach rückte die begrenzte Verfügbarkeit von Rohstoffen – z.B. Bausand - in den Fokus.

Ich würde in diesem Zusammenhang weniger von Trends, eher von Strategien sprechen wollen - bei den relativ langen Zeithorizonten von Gebäuden von 30, besser 50 oder mehr Jahren ist der Begriff Trend vermutlich zu kurz gegriffen. Eine Strategie heißt Urban Mining, sprich die Nutzung unsere anthropogenen Rohstofflager in unserem immensen Gebäudebestand: Zunächst die Verlängerung von Nutzungsdauern, die Bevorzugung von Transformation gegenüber dem Rückbau. Sollte der Abriss unumgänglich sein – hier dürften eigentlich nur sozial- oder klimapolitische Gründe gelten dürfen - die Nutzung der eingelagerten Baustoffe als Sekundärrohstoffe. Hier stellt uns die weitaus größte Abfallfraktion der mineralischen Baustoffe noch vor große Herausforderungen. 

Die zweite Strategie betrifft alle Neubauplanungen, die nur noch kreislauffähig geplant werden dürfen: Aus recyclingfähigen Materialien, die lösbar miteinander verbunden sind – um sie später sortenrein trennen zu können und dem Recycling zuführen zu können. Ein Lichtblick in Bezug auf Reserven-Knappheit könnten hier nachwachsende Rohstoffe sein, neben Holz bieten Baustoffe aus Hanf, Stroh oder Pilzmyzel aus meiner Sicht noch enormes Entwicklungspotenzial.

An welchen Punkten stößt Du, stößt Dein Unternehmen oder Deine Branche an Grenzen in der Nachhaltigkeit und wie löst Ihr diese Herausforderung?

Grenzen gibt es wahnsinnig viele, die meisten sind menschengemacht: Gesetzgebung oder der Irrglaube, nachhaltig zu bauen sei teurer. Hier machen einige Entwicklungen Hoffnung, z.B. der große Erfolg der Petition „Bauwende JETZT!“ der engagierten Kolleg*innen von architects for future, die hoffentlich zeitnah in eine sinnvolle Gesetzgebung mündet. Oder die Verleihung des Pritzker-Preises an das Büro Lacaton Vassal, die sich seit vielen Jahren für vielfältige Strategien des nachhaltigen Bauens einsetzen. Natürlich gibt auch das Urteil des Verfassungsgerichtes zum Klimaschutzgesetz Hoffnung, dass die Politik endlich verstehen und handeln muss. Einige Grenzen sind technischer Natur, hier glaube ich an unseren Erfindungsgeist in der Verfahrenstechnik.

Wie kann Deine Arbeit oder Deine Branche dazu beitragen, die Welt nachhaltiger zu machen?

Der Bausektor verursacht in Deutschland über 50% des Rohstoffverbrauchs, über 50% des Abfallsaufkommens und fast 40% der CO₂-Emissionen – das ist eine große Last für uns Planer, aber auch ein großartiger Hebel, wirklich etwas verändern zu können.

Was möchtest Du jungen Menschen in Sachen Nachhaltigkeit mit auf den Weg geben?

Es ist Eure Zukunft! Kämpft für Eure Rechte! Steht auf und engagiert Euch! Die Fridays for Future oder die Architects for Future verschaffen Euch Gehör, nutz diese Möglichkeit. Fordert Nachhaltigkeit: „Nachhaltige Entwicklung, ist Entwicklung, welche die Bedürfnisse der gegenwärtigen Generation deckt, ohne die Fähigkeit zukünftiger Generationen zu gefährden, ihre eigenen Bedürfnisse zu decken.“ (Carl von Carlowitz, 1773 in „Kulturgeschichte eines Begriffs, Ulrich Grober, Kunstmann, 2010)

Inspiriere uns – wie gestaltest Du Dein Arbeits- und Dein Privatleben umweltschonend?

Durch viele kleinen Dinge: Ich fahre nur in Ausnahmefällen Auto, Schraubgläser statt Frischhaltefolie, Lebensmittel vom Markt/regionalen Erzeugern soweit möglich statt Supermarkt, so wenig Neues kaufen wie möglich. Insgesamt ist es häufig ein Weglassen oder „Nicht-Machen“. Das versuche ich meinen beiden Söhnen mit auf den Weg zu geben.

Was treibt Dich an?

Der Glauben, dass ein Wandel möglich ist.

Von welcher Positiv-Schlagzeile aus Deiner Branche zum Thema Umweltschutz träumst Du?

Klimaneutralität und vollständige Kreislaufwirtschaft im Bausektor erreicht – und dies bevor unser Kontingent an CO₂-Emissionen bis zur 1,5°-Erwärmung 2028 verbraucht ist, bevor unsere Reserven vollständig verbraucht sind und wir in unserem Abfall ersticken.

Veröffentlichte Bücher/Buchbeiträge

 
 
Atlas Recycling

Atlas Recycling

Gebäude als Materialressource

Annette Hillebrandt, Petra Riegler-Floors, Anja Rosen, Johanna-Katharina Seggewies

 
Manual of Recycling

Manual of Recycling

Buildings as sources of materials

Annette Hillebrandt, Petra Riegler-Floors, Anja Rosen, Johanna-Katharina Seggewies

 
 

Futurewoman – Empowering Women in Sustainability