• Dr. Birgit Happel

    Dr. Birgit Happel

    Inhaberin Geldbiografien®

    BildungFinanzenNGOs / Verbände etc.Wirtschaft
    #Makeadifference – Der Umgang mit Geld, Konsum und Finanzdienstleistungen ist der Co-Autor unserer Lebensgeschichte und unserer Zukunft.

Ihre Hoffnung ist es, dass die soziale Taxonomie die Transformation hin zu einer nachhaltigen und chancengleichen Gesellschaft beflügelt.


Dr. Birgit Happel

 

Person

Inhaberin Geldbiografien®

Jahrgang: 1970 | Geschäftssitz: Aschaffenburg

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Dr. Birgit Happel ist Soziologin (M.A.), hat in Frankfurt und Singapur studiert und zum Umgang mit Geld promoviert. Als BNE-Akteurin der Deutschen Unesco-Kommission und Mitglied von UN Women Deutschland teilt sie ihre Leidenschaft für die wirtschaftliche Unabhängigkeit von Frauen und unterstützt die 17 Nachhaltigkeitsziele. Mit ihrem Portal Geldbiografien® stellt sie finanzielle Bildung und finanzielle Gleichstellung in einen gesellschaftlichen und biografischen Kontext. Seit mehr als zehn Jahren setzt sie als Referentin und Speakerin in Vorträgen, Workshops und auf Panels Impulse für soziale Innovation, finanzielle Eigenverantwortung und sensibilisiert zugleich für strukturelle Rahmenbedingungen. Als Sozialwissenschaftlerin, Beraterin, Trainerin und Coach beschäftigt sie sich mit Chancengleichheit, Verbraucherpolitik und Finanzpsychologie und arbeitet bundesweit mit Bildungsinstitutionen, Unternehmen, Behörden und Organisationen zusammen.

Birgit Happel ist in zahlreichen Netzwerken tätig. Im Vorstand des Präventionsnetzwerks Finanzkompetenz engagiert sie sich für die Stärkung und Professionalisierung der Finanziellen Bildung, soziale Gerechtigkeit und die Prävention von Frauenarmut.

 

THEMEN

Finanzielle Bildung & Finanzielle Gleichstellung | Bildung für nachhaltige Entwicklung (17 Nachhaltigkeitsziele) | Frauen und Finanzen | Chancengerechtigkeit

 

Einsatzgebiete

Podiumsdiskussionen | Workshops | Panels | Speakerin | Trainerin

 

#DasGeldderFrauen #17Ziele #FinanzielleGleichstellung #Finanzbildung #Agenda2030 #TeachSDGs #Chancengerechtigkeit #Bildungsgerechtigkeit #BNEAkteure #SozialeInnovation #SustainableFinance

Interview

Was genau machst Du beruflich im Bereich der Nachhaltigkeit?

Ich bin Referentin, Trainerin, Beraterin und Coach für Finanzbildung und Finanzielle Gleichstellung und setze mich für soziale Nachhaltigkeit und soziale Innovation ein. Als BNE-Akteurin und Mitglied von UN Women Deutschland habe ich die Nachhaltigkeitsziele immer im Gepäck, vor allem SDG 4, 5, 10 und 12. Als ich mich 2010 selbstständig gemacht habe, lief bereits die UN-Dekade Bildung für nachhaltige Entwicklung (2005 – 2014) und ich fand hier viele Anknüpfungspunkte, insbesondere im Bereich nachhaltiger Konsum, aber auch in Bezug auf Geschlechtergleichheit, etwa Prävention von Frauenarmut. Und seit einigen Jahren bekommt das Thema nachhaltige Geldanlagen größere Bedeutung.

Wie bist du dahin gekommen, wo du jetzt bist?

Mir hat es irgendwann nicht mehr gereicht, meine Kund*innen beim Aufbau und der Verwaltung ihres Vermögens zu unterstützen. Ich war als Wertpapierberaterin einer Großbank jeden Tag im Frankfurter Bahnhofsviertel mit Armut und Ausgrenzung konfrontiert und bin dann zum Studium der Soziologie, VWL und Psychologie an die Goethe-Uni. Äußerlich habe ich nur die Türme gewechselt – von den Banktürmen in die Unitürme. Aber innerlich hat mir das Studium Welten eröffnet. Ich bin die erste in meiner Familie, die studiert hat und habe in den Semesterferien weiterhin in der Bank gearbeitet. Später bin ich mit meinem Partner nach Singapur, habe dort weiterstudiert und meine Magisterarbeit über Expatriates geschrieben. Zurück in Frankfurt habe ich das Studium abgeschlossen und wir haben eine Familie gegründet. Und nach meiner Eltern- und Pflegezeit bin ich nicht mehr in die Bank zurückgekehrt, sondern habe die Seiten gewechselt hin zur Finanziellen Bildung. Mit vierzig habe ich dann meine Promotion wieder aufgenommen und anschließend Geldbiografien® gegründet. Mit jedem Jahr wurde meine Arbeit politischer, da ich mich für die wirtschaftliche Unabhängigkeit von Frauen und Bildungs- und Chancengerechtigkeit engagiere. Die finanzielle Gleichstellung war mir von Anfang an ein Anliegen, ich engagiere mich seit 2010 beim Equal Pay Day und inzwischen auch beim Equal Care Day.

Hat Nachhaltigkeit schon immer eine Rolle gespielt in Deinem Leben oder gab es den berühmten Change?

Ja, Nachhaltigkeit war ein fester Bestandteil meiner Sozialisation. Den Wert der Dinge zu schätzen, hat von früh auf eine große Rolle bei uns gespielt, da meine Eltern noch Kriegskinder waren. Mein Vater war Facharbeiter und hat fast autark gelebt. Er hat nebenberuflich Obst und Gemüse angebaut, wir hatten Eier und sogar unser eigenes Fleisch von geschlachteten Tauben, Hasen und Hühnern. Es wurden so gut wie nie Lebensmittel weggeworfen und mein Vater konnte irgendwie alles reparieren.

Die Trends zeigen sich auf individueller und gesellschaftlicher Ebene. Nachhaltig zu leben und anzulegen gewinnt für Individuen an Bedeutung, sie wollen einen Impact schaffen. Nachhaltige Geldanlagen werden von immer mehr Menschen als alternative Anlageform entdeckt. Und Nachhaltigkeit im Alltag gehört für Viele einfach zum guten Leben dazu. Je weniger Dinge ich benötige, desto freier bin ich und kann dem Hamsterrad ein Stück weit entkommen. Das möchten wir auch an unsere Zuhörer*innen, Teilnehmer*innen und Kund*innen weitergeben. Wohlwissend, dass Minimalismus und Downsizing entsprechende Ressourcen voraussetzen. Auch weniger privilegierte Gruppen mitzunehmen, ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe.

Auf aggregierter Ebene erfährt die soziale Nachhaltigkeit in Form von Chancengerechtigkeit und Geschlechtergleichheit Auftrieb. Das Zukunftsinstitut sieht den Gender Shift als einen Megatrend. Der Bereich Sustainable Finance hat durch die EU-Taxonomie einen immensen Schub erhalten und differenziert sich gerade aus. Allerdings steckt die soziale Nachhaltigkeit noch in den Kinderschuhen. Meine Hoffnung ist es, dass die soziale Taxonomie die Transformation hin zu einer nachhaltigen und chancengleichen Gesellschaft beflügelt.

An welchen Punkten stößt Du, stößt Dein Unternehmen oder Deine Branche an Grenzen in der Nachhaltigkeit und wie löst Ihr diese Herausforderung?

Das ist eine gute Frage, denn im Moment zeigen sich natürlich auch schon gegenläufige Entwicklungen, nämlich, dass Nachhaltigkeit auch als schönes Etikett im Marketing verwendet und ansonsten in der zerstörerischen Logik des unbegrenzten Wachstums weitergewirtschaftet wird. Gerade im Bereich Green Finance muss man sich die Mühe machen, zweimal hinzuschauen, wie grün das Produkt wirklich ist und gegebenenfalls auf Alternativen zurückgreifen. Und im Alltag kennen wir sicher alle die Diskrepanz zwischen Wissen und Verhalten, da hilft Ehrlichkeit mit sich selbst und neue Verhaltensweisen immer wieder einzuüben.

Wie kann Deine Arbeit oder Deine Branche dazu beitragen, die Welt nachhaltiger zu machen?

Unser Ansatz ist es, mit Finanzbildung, Bildung für nachhaltiger Entwicklung (BNE) und der Verbreitung von Gleichstellungswissen Chancengleichheit und Nachhaltigkeit voranzubringen. Dazu schulen wir kritisches Denken und Nachhaltigkeitskompetenzen, geben Denkanstöße, schärfen das Bewusstsein für größere Zusammenhänge und arbeiten auch konzeptionell an der Implementierung unserer Themen. Zum Beispiel bin ich anerkannte Trainerin bei Verbraucherbildung Bayern des Verbraucherministeriums.

In Bayern wurde im Herbst 2021 eine neue Schulinitiative zum Thema Alltagskompetenzen gestartet, hier knüpfen wir an. Die Sensibilisierung für die Folgen unseres Handelns kann nicht früh genug beginnen. Wir wollen jungen Menschen Impulse für ressourcenschonendes Verhalten und nachhaltigen Konsum geben.

In der Erwachsenenbildung setzen wir uns für die weitere Professionalisierung der finanziellen Bildung ein. Wie gesagt, hat der Bereich Sustainable Finance durch die Taxonomie einen enormen Schub erfahren. Hier gibt es viel Aufklärungsarbeit im Bereich der Finanzprodukte zu leisten. Anleger*innen sind verunsichert, welchen ESG-Ratings sie vertrauen können und welche Nachhaltigkeitskriterien ihren persönlichen Werten entsprechen. Auch nimmt die Komplexität der Finanzdienstleistungen durch die Digitalisierung weiter zu.

Und im Bereich der sozialen Nachhaltigkeit bleibt es enorm wichtig, Entwicklungen und Initiativen anzustoßen und weiter zu implementieren. Soziale Innovationen brauchen Zeit – und die Akteur*innen, die sich für sie stark machen, einen langen Atem. Beim Thema soziale Nachhaltigkeit müssen wir auch vor unserer eigenen Tür kehren. Gerade Bildungschancen sind in Deutschland ungleich verteilt und Bildungsaufstiege noch immer eng mit dem Elternhaus und der sozialen Herkunft verknüpft. Auch dass der ganze Bereich der unbezahlten Sorgearbeit nicht im Bruttoinlandsprodukt auftaucht, können wir nicht länger als gegeben hinnehmen. Frauen erleiden dadurch einen massiven Ressourcenentzug, vor allem finanzieller Art. Hier müssen wir schon früh ansetzen, um Rollenbilder aufzubrechen und eine partnerschaftliche Rollenverteilung voranzubringen. Aus diesem Grund wurde Geldbiografien® im letzten Jahr Partnerorganisation der Initiative Klischeefrei.

Was war der Auslöser für die Gründung?

Als die Kinder sehr klein waren, hatte ich zeitgleich die Pflegeverantwortung für meine an Demenz erkrankte Mutter. So wurde es nichts mit dem raschen Wiedereinstieg nach der Elternzeit und ich habe händeringend nach einer Alternative gesucht, Beruf und Familie zu vereinbaren.

Was waren die größten Hürden und wie hast Du diese gemeistert?

Unsere Themen haben sich immer mehr hin zur Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) entwickelt, seit letztem Jahr bin ich auf dem UNESCO BNE-Akteursportal vertreten. Die größten Hürden waren die Finanzierungslücken im gemeinwohlorientierten Bereich, die Profilschärfung und die jahrelange Mehrfachbelastung, da nach dem Tod meiner Mutter auch mein Vater Unterstützung benötigte. Zwischen Kindern, Dissertation, Gründung und der Pflegeverantwortung passte kaum ein Blatt für Erholung und ein achtsames Leben. Da ich anfangs vor allem mit gemeinnützigen Trägern zusammenarbeitete, war ich auch finanziell nicht dort, wo ich hinwollte. Das änderte sich, als ich mit weiteren Kooperationspartnern, etwa Stiftungen und Hochschulen zusammenarbeitete, meine Angebote diversifizierte, auch Beratungs- und Forschungsaufträge übernahm und darauf achtete, mich nicht unter Wert zu verkaufen. Inzwischen habe ich ein Team aufgebaut und es tut einfach gut, gemeinsam Projekte zu entwickeln, aber auch mal Verantwortung delegieren zu können.

Andererseits haben sich die ehrenamtlichen Aufgaben mit der Zeit intensiviert und es bleibt immer ein Balanceakt, alle Bereiche gut auszutarieren. Gerade im gemeinwohlorientierten Bereich sind oft wenig öffentliche Gelder vorhanden und bei Folgeprojekten muss wieder neu nach Finanzierungsmöglichkeiten geschaut, müssen Fördermittel beantragt werden etc., das macht Prozesse recht zeitaufwendig. Wichtig finde ich, Unternehmensstrukturen zu etablieren und Prozesse zu optimieren, das ist im sozialen Unternehmertum nicht anders.

Was möchtest Du jungen Menschen in Sachen Nachhaltigkeit mit auf den Weg geben?

Pionierarbeit braucht Mut, Entschlossenheit und Durchhaltevermögen. Lebe dein Potenzial achtsam und wahrhaftig – und sei dir deiner Verantwortung bewusst. Dir selbst, deiner Umwelt, deinen Mitmenschen gegenüber. Tritt immer mal wieder einen Schritt zurück und nimm dir Zeit für Reflexion, auch kritische Selbstreflexion.

Inspiriere uns – wie gestaltest Du Dein Arbeits- und Dein Privatleben umweltschonend?

Ich habe eine Bahncard und fahre zu meinen Kundenterminen mit dem Zug, achte bei der Kleidung auf langlebige Qualität, kaufe regionale und fair gehandelte Lebensmittel und esse seit dreißig Jahren kein Fleisch. Allerdings bin ich nach wie vor in Asien verliebt und muss bei Langstreckenflügen dann schauen, wie ich sie kompensiere. Die Lehrtätigkeit empfinde ich als sehr sinnstiftend und sie ist auch ressourcenschonend, gerade wenn sie online stattfindet.

Was treibt Dich an?

Mich treiben vor allem die Themen Bildungs- und Chancengerechtigkeit an und ich engagiere mich für soziale Nachhaltigkeit.

Von welcher Positiv-Schlagzeile aus Deiner Branche zum Thema Umweltschutz träumst Du?

Unternehmen sind so grün und sozial wie nie zuvor – der Fokus auf nachhaltige Investments hat die Wende zur sozialökologischen Transformation eingeleitet.

Portraitfoto: Alexandria Singler

 

Futurewoman – Empowering Women in Sustainability