• Isabell Eberlein

    Isabell Eberlein

    Geschäftsführende Gesellschafterin Velokonzept GmbH

    Mobilität
    Die Verkehrswende braucht mehr Fahrrad und mehr Frauen

Mobilität muss völlig neu gedacht werden. Wir brauchen eine Wende im Kopf, nicht nur auf der Straße.


Isabell Eberlein

 

Person

Geschäftsführende Gesellschafterin, Business Development und VeloLab bei Velokonzept GmbH

Jahrgang: 1988 | Geschäftssitz: Berlin

Mehr erfahren

  • Studium Politikwissenschaft in Regensburg
  • Master Environmental Policy and Planning an der FU/TU Berlin mit einem Auslandssemester in Amsterdam und einem Forschungsaufenthalt in Neu-Delhi, Indien. Schwerpunkt Klima, Energie-und Verkehrspolitik.
  • Zwei Start-Ups im Mobilitätsbereich mit aufgebaut (naturtrip.org und BICICLI)
  • Seit 2019 bei Velokonzept als Kuratorin, Initiatorin des VeLoLab und zuständig für die inhaltlichen Themen: Start-Up Innovation und Tourismus, Vernetzung im BIKEBRAINPOOL und betriebliche Mobilitätsberatung
  • Seit 2018 ehrenamtlicher Vorstand Changing Cities e.V und Teil des Fahrradfreundlichen Netzwerkes Friedrichshain-Kreuzberg
  • Initiatorin diverser Frauennnetzwerke und des Purple Rides, Mitstreiterin Women in Mobility

 

THEMEN

Urbane Mobilitätswende | betriebliche Mobilität | Innovation Fahrrad und Start-Ups | Frauen und Mobilität | Verkehrswende von unten (aus der Zivilgesellschaft)

 

Einsatzgebiete

Speakerin, Moderatorin, Workshop und Gast bei Diskussionsrunden

 

#fahrradfrauen #diversität #verkehrswende #lebenswertestadt #networking

Interview

Was genau machst Du beruflich im Bereich der Nachhaltigkeit?

Ich bin Impulsgeberin und Vernetzerin für das Thema nachhaltige Mobilität, Fahrrad und Diversität. In den unterschiedlichen Facetten versuche ich, das Thema Mobilität ganzheitlich zu betrachten und die Veränderung in die Köpfe und auf die Straße zu bringen. Ich konzipiere Fachveranstaltungen rund um das Thema Fahrrad für unterschiedliche Zielgruppen. Ich berate Unternehmen und Kommunen im Bereich betriebliche Mobilität und biete durch unterschiedliche Veranstaltungen Menschen eine Plattform zum Austausch und Raum für Innovationen und Ideen. Ich bin davon überzeugt, dass wir die Mobilitätswende nur gemeinsam also kollaborativ voranbringen.

Wie bist du dahin gekommen, wo du jetzt bist?

Die Liebe zum Fahrradfahren gab es schon immer. Meine erste abenteuerliche Tour habe ich im Alter von 7 Jahren ins Nachbardorf zu meiner Oma unternommen. Die Initialzündung mich tiefer mit dem Thema auseinander zu setzen, kam während meines Auslandssemester in Amsterdam. Dort habe ich erlebt wie das Fahrrad dich persönlich, deine Stadt und eine ganze Gesellschaft transformieren kann, wenn es die richtige Voraussetzungen in Struktur, Kommunikation und Handeln gibt. Das hat mich dazu gebracht, diese Veränderungen vor meiner Haustür in Berlin anzuschieben.

Hat Nachhaltigkeit schon immer eine Rolle gespielt in Deinem Leben, oder gab es den berühmten Change?

Was soll ich sagen, ich bin stark durch mein Elternhaus geprägt. Mein Vater ist ein Pionier des ökologischen Landbaus, installierte vor knapp 20 Jahren eine Photovoltaic-Anlage auf dem Dach und setze sich immer wieder mit den Thema Ressourcenverwendung und Nachhaltigkeit auseinander. Landwirte arbeiten eng mit der Natur zusammen, so erlebt man Hitzewellen und Dürrekatastrophen viel näher. Der Bereich Mobilität ist im ländlichen Raum noch nicht angekommen.

Die Umgestaltung des öffentlichen Raums und die gerechte Platzvertretung unter den Verkehrsmitteln im Hinblick auf ökologische Konsequenzen. Außerdem muss Mobilität viel integrierter gedacht werden und nicht mehr nur als Selbstzweck. Das heißt die Verschränkung mit Stadtgestaltung, Energieversorgung, Wohnungsbau, etc. ist dringend notwendig, um die Emissionen im Verkehrsbereich zu senken. Ich wünsche mir außerdem, dass Radfahren für alle zugänglich ist und wir damit die Mitte und Breite der Gesellschaft erreichen. Dafür müssen wir in Deutschland eine ganz neue Mobilitätskultur entwickeln, die den Alltag auf den Straßen abbildet. Momentan erlebt auch der Fahrradmarkt eine Riesentransformation vom Besitzen zum Leihen. Neue Anbieter drängen auf den Markt, die den Bedarf des Rundum-Sorglos-Pakets erkannt haben und so neue Zielgruppen fürs Fahrradfahren gewinnen. Das Fahrrad gibt es seit 200 Jahren, aber es wird kaum wahrgenommen in technikgetriebenen Diskursen und Mobilitätsdebatten. Das will ich ändern und die großartigen Menschen, die tagtäglich Fahrräder herstellen, sich für das Fahrrad einsetzen, nach vorne bringen.

An welchen Punkten stößt Du, stößt Dein Unternehmen oder Deine Branche an Grenzen in der Nachhaltigkeit und wie löst Ihr diese Herausforderung?

Wir sind als Agentur und teilweise als Veranstalter darum bemüht, unsere Veranstaltungen nachhaltig zu gestalten. Aber natürlich gibt es immer noch offene Baustellen gibt: Müll, Wiederverwendung von Material, Anreise zu den Veranstaltungen etc. Ich möchte mich aber hier mehr auf die Branche fokussieren. Hier wird gerade intensiv die Nachhaltigkeit des Produkts Fahrrad diskutiert und auch geschaut wie das Fahrrad circular werden kann. Es gibt massive Debatten, die Produktionsstandorte zurück nach Deutschland zu verlagern und Lieferketten transparenter zu machen.

Wie kann Deine Arbeit, oder Deine Branche dazu beitragen die Welt nachhaltiger zu machen?

Es passiert sehr viel und wir bringen die richtigen Menschen zusammen zum Informationsaustausch. Für branchenfremde gebe ich Einblicke in das Thema nachhaltige Mobilität und Fahrrad. Ich bin Ansprechpartnerin, Beraterin und Vermittlerin.

Was möchtest Du jungen Menschen in Sachen Nachhaltigkeit mit auf den Weg geben?

Es sind nicht nur die individuellen Verhaltensänderungen, die wir brauchen, sondern auch die fundamentalen systemischen und strukturellen Veränderungen. Dafür müssen wir uns zusammen tun und für die Veränderung, die wir haben wollen, kämpfen. Anfangs dachte ich, ich muss alle Probleme lösen. Das ist unmöglich. Deshalb rate ich, such dir den Bereich für den dein Herz brennt und engagiere dich dort für Veränderung.

Inspiriere uns – wie gestaltest Du Dein Arbeits- und Dein Privatleben umweltschonend?

Ich verzichte aufs Fliegen, esse vorwiegend vegetarisch, meistens vegan und das Fahrrad ist mein Alltagsverkehrsmittel. Für meine Freund*innen, bin ich das ökologische Gewissen. Diese Rolle habe ich mir aber nicht ausgesucht.

Was treibt Dich an?

Nachhaltigkeit ist für mich keine Modeerscheinung, sondern der essenzielle Umgang mit unserem Planeten und Ressourcen. Wir haben leider keine Wahl daran, unser Leben und unser System anzupassen.

Von welcher Positiv-Schlagzeile aus Deiner Branche zum Thema Umweltschutz träumst Du?

Berlin ist autofrei!

Futurewoman – Empowering Women in Sustainability