• Ribanna Jansen

    Ribanna Jansen

    Head of Supply Chain Management, Fairtrade Deutschland e.V.

    Corporate ResponsibilityWirtschaft
    Nachhaltigkeit ist mehr als nur ein Trend – es ist eine Verantwortung.

"Nachhaltigkeit und unternehmerischer Erfolg schließen sich nicht aus, sondern bedingen einander."


Ribanna Jansen

 

Person

Head of Supply Chain Management bei Fairtrade Deutschland

Geschäftssitz: Köln

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Seit 07/2025 Head of Supply Chain Management, Fairtrade Deutschland

  • Gesamtverantwortung für den Bereich Supply Chain Management als zentrale Schnittstelle zwischen den Fairtrade Akteuren im globalen Norden und den Produzentennetzwerken im globalen Süden sowie dessen strategische Weiterentwicklung
  • Entwicklung und Umsetzung der Bereichsstrategie im Kontext nachhaltiger und fairer globaler Lieferketten
  • Führung und Entwicklung eines zwölfköpfigen Teams inklusive Personal- und Organisationsentwicklung

2024 – 2025 Aufbau Stabstelle Nachhaltigkeit, Faber Group (PAKi Logistics & vPOOL)

  • Konzeption und Implementierung der Nachhaltigkeitsfunktion für zwei Unternehmensbereiche
  • Entwicklung von Strukturen, Prozessen und strategischen Leitlinien im Bereich Nachhaltigkeit

2016 – 2024 toom Baumarkt (REWE Group)

  • 2023 – 2024: Team Lead Sustainability & Business Operations
  • Gesamtverantwortung für Nachhaltigkeitsthemen im Sortimentsbereich Topfpflanzen für toom Baumarkt, REWE und PENNY
  • Steuerung relevanter Nachhaltigkeitsprojekte für das Erdenwerk Gebrüder Mayer
  • Führung von Projekten an der Schnittstelle von Einkauf, Category Management und Nachhaltigkeit

2019 – 2023: Project Manager Sustainability

  • Umsetzung und Steuerung von Nachhaltigkeitsprojekten
  • Weiterentwicklung nachhaltiger Sortiments- und Lieferkettenstrategien

2016 – 2019: Category Management

  • Übergeordnetes Projekt- und Prozessmanagement für den Gesamtbereich Category Management bei toom Baumarkt.

2021 – 2025 Dozentin, Volkshochschule Neuss

  • Durchführung von Kursen im Fachbereich „Nachhaltig Leben“
  • Organisation eines Tauschcafés in Kooperation mit Transition Town Neuss zur Förderung nachhaltigen Konsums

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Ausbildung

2019 – 2022 MBA Sustainability Management, Leuphana Universität Lüneburg

  • Masterarbeit: True Cost Accounting (TCA) im Lebensmittel- und Landnutzungssystem
  • Analyse des Einsatzes von TCA im europäischen Lebensmitteleinzelhandel
  • Ableitung politischer und wirtschaftlicher Maßnahmen zur Integration von TCA

2012 – 2015 Duales Studium Betriebswirtschaftslehre (Schwerpunkt Handel)

  • Europäische Fachhochschule (heute Cologne Business School), Neuss
  • University of Hertfordshire, England
  • Abschluss als Groß- und Außenhandelskauffrau
 

THEMEN

Nachhaltigen Transformation von Wertschöpfungsketten & Fairtrade | Impact-orientiertes Supply Chain Management | Nachhaltigkeit im Handel | Nachhaltigkeit im Gartenbau (nachhaltige Lieferketten, Torfausstieg, Pflanzenschutzmittelreduktion, Biodiversitätsförderung, Verpackungsoptimierung / -reduzierung) | Nachhaltige Prozessoptimierung | Nachhaltigkeitsstrategie | True Cost Accounting im Lebensmittel und Landnutzungssystem
 

Einsatzgebiete

Podiumsdiskussionen | Workshops | Keynote Speakerin | Interviews | Podcasts | Beiratstätigkeit

 

#sustainability #systemchange #thefutureisfair #sustainableagriculture

Interview

Was genau machst Du beruflich im Bereich der Nachhaltigkeit?

Ich leite bei Fairtrade Deutschland den Bereich Supply Chain Management. Zusammen mit meinem Team arbeite ich an der operativen Schnittstelle zwischen Produzent:innen, Händlern und Herstellern.

Konkret unterstützen wir unsere Lizenzpartner bei sourcing-bezogenen Fragen – zum Beispiel bei Verfügbarkeiten, Ursprüngen oder konkreten Lieferketten. Wir bringen Produzent:innen und Unternehmen zusammen, klären Anforderungen aus den Fairtrade-Standards und sorgen dafür, dass Informationen entlang der Lieferkette transparent fließen.

Ein wichtiger Teil unserer Arbeit ist Risikomanagement: Wir beschäftigen uns mit Themen wie Living Income, unfaire Handelspraktiken, Entwaldung oder Klimarisiken und machen diese für Unternehmen in ihren Lieferketten greifbar.

Darüber hinaus begleiten wir Projekte und Programme, erstellen lieferkettenspezifische Auswertungen und Reports und arbeiten an der Frage, wie sich die Wirkung von Fairtrade für konkrete Produkte und Lieferketten darstellen lässt.

Meine zentrale Rolle ist die strategische Weiterentwicklung des Bereichs sowie die Führung meines Teams. Schnittstellenmanagement, Prozessoptimierung, Personalentwicklung, Stakeholderdialoge und Erfolgscontrolling prägen meinen Arbeitsalltag.

Wie bist du dahin gekommen, wo du jetzt bist?

Vermutlich durch meinen Antrieb und meine Leidenschaft, die Welt durch meine Arbeit ein Stück besser machen zu wollen. Mir liegen Themen wie Strategieentwicklung und Prozessoptimierung sehr – vor allem dann, wenn sie helfen, Nachhaltigkeit im Unternehmen wirklich wirksam zu verankern. Gleichzeitig arbeite ich gern mit Menschen und finde es wichtig, Teams so zu entwickeln, dass sie ihr volles Potenzial entfalten können.

So hat sich für mich Schritt für Schritt ein Weg ergeben, auf dem ich heute Nachhaltigkeit aktiv mitgestalte und zeigen kann, dass sie und wirtschaftlicher Erfolg sich nicht ausschließen, sondern langfristig zusammengehören.

Hat Nachhaltigkeit schon immer eine Rolle gespielt in Deinem Leben oder gab es den berühmten Change?

Ich habe mich bereits während meines Bachelorstudiums mit dem Thema Nachhaltigkeit befasst. 2019 habe ich dann beschlossen, alles auf eine Karte zu setzen und mein berufliches Wirken vollständig auf das Thema Nachhaltigkeit auszurichten. Kombiniert mit einem MBA in Sustainability Management arbeite ich nun gemeinsam mit meinem Team daran, dass nachhaltige und faire Lieferketten im Geschäftsalltag konkret umgesetzt, weiterentwickelt und sichtbar werden – pragmatisch, entlang realer Wertschöpfungsketten.
Es gilt das Thema Nachhaltigkeit ganzheitlich zu betrachten. Angefangen vom Beginn der Lieferkette, wo es um faire Löhne und gerechte Arbeitsbedingungen geht, aber auch um Transparenz- und Rückverfolgbarkeit. Gleichzeitig geht es für uns in diesem Kontext auch darum,

faire Lieferkettenstrukturen zu etablieren z.B. im Hinblick auf einen Datenfluss, der in beide Richtungen geht, von den Produzent:innen zu den Kund:innen und umgekehrt. Dies ist notwendig, damit alle Akteur:innen in der Lieferkette den gleichen Zugang zu Ressourcen haben und z.B. ein zentrales Risikomanagement etablieren können.

An welchen Punkten stößt Du, stößt Dein Unternehmen oder Deine Branche an Grenzen in der Nachhaltigkeit und wie löst Ihr diese Herausforderung?

Eine wesentliche Herausforderung des gesamten Konsumgütermarktes ist die Preissensibilität. Die Produktpreise spiegeln aktuell selten die wahren Kosten wider. Das heißt konkret, dass ökologische und soziale Kosten eines Produktes heute im Verkaufspreis nicht eingepreist sind. Nehmen wir z.B. die gesundheitlichen Folgekosten durch den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln in der Landwirtschaft oder die höheren Kosten der Wasseraufbereitung durch hohe Nitratwerte im Grundwasser aufgrund von Überdüngung. Diese Kosten trägt heute die Gesellschaft. Gleiches gilt für das Lohngefüge im globalen Süden. Existenzsichernde Löhne sind hier ein zentrales Thema, das noch lange keine Selbstverständlichkeit ist.

Wir müssen dahin kommen, dass der Preis eines Produktes die Kosten widerspiegelt, die tatsächlich bei der Produktion entstanden sind. True Cost Accounting bietet eine Methodik zur Berechnung dieser Kosten. Konsequent angewendet, können dadurch nachhaltige Produkte und Geschäftsmodelle gefördert werden. Aktuelle Studien zeigen bereits eine positive Wirkung von Fairtrade auf die sozialen Externalitäten in Agrarlieferketten.

Wie kann Deine Arbeit oder Deine Branche dazu beitragen, die Welt nachhaltiger zu machen?

Fairtrade Deutschland trägt dazu bei, globale Lieferketten Schritt für Schritt nachhaltiger zu gestalten – nicht abstrakt, sondern ganz konkret im Austausch mit Unternehmen und Produzent:innen.

Indem wir Transparenz schaffen, Risiken wie unfaire Handelspraktiken, zu niedrige Einkommen oder Umweltprobleme sichtbar machen und gemeinsam mit unseren Partnern Lösungen entwickeln, helfen wir, Verantwortung entlang der gesamten Lieferkette zu verankern.

Ein wichtiger Hebel ist dabei, Nachhaltigkeit in bestehende Geschäftsprozesse zu integrieren – etwa durch bessere Daten, klare Anforderungen und eine enge Zusammenarbeit zwischen allen Beteiligten. So entsteht Veränderung nicht nur auf dem Papier, sondern im operativen Alltag.

Unsere Branche zeigt: Wenn wir langfristig zu denken und partnerschaftlich zu arbeiten, können faire Preise, stabile Lieferbeziehungen und nachhaltiges Wirtschaften Hand in Hand gehen – zum Vorteil von Menschen, Umwelt und Wirtschaft.

Was möchtest Du jungen Menschen in Sachen Nachhaltigkeit mit auf den Weg geben?

Seit mutig, hartnäckig und verfolgt mit Kreativität und Leidenschaft den Weg der Nachhaltigkeit. Hinterfragt bestehende Prozesse, inspiriert andere mit euren Ideen, sucht euch Gleichgesinnte. Lasst euch nicht entmutigen von der Komplexität, die Nachhaltigkeit mit sich bringt. Gerade darin liegt die Herausforderung und auch die Möglichkeit, Neues zu schaffen. Dabei geht es nicht nur um das eigene Konsumverhalten, sondern darum, die Welt zusammen ein Stück besser, nachhaltiger zu machen.

Inspiriere uns – wie gestaltest Du Dein Arbeits- und Dein Privatleben umweltschonend?

Beruflich arbeite ich mit Leidenschaft und Hingabe daran, globale Lieferketten sozial gerechter zu machen. Soziale Gerechtigkeit schließt im Hinblick auf die globalen Auswirkungen des Klimawandels auch immer Umweltkomponenten mit ein, die in den Fairtrade Standards bereits verankert sind und wo wir als System daran arbeiten, die Produzent:innen in der Umsetzung zu unterstützen.

Privat begeistere ich mich sehr für das Thema Minimalismus. Bevor ich etwas Neues kaufe, hinterfrage ich erst, ob ich das Produkt wirklich brauche. Falls ja schaue ich erst, ob es mein Wunschprodukt gebraucht gibt, bevor ich etwas neu kaufe. Lebensmittel kaufe ich vorwiegend in Bio-Qualität und natürlich mit Fairtrade Zertifizierung. Darüber hinaus ernähre mit seit einigen Jahren konsequent vegetarisch.

Was treibt Dich an?

Ich möchte die Welt zu einem besseren Ort machen. Respekt und Wertschätzung Mensch, Natur und Umwelt gegenüber sind für mich sehr zentrale Werte. In unserem aktuellen Wirtschaftssystem werden diese meines Erachtens nach heute nicht genug berücksichtigt. Das möchte ich ändern.

Privat möchte ich andere dazu inspirieren, auch ihre Konsumgewohnheiten zu hinterfragen. Wichtig ist mir dabei, auf keinen Fall belehrend zu sein, sondern vielmehr vorzuleben und mein Wissen weiterzugeben, wenn ich gefragt werde.

Von welcher Positiv-Schlagzeile aus Deiner Branche zum Thema Umweltschutz träumst Du?

„Revolutionäre Einigung: Handel und Konsumgüterindustrie verpflichten sich ab sofort zur Zahlung und Auslobung der wahren Preise für sämtliche Produkte.“

Futurewoman – Empowering Women in Sustainability