• Dominique Ellen van de Pol

    Dominique Ellen van de Pol

    Green Fashion Communications

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    Die Klimakrise bietet uns Menschen die Chance, uns persönlich, als Weltgemeinschaft und als Spezies durch neue Werte wie Achtsamkeit und Mitgefühl weiterzuentwickeln.

Sie weiß, warum wir uns „Achtsam anziehen“ sollten

Dominique Ellen van de Pol
Green Fashion Communications – Freie Fachjournalistin, Kommunikationsberaterin und Autorin für grüne Mode & bewussten Modekonsum 
JAHRGANG 1982

 
 

WAS GENAU MACHST DU BERUFLICH IM BEREICH DER NACHHALTIGKEIT?

Ich bin Expertin für Green Fashion Communication, also Fachfrau für Mode, Nachhaltigkeit und Kommunikation. Als Autorin und freie Fachjournalistin schreibe ich zu diesen Themen und habe gerade mein Buch Achtsam Anziehen veröffentlicht – einen praktischen 10-Wochen-Guide für bewussten Modekonsum, der soeben im Christian Verlag erschienen ist. Seit fast 10 Jahren unterstütze ich Unternehmen, Fachmessen und Branchenportale im Bereich Kommunikation und CSR. Darüber hinaus bin ich als bekannte Green Fashion-Expertin regelmäßig zu Gast in den Medien (z.B. WDR, FAZ, Süddeutsche Zeitung, Welt am Sonntag, Der Spiegel, Brigitte, Nido, GREENLifestyle, uvm.) und deutschlandweit als Speakerin, Panelistin und Moderatorin im Einsatz.

 
 

Wie bist Du dahin gekommen, wo Du jetzt bist?

Schon seit Kindertagen fasziniert mich die Welt der Mode. Nach dem Abitur stürzte ich mich in ein Modestudium. Nach meinem Bachelor-Abschluss zog es mich für einen internationalen Master in den Bereichen Modetheorie, Trendforschung und Markenkommunikation in die Niederlande. Danach war ich einige Jahre in der Unternehmenskommunikation internationaler Modemarken in der Schweiz und in Deutschland tätig und machte mich 2011 schließlich als freie Fachjournalistin und Kommunikationsberaterin für Mode und Nachhaltigkeit selbstständig. Seitdem habe ich mit vielen Lifestyle-Marken und Institutionen im In- und Ausland zusammengearbeitet und eigene Formate auf den Weg gebracht um andere Menschen zu einem achtsameren, nachhaltigeren Umgang mit Mode zu inspirieren.

 
 

Hat Nachhaltigkeit schon immer eine Rolle gespielt in Deinem Leben, oder gab es den berühmten Change?

Während meines Bachelor-Studiums ging ich 2006 für mehrere Monate nach Indonesien und war dort in einer Textilagentur tätig, die für europäische Modemarken Kleidung produziert. Als Mitarbeiterin in der Qualitätskontrolle besuchte ich zahlreiche Fertigungsbetriebe auf ganz Java. Die Eindrücke dort haben mich stark geprägt und das Schicksal der Menschen hinter unserer Kleidung hat mich seitdem nicht mehr losgelassen. Ich begann, mich über die Jahre immer stärker in die ethischen und ökologischen Aspekte der Modeindustrie einzufuchsen, und fand hierin mein Spezialgebiet, durch das ich meine langjährige Faszination für Mode endlich mit meiner tiefen Sehnsucht nach Sinnhaftigkeit verbinden konnte.

 
 

  • Die Vision geschlossener Produktkreisläufe mit Buzzwords wie „Circular Fashion“ und „Closed Loop“-Ansätzen
  • Minimalistische Capsule Wardrobe-Konzepte für zeitlose, endlos kombinierbare Stücke und Outfits
  • Neue Green Fashion-Plattformen mit AI-basierter Styling-Assistenz und innovative Leih-und Abo-Box-Konzepte und Tausch-Netzwerke für Mode
  • Aktuell die Themen klimaneutrale Produktion und Logistik für Bekleidung
  • Neue Ansätze im Bereich Textil, die das Plastikproblem in unseren Gewässern und Ozeanen adressieren, z.B. durch individuelle Filtersysteme für Mikroplastik, durch Recycling-Textilien aus Ozeanmüll und vieles mehr

 
 

An welchen Punkten stößt Du, stößt Dein Unternehmen oder Deine Branche an Grenzen in der Nachhaltigkeit und wie löst Ihr diese Herausforderung?

Leider gibt es keine Wunderfaser, die es uns erlaubt, so wie bisher weiterzukonsumieren, ohne damit unseren Planeten und damit die Menschheit nachhaltig zu gefährden. Wollen wir und unsere Kinder langfristig auf diesem wunderbaren Planeten weiterleben, so muss es uns Menschen innerhalb weniger Jahre gelingen, die drohende Klimakatastrophe abzuwenden. Das erfordert radikale Schritte in der Politik und von jedem*jeder Einzelnen. Auch wenn mittlerweile viel über Green Fashion berichtet wird, so ist die Modeindustrie nach wie vor eine der umweltschädlichsten Branchen überhaupt. 1,2 Milliarden Tonnen an Treibhausgasen werden durch die Herstellung unserer Mode jährlich in die Atmosphäre geblasen – mehr, als der weltweite Flug- und Schiffsverkehr zusammen verursachen. Trotzdem soll die Modebranche und unser Kleiderhunger weiterhin rasant wachsen. Wenn wir nicht jetzt damit beginnen weniger und gezielter zu konsumieren, wird der Impact der globalen Modeindustrie im Jahr 2050 für ein Viertel (!) des weltweiten CO2-Ausstoßes verantwortlich sein. Dabei geht es jedoch nicht darum, zu moralisieren, über andere zu urteilen oder nur noch ein schlechtes Gewissen mit uns herumzutragen. Der Schlüssel liegt darin, hinter unsere unbewussten Konsummuster und Verhaltensweisen zu blicken und immer wieder bewusst den Mangel-Modus zu durchbrechen und unseren Fokus auf die Fülle zu verlagern, die uns bereits in diesem Moment umgibt. Und dazu kann ich als Autorin und Fachjournalistin natürlich hervorragend beitragen, indem ich das thematisiere und konkret zeige, wie dies funktioniert und welchen Mehrwert das bringt.

Dominique Ellen van de Pol – Futurewoman
Dominique Ellen van de Pol – Futurewoman
Dominique Ellen van de Pol – Futurewoman
 

Wie kann Deine Arbeit oder Deine Branche dazu beitragen, die Welt nachhaltiger zu machen?

Indem wir zeigen, dass weniger Konsum besser sein kann – sowohl für unseren Planeten als auch uns selbst. Dass sich die Freude an Kleidung durchaus mit einem nachhaltigen Lebensstil vereinen lässt und dass dies nicht automatisch teurer sein muss. Wir Menschen sind weit mehr als nur Konsument*innen und die aktuelle Klimakrise kann eine riesige Chance darstellen, uns persönlich, als Weltgemeinschaft und als Spezies durch neue Werte wie Achtsamkeit und Mitgefühl weiterzuentwickeln. Dafür sind grundlegende Veränderungen in unserer Lebensweise, der Politik und unserem derzeitigen Wirtschaftssystem unumgänglich. Die Kunst des achtsam Anziehens kann ein erster fundamentaler Schritt sein auf dem Weg in eine klimaneutralere Zukunft. Mode kann der Startpunkt sein, von dem aus wir uns schrittweise weitere nachhaltige Lebensweisen und -bereiche erschließen.

 
 

Was möchtest Du jungen Menschen in Sachen Nachhaltigkeit mit auf den Weg geben?

Ich habe das Gefühl, dass ganz viele junge Menschen längst begriffen haben, wie es um unsere Welt steht und welche Rolle wir in diesem globalen System spielen und dass wir alle hier noch viel von den Jüngeren lernen können, wenn es darum geht sich medienwirksam mit Gleichgesinnten zu verbünden und unser Klima auf die globale Agenda zu bringen. Wenn jede*r Einzelne von uns heute damit beginnt im eigenen Rahmen und Alltag kleine Veränderungen anzustoßen, sich stärker mit Gleichgesinnten auszutauschen und zusammenzuschließen und das Thema hinaus in die Welt und auf die Straße zu tragen, dann haben wir die Kraft, noch die Kurve zu bekommen und unseren Kindern die Welt zu hinterlassen, die sie verdienen.

 
 

Inspiriere uns – wie gestaltest Du Dein Arbeits- und Dein Privatleben umweltschonend?

Mein Mann und ich arbeiten als Freiberufler/in von zu Hause, nutzen Ökostrom und ein Familienkonto bei einer Ökobank. Im Bereich Mobilität verzichte ich gerne auf ein Auto, ich fahre nämlich sowieso viel lieber mit Bus/Bahn oder meinem geliebten Hollandrad durch die Gegend oder spaziere zu Fuß durch mein Viertel – am Besten noch verbunden mit einer kleinen Gehmeditation oder einem Telefonat mit einem lieben Menschen. Ich shoppe viel weniger als früher und versuche nur noch Dinge zu kaufen, die ich wirklich benötige und die mich langfristig bereichern, weil ich keine Lust mehr habe mich mit zuviel Kram zu belasten, der mich unnötig Platz, Zeit, Geld und Aufmerksamkeit kostet. Ich besuche regelmäßig Tauschpartys und bin Teil einer privaten Tauschgruppe auf Facebook. So habe ich meinen Hunger nach Abwechslung im Kleiderschrank schon einmal gestillt. Wenn mir ein geliebtes Teil kaputt geht, lasse ich es nach Möglichkeit reparieren. Wenn ich wirklich etwas Neues benötige, lasse ich mir bei der Suche ganz viel Zeit und schaue erst einmal, ob ich ein bestimmtes Produkt vielleicht gebraucht finde oder spare in Ruhe auf ein besonderes, neues Stück (nach Möglichkeit ein öko-faires Teil). Den Konsum tierischer Produkte habe ich auch seit Neuestem stark reduziert (gerade lebe ich sogar versuchsweise mal einen Monat vegan, einfach mal zum Austesten). Ich wasche mittlerweile bei niedrigeren Temperaturen mit einem Guppyfriend-Waschbeutel, um Mikrofasern aus meiner Kleidung auszufiltern, hänge meine Wäsche zum Trocknen auf und verzichte aufs Bügeln (das liegt vor allem daran, dass ich bügeln hasse. Dass Bügelverzicht gut für die Energiebilanz ist, kommt mir daher sehr gelegen). Statt meine Wohnung früher regelmäßig mit Schnittblumen zu verschönern schneide ich mir mittlerweile lieber im Garten einen Zweig und stelle ihn mir in die Vase. Aber es gibt ja so viele unterschiedliche Ansatzpunkte und niemand ist perfekt, auch ich nicht. Eine äußerst spannende Reise.

 
 

Was treibt Dich an?

Mein Mitgefühl für den Planeten und seine Bewohner*innen und die großen ökologischen Probleme von Klimawandel bis hin zu (Mikro-)Plastik. Ich kann mir nichts Schöneres und Wichtigeres vorstellen als dazu beizutragen, mehr Achtsamkeit, Mitgefühl, Bewusstheit und Verbundenheit in die Welt zu bringen.

 
 

Von welcher Positiv-Schlagzeile aus Deiner Branche zum Thema Umweltschutz träumst Du?

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Futurewoman ist ein Projekt von Janine Steeger