Ich leite bei Fairtrade Deutschland den Bereich Supply Chain Management. Zusammen mit meinem Team arbeite ich an der operativen Schnittstelle zwischen Produzent:innen, Händlern und Herstellern.
Konkret unterstützen wir unsere Lizenzpartner bei sourcing-bezogenen Fragen – zum Beispiel bei Verfügbarkeiten, Ursprüngen oder konkreten Lieferketten. Wir bringen Produzent:innen und Unternehmen zusammen, klären Anforderungen aus den Fairtrade-Standards und sorgen dafür, dass Informationen entlang der Lieferkette transparent fließen.
Ein wichtiger Teil unserer Arbeit ist Risikomanagement: Wir beschäftigen uns mit Themen wie Living Income, unfaire Handelspraktiken, Entwaldung oder Klimarisiken und machen diese für Unternehmen in ihren Lieferketten greifbar.
Darüber hinaus begleiten wir Projekte und Programme, erstellen lieferkettenspezifische Auswertungen und Reports und arbeiten an der Frage, wie sich die Wirkung von Fairtrade für konkrete Produkte und Lieferketten darstellen lässt.
Meine zentrale Rolle ist die strategische Weiterentwicklung des Bereichs sowie die Führung meines Teams. Schnittstellenmanagement, Prozessoptimierung, Personalentwicklung, Stakeholderdialoge und Erfolgscontrolling prägen meinen Arbeitsalltag.
Vermutlich durch meinen Antrieb und meine Leidenschaft, die Welt durch meine Arbeit ein Stück besser machen zu wollen. Mir liegen Themen wie Strategieentwicklung und Prozessoptimierung sehr – vor allem dann, wenn sie helfen, Nachhaltigkeit im Unternehmen wirklich wirksam zu verankern. Gleichzeitig arbeite ich gern mit Menschen und finde es wichtig, Teams so zu entwickeln, dass sie ihr volles Potenzial entfalten können.
So hat sich für mich Schritt für Schritt ein Weg ergeben, auf dem ich heute Nachhaltigkeit aktiv mitgestalte und zeigen kann, dass sie und wirtschaftlicher Erfolg sich nicht ausschließen, sondern langfristig zusammengehören.
Ich habe mich bereits während meines Bachelorstudiums mit dem Thema Nachhaltigkeit befasst. 2019 habe ich dann beschlossen, alles auf eine Karte zu setzen und mein berufliches Wirken vollständig auf das Thema Nachhaltigkeit auszurichten. Kombiniert mit einem MBA in Sustainability Management arbeite ich nun gemeinsam mit meinem Team daran, dass nachhaltige und faire Lieferketten im Geschäftsalltag konkret umgesetzt, weiterentwickelt und sichtbar werden – pragmatisch, entlang realer Wertschöpfungsketten.
Es gilt das Thema Nachhaltigkeit ganzheitlich zu betrachten. Angefangen vom Beginn der Lieferkette, wo es um faire Löhne und gerechte Arbeitsbedingungen geht, aber auch um Transparenz- und Rückverfolgbarkeit. Gleichzeitig geht es für uns in diesem Kontext auch darum,
faire Lieferkettenstrukturen zu etablieren z.B. im Hinblick auf einen Datenfluss, der in beide Richtungen geht, von den Produzent:innen zu den Kund:innen und umgekehrt. Dies ist notwendig, damit alle Akteur:innen in der Lieferkette den gleichen Zugang zu Ressourcen haben und z.B. ein zentrales Risikomanagement etablieren können.
Eine wesentliche Herausforderung des gesamten Konsumgütermarktes ist die Preissensibilität. Die Produktpreise spiegeln aktuell selten die wahren Kosten wider. Das heißt konkret, dass ökologische und soziale Kosten eines Produktes heute im Verkaufspreis nicht eingepreist sind. Nehmen wir z.B. die gesundheitlichen Folgekosten durch den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln in der Landwirtschaft oder die höheren Kosten der Wasseraufbereitung durch hohe Nitratwerte im Grundwasser aufgrund von Überdüngung. Diese Kosten trägt heute die Gesellschaft. Gleiches gilt für das Lohngefüge im globalen Süden. Existenzsichernde Löhne sind hier ein zentrales Thema, das noch lange keine Selbstverständlichkeit ist.
Wir müssen dahin kommen, dass der Preis eines Produktes die Kosten widerspiegelt, die tatsächlich bei der Produktion entstanden sind. True Cost Accounting bietet eine Methodik zur Berechnung dieser Kosten. Konsequent angewendet, können dadurch nachhaltige Produkte und Geschäftsmodelle gefördert werden. Aktuelle Studien zeigen bereits eine positive Wirkung von Fairtrade auf die sozialen Externalitäten in Agrarlieferketten.
Fairtrade Deutschland trägt dazu bei, globale Lieferketten Schritt für Schritt nachhaltiger zu gestalten – nicht abstrakt, sondern ganz konkret im Austausch mit Unternehmen und Produzent:innen.
Indem wir Transparenz schaffen, Risiken wie unfaire Handelspraktiken, zu niedrige Einkommen oder Umweltprobleme sichtbar machen und gemeinsam mit unseren Partnern Lösungen entwickeln, helfen wir, Verantwortung entlang der gesamten Lieferkette zu verankern.
Ein wichtiger Hebel ist dabei, Nachhaltigkeit in bestehende Geschäftsprozesse zu integrieren – etwa durch bessere Daten, klare Anforderungen und eine enge Zusammenarbeit zwischen allen Beteiligten. So entsteht Veränderung nicht nur auf dem Papier, sondern im operativen Alltag.
Unsere Branche zeigt: Wenn wir langfristig zu denken und partnerschaftlich zu arbeiten, können faire Preise, stabile Lieferbeziehungen und nachhaltiges Wirtschaften Hand in Hand gehen – zum Vorteil von Menschen, Umwelt und Wirtschaft.
Seit mutig, hartnäckig und verfolgt mit Kreativität und Leidenschaft den Weg der Nachhaltigkeit. Hinterfragt bestehende Prozesse, inspiriert andere mit euren Ideen, sucht euch Gleichgesinnte. Lasst euch nicht entmutigen von der Komplexität, die Nachhaltigkeit mit sich bringt. Gerade darin liegt die Herausforderung und auch die Möglichkeit, Neues zu schaffen. Dabei geht es nicht nur um das eigene Konsumverhalten, sondern darum, die Welt zusammen ein Stück besser, nachhaltiger zu machen.
Beruflich arbeite ich mit Leidenschaft und Hingabe daran, globale Lieferketten sozial gerechter zu machen. Soziale Gerechtigkeit schließt im Hinblick auf die globalen Auswirkungen des Klimawandels auch immer Umweltkomponenten mit ein, die in den Fairtrade Standards bereits verankert sind und wo wir als System daran arbeiten, die Produzent:innen in der Umsetzung zu unterstützen.
Privat begeistere ich mich sehr für das Thema Minimalismus. Bevor ich etwas Neues kaufe, hinterfrage ich erst, ob ich das Produkt wirklich brauche. Falls ja schaue ich erst, ob es mein Wunschprodukt gebraucht gibt, bevor ich etwas neu kaufe. Lebensmittel kaufe ich vorwiegend in Bio-Qualität und natürlich mit Fairtrade Zertifizierung. Darüber hinaus ernähre mit seit einigen Jahren konsequent vegetarisch.
Ich möchte die Welt zu einem besseren Ort machen. Respekt und Wertschätzung Mensch, Natur und Umwelt gegenüber sind für mich sehr zentrale Werte. In unserem aktuellen Wirtschaftssystem werden diese meines Erachtens nach heute nicht genug berücksichtigt. Das möchte ich ändern.
Privat möchte ich andere dazu inspirieren, auch ihre Konsumgewohnheiten zu hinterfragen. Wichtig ist mir dabei, auf keinen Fall belehrend zu sein, sondern vielmehr vorzuleben und mein Wissen weiterzugeben, wenn ich gefragt werde.
„Revolutionäre Einigung: Handel und Konsumgüterindustrie verpflichten sich ab sofort zur Zahlung und Auslobung der wahren Preise für sämtliche Produkte.“