• Nanda Frances Bergstein

    Nanda Frances Bergstein

    Director Corporate Responsibility Tchibo GmbH

    FuturelifestyleWirtschaft
    Die spannendste Zeit ist jetzt!

"Uns steht eine tiefe Transformation der Wirtschaft bevor. Ich freue mich, diesen Wandel mitgestalten zu können."


Nanda Frances Bergstein

 

Person

Director Corporate Responsibility (Direktorin Unternehmensverantwortung) Tchibo GmbH

Jahrgang: 1979 | Geschäftssitz: Hamburg

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Nanda Bergstein ist seit 2018 als Director Corporate Responsibility für den Bereich Unternehmensverantwortung bei der Tchibo GmbH verantwortlich.

Nach ihrem Studium der Internationalen Beziehungen an der TU Dresden und „Gender, Development and Globalisation“ an der London School of Economics (LSE) startete sie 2005 ihre berufliche Karriere bei der Hamburger Nachhaltigkeitsberatung Systain. 2007 wechselte sie in den Bereich Unternehmensverantwortung bei Tchibo, wo sie die Menschenrechtssparte aufbaute. Von 2011 – 2017 etablierte Frau Bergstein im Geschäftsbereich Non Food gemeinsam mit ihrem Team das Non Food Nachhaltigkeitsmanagement vom Rohstoff bis zum Endprodukt.

Heute verantwortet Frau Bergstein mit dem Bereich CR die Unternehmenstransformation in Richtung einer 100 % nachhaltigen Geschäftstätigkeit. Ihre persönlichen Schwerpunkte liegen auf Menschenrechten und Umweltschutz entlang aller Tchibo Wertschöpfungsketten und Produkte – Kaffee und Gebrauchsartikel. Ein wichtiger Fokus ihrer Arbeit ist dabei die Skalierung von Nachhaltigkeit über Sektorinitiativen und systemische Ansätze sowie die Entwicklung von Innovationen für einen nachhaltigeren Konsum, wie z. B. Tchibo Share.

 

THEMEN

nachhaltiger Konsum | nachhaltige Kaffeeproduktion | Kreislaufwirtschaft |Women Empowerment | transparente Lieferketten | Lieferkettengesetz | Handel

 

Einsatzgebiete

Speakerin | Panels | Podiumsdiskussionen

 

#Fairfashion #nachhaltigerKonsum #Coffeetime #Kaffeezeit #5Tassentäglich #eCommerce #Lieferkette #Sourcing #lessplastic

Nanda Frances Bergstein – Futurewoman

Interview

Was genau machst Du beruflich im Bereich der Nachhaltigkeit?

Ich bin mit meinem Team dafür verantwortlich, dass der Tchibo Kaffee und unsere Non Food Produkte sowie die jeweiligen Lieferketten sozial- und umweltverantwortlich gestaltet werden. Neben der Gestaltung der Transformation im Unternehmen engagieren wir uns sowohl auf der Ebene von Farmen und Fabriken als auch im Sektor auf der Ebene von Politik, anderen Wirtschaftsakteuren, Zivilgesellschaft und Gewerkschaften. Unsere Programme führen wir in ca. 20 Ländern durch in Asien, Ostafrika und Lateinamerika.

Wie bist du dahin gekommen, wo du jetzt bist?

Ich habe mich im Studium mit internationaler Politik, Völkerrecht und Volkswirtschaftslehre (TU Dresden) beschäftigt, später in London mit Geschlechterfragen, Entwicklungszusammenarbeit und Globalisierung. Zwischen meinen Studiengängen habe ich ein Jahr bei einer NGO in Südindien gearbeitet (mit jungen Mädchen zum Thema Reproduktive Gesundheit und Life Skills). 2005 startete ich mein Berufsleben bei der Hamburger Nachhaltigkeitsberatung Systain, 2007 wechselte ich dann in den Bereich Unternehmensverantwortung bei Tchibo, wo ich die Menschenrechtssparte aufbaute. Nach einem Schwenk in den Geschäftsbereich Non Food und einem erweiterten Fokus auf nachhaltige Produkte bin ich seit 2018 für den Gesamtbereich Corporate Responsibility bei Tchibo verantwortlich.

Hat Nachhaltigkeit schon immer eine Rolle gespielt in Deinem Leben, oder gab es den berühmten Change?

Als ich 7 war, haben wir 2 Jahre in Indien gelebt – ich bin Halbinderin - und ich war immer wieder zu Besuch bei meiner indischen Verwandtschaft. Durch meine Berührung mit dem Land habe ich schon in jungen Jahren mitbekommen, dass Löhne nicht automatisch den Lebensunterhalt decken und harte Arbeit und gute Leistung nicht automatisch gut bezahlt werden. Dass Fairness keine Selbstverständlichkeit ist, sondern gestaltet werden muss. Das Thema zu meinem Beruf zu machen, kam sukzessive während meines Studiums. Meine Herkunft hat mich hier aber deutlich geprägt.

Grundsätzlich geht es um eine tiefe Transformation von Wirtschaft. Die durch die Wirtschaft in vielen Sektoren über Jahrzehnte hinweg verursachten negativen Externalitäten haben große globale Herausforderungen geschaffen und müssen internalisiert werden. Das hat einen Impact auf Geschäftsmodelle, Lieferketten, Konsum und Regulierung. Bei Tchibo gehen wir all diese Facetten ganzheitlich an. Unsere Schwerpunktthemen sind – abgeleitet aus den Sustainable Development Goals - Faire Löhne/Einkommen, Menschenrechte, Mitbestimmung und Empowerment von Frauen sowie Circular Economy, Klimaschutz, Wasserschutz und Biodiversität. Relevante Hebel: Umbau des Geschäftsmodells, Regulierung sowie Innovation im technologischen und digitalen Bereich.

An welchen Punkten stößt Du, stößt Dein Unternehmen oder Deine Branche an Grenzen in der Nachhaltigkeit und wie löst Ihr diese Herausforderung?

Die große Herausforderung, mit der wir uns befassen, ist: Wie kann man als Unternehmen nachhaltig agieren in einem Kontext, der von Wachstum geprägt ist und der keine verbindlichen Untergrenzen zur Sicherstellung von Menschenrechten und Umweltschutz beinhaltet. In der Nachhaltigkeit – dem Einklang zwischen Ökologie, Ökonomie und Sozialem – wird die Ökonomie zu Lasten von Ökologie und Sozialem hochpriorisiert. Langfristig leiden aber alle darunter. Aktuell setzen wir uns stark für ein Lieferkettengesetz ein, denn einzelne Unternehmen werden niemals alleine den Change in den Produktionsländern oder für den Klimaschutz schaffen: Wir müssen viel stärker zusammenarbeiten – mit anderen Unternehmen, mit Gewerkschaften und mit der Zivilgesellschaft – und wir haben in der Vergangenheit hierfür auch etliche Regionalansätze verhandelt. Aber es geht auch darum, als Branche besser zu verstehen, wie man Transformation gestaltet – hier setzen wir stark auf Empowerment-basierte Prozesse in unseren Lieferketten -, und auch, wie man die nötige Skalierung finanziert. Hier sehen wir Technologien und Digitalisierung als Enabler, sofern sie unter Wahrung der Persönlichkeitsrechte genutzt werden, und entwickeln unsere Nachhaltigkeitsstrategie darauf aufbauend weiter.

Wie kann Deine Arbeit, oder Deine Branche dazu beitragen die Welt nachhaltiger zu machen?

Insgesamt darf Nachhaltigkeit kein Luxus sein. Sie muss für alle bezahlbar sein. Wir sehen unsere Rolle darin, Nachhaltigkeit aus der Nische zu holen und für jeden zugänglich und bezahlbar zu machen: Wir wollen unseren Kund*innen ermöglichen, „wert-volle“ Produkte zu kaufen, die sich durch Qualität, Preis und soziale und ökologische Fairness auszeichnen. Wir haben mittlerweile auch festgestellt, dass es wichtig ist, Fürsprecher für die Nachhaltigkeit zu sein, auch als ein Unternehmen, das noch auf dem Weg ist. Denn je mehr Stimmen dafür sind, desto eher wird Nachhaltigkeit „the new normal“.

Ich selbst versuche meinen Beitrag zu leisten, indem ich auch ungewöhnliche Ansätze in das Unternehmen bringe, Regeln in Frage stelle, wie klassische Ökonomie oder klassisches Management aussehen, und ich experimentiere mit Fragestellungen, wie neue Technologien, Digitalisierung und andere Innovationen einen Beitrag zu mehr Nachhaltigkeit leisten können. Besonders wichtig ist mir dabei dafür zu sorgen, dass die Menschen in unseren Lieferketten im Mittelpunkt unserer Programme stehen und dass ihre Stimme klar gehört und unterstützt wird.

Was möchtest Du jungen Menschen in Sachen Nachhaltigkeit mit auf den Weg geben?

Ihr habt nur diese eine Welt – kämpft weiter dafür, dass sie Euch erhalten bleibt und hört nicht auf, Eure Elterngeneration zur Verantwortung zu bringen. Überdenkt dabei auch Euer eigenes Konsumverhalten. Geht in die Natur und seht die Schönheit um Euch herum. Findet einen Purpose, für den es sich lohnt zu kämpfen und schöpft Euren Selbstwert aus dem Inneren und nicht aus dem Äußeren.

Inspiriere uns – wie gestaltest Du Dein Arbeits- und Dein Privatleben umweltschonend?

Ich esse am liebsten vegetarisch (ökologisch), ziehe meine eigenen Kräuter heran und fahre ein elektrisch betriebenes Auto. Bei meiner Kleidung achte ich auf Qualität und Langlebigkeit und dass ich ein neues Teil wirklich liebe und lange behalte.

Was treibt Dich an?

Die Chance zu haben, Wandel mitzugestalten, und Raum für Menschen zu schaffen, für sich selbst zu sorgen und sich stark zu fühlen.

Von welcher Positiv-Schlagzeile aus Deiner Branche zum Thema Umweltschutz träumst Du?

Die Landwirtschaft hat auf Bio-Anbau umgestellt – weltweit!

Futurewoman – Empowering Women in Sustainability