• Sonja Karl

    Sonja Karl

    Gründerin und geschäftsführende Gesellschafterin faircations

    Neu in:Gastronomie & Tourismus Start-up
    Nachhaltigkeit ist kein Trend oder Lifestyle, Nachhaltigkeit ist für uns alle existenziell!

"Schon die Wahl der Airline kann einen Unterschied machen. Wir zeigen, wie Reisen nachhaltiger wird."


Sonja Karl

 

Person

Gründerin und geschäftsführende Gesellschafterin faircations – Dein Online-Portal für nachhaltiges Reisen

Jahrgang: 1980 | Geschäftssitz: München

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  • Langjährige Führungserfahrung in einem internationalen Touristikkonzern
  • Schwerpunkt Yield- und Produktmanagement, Change Management und Transformation, außerdem Leitung des Sustainability Managements
  • Aktuell geschäftsführende Gesellschafterin von faircations – Dein Online-Portal für nachhaltiges Reisen
 

THEMEN

Nachhaltiges Reisen | nachhaltiger Tourismus | Green Start-ups | Leadership | Female Founders | Remote Work & New Work | Transformation & Change Management

 

Einsatzgebiete

Panels | Diskussionsrunden | Speakerin | Interviewpartnerin | Beratung

 

#nachhaltigreisen #sustainabletourism #leadership #greenstartups #femalefounders #newwork #remotework

Interview

Was genau machst Du beruflich im Bereich der Nachhaltigkeit?

Ich habe zusammen mit vier Kolleginnen und einem Kollegen faircations gegründet, ein Online-Portal für nachhaltiges Reisen. Zusammen mit meinem Mitgründer bin ich dort geschäftsführende Gesellschafterin.

Wie bist du dahin gekommen, wo du jetzt bist?

Ich war viele Jahre lang in einem großen Touristikkonzern tätig, habe zuletzt dort den Bereich Fern- und Luxusreisen geleitet. In meiner Elternzeit habe ich dann ab 2019 an der Idee zu faircations gearbeitet und 2021 dann auch offiziell gegründet.

Hat Nachhaltigkeit schon immer eine Rolle gespielt in Deinem Leben, oder gab es den berühmten Change?

Ganz ehrlich: Bis vor einigen Jahren habe ich mich mit dem Thema Nachhaltigkeit wenig beschäftigt und bin sehr viel gereist, auch mehrmals im Jahr Langstrecke, sowohl privat als auch beruflich und fand das toll! Nach und nach haben sich dann aber immer mehr „unschöne“ Bilder in meinem Kopf festgesetzt: Die Croissants, die in meinem Mallorca-Hotel um 9:50 Uhr am Buffet frisch aufgefüllt wurden, um dann um 10 Uhr direkt in Müllsäcke entsorgt zu werden, die Schneise der Brandrodung auf Borneo beim Blick aus dem Flugzeugfenster, die Elefanten in Thailand, die zur Belustigung der Touristen Fußball spielen sollten. Am Anfang habe ich das noch weggewischt, aber das Gefühl, dass die Art, wie wir reisen, nicht richtig ist, ließ sich irgendwann einfach nicht mehr wegschieben. Meine damalige Vorstandstätigkeit bei futouris e.V., der Nachhaltigkeitsinitiative der Tourismusbranche, hat meine aufkeimenden Bedenken dann auch nochmal weiter bestätigt. Als ich dann schwanger wurde und überlegt habe, wie ich meinem Kind erklären will, was ich dazu beigetragen habe, unseren Planeten zu erhalten, war mir klar, dass ich etwas ändern muss. Zu dem Zeitpunkt habe ich angefangen, mich intensiv mit dem Thema Nachhaltigkeit zu beschäftigen.

Viele Anbieter nehmen jetzt nachhaltige Hotels in ihr Sortiment auf bzw. kennzeichnen Hotels, die sich in punkto Nachhaltigkeit engagieren. Außerdem wird die Lieferkette bzw. touristische Wertschöpfungskette immer öfter Thema – meiner Meinung nach aber immer noch nicht genug.

An welchen Punkten stößt Du, stößt Dein Unternehmen oder Deine Branche an Grenzen in der Nachhaltigkeit und wie löst Ihr diese Herausforderung?

Um in ferne Länder zu gelangen, führt bei touristischen Reisen bislang kein Weg am Fliegen vorbei. Das Fliegen verursacht bekannterweise einen hohen CO₂-Verbrauch und es gibt bislang keine andere Option außer Vermeidung. Es gibt mehrere Projekte zur Entwicklung von Wasserstoffantrieben, doch es wird vermutlich noch Jahre dauern, bis es hier klimaneutrale Angebote gibt. Bis dahin kann man mit alternativen Anreisen wie Bahn oder Bus arbeiten oder mit einer Kompensation des CO₂-Verbrauchs. In diesem Zusammenhang wollen wir unsere Gäste auch aufklären, dass z.B. auch schon die Wahl der Airline/des Fluggerätes/der Flugverbindung einen großen Unterschied auf den individuellen CO₂-Footprint machen kann. Ein weiterer Punkt ist die Zertifizierung nachhaltiger Unterkünfte, um diese für den Kunden sichtbar zu machen. Mittlerweile gibt es über 150 verschiedene Gütesiegel hierfür und es ist sehr unübersichtlich geworden. Diesen Label-Dschungel lichten wir für unsere Kunden, treffen eine Vorauswahl der Zertifizierungen und legen mit unserem #faircationscheck auch nochmal eigene Maßstäbe an.

Wie kann Deine Arbeit, oder Deine Branche dazu beitragen die Welt nachhaltiger zu machen?

Ich bin davon überzeugt, dass Reisen Horizonte eröffnet und erweitert, bildet und hilft, andere Kulturen besser zu verstehen. Vor allem aber unterstützt der Tourismus die lokale Bevölkerung und stärkt die Wirtschaft. Lt. Tourism Watch arbeitete 2019 jeder 10. Beschäftige weltweit direkt oder indirekt im Tourismus. Das ist für mich einer der wichtigsten Faktoren, um zu Wohlstand und somit zu einer nachhaltig besseren Welt beizutragen.

Was war der Auslöser für die Gründung?

Ich habe morgens mein Bio-Beeren-Müsli gelöffelt und darüber nachgedacht, wie einfach es hier war, eine nachhaltige Kaufentscheidung zu treffen. Das Bio-Label direkt vor mir, eindeutig und unübersehbar. Und dass es in meiner Branche, der Touristik, immer noch so schwierig ist, nachhaltige Angebote zu finden und dass es doch auch anderes gehen muss! Das war quasi die Geburtsstunde von faircations.

Was waren die größten Hürden und wie hast Du diese gemeistert?

Ach, es gibt eigentlich jeden Tag neue Hürden, die gemeistert werden wollen – Zwei Dauerthemen sind sicher die Finanzierung als Start-up in der (Pre-) Seed-Phase und die Kinderbetreuung während der Corona-Zeit … aber genau das macht ja auch das Gründen aus, jeden Tag neue Herausforderungen, die es so spannend machen!

Was möchtest Du jungen Menschen in Sachen Nachhaltigkeit mit auf den Weg geben?

Mein Eindruck ist, dass gerade junge Menschen schon sehr stark sensibilisiert sind in punkto Nachhaltigkeit. Insofern würde ich mir einfach wünschen, dass das so bleibt und nicht irgendwann als „jugendlicher Idealismus“ abgetan wird und sich langsam abschwächt.

Inspiriere uns – wie gestaltest Du Dein Arbeits- und Dein Privatleben umweltschonend?

Ich arbeite von zuhause, verzichte z.B. komplett aufs Ausdrucken von Dokumenten. Ich wohne sehr zentral in einer Gegend mit vielen Bio-Läden, das macht es natürlich einfach, viel zu Fuß unterwegs zu sein und nachhaltig einzukaufen.

Was treibt Dich an?

Ich will nicht eines Tages zurückblicken und sagen müssen: „Ja, ich wusste irgendwann schon, dass wir nicht weitermachen können mit der Art, wie wir reisen. Aber gemacht habe ich nix.“

Von welcher Positiv-Schlagzeile aus Deiner Branche zum Thema Umweltschutz träumst Du?

„Entwicklungssprung: Flächendeckender Einsatz von wasserstoffbetriebenen Flugzeugen schon ab diesem Jahr möglich!“

Futurewoman – Empowering Women in Sustainability