• Suzann Heinemann

    Suzann Heinemann

    Geschäftsführerin bei InfraCert GmbH

    Neu in:Gastronomie & Tourismus
    Wer aufhört, besser werden zu wollen, hört auf, gut zu sein.

Sie ist absolute Vorreiterin, wenn es um nachhaltige Hotellerie geht.


Suzann Heinemann

 

Person

Jahrgang: 1966 | Geschäftssitz: Berlin

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Suzann Heinemann
…ist Gründerin und Geschäftsführerin vom InfraCert - Institut für Nachhaltige Entwicklung in der Hotellerie. Die gelernte Industriekauffrau war schon in jungen Jahren Miteigentümerin eines großen Tagungshotels. 1999 gründete sie die Hotel Consulting Green Solutions und zwei Jahre später die „GreenLine Hotels“ als Marketingkooperation für kleine, mittelständische Hotels, welche von ihr im Jahr 2020 zur nachhaltigen Buchungsplattform greenline-hotels.com weiterentwickelt wurde. Kurz darauf folgte die Tagungsbuchungs-Plattform GreenConferenceHotels.com. Schon früh erkannte Suzann Heinemann das große Potential der Nachhaltigkeit für den Tourismus und so gründete sie 2015 das InfraCert – Institut für nachhaltige Entwicklung in der Hotellerie, welches u.a. das nun in Deutschland marktführende GreenSign Nachhaltigkeitszertifikat vergibt, wovon mittlerweile die vierte Weiterentwicklung inklusive der CO2-Bilanzierung erschienen ist. Weitere Felder für Zertifizierungsprozesse sind GreenSign SPA für Thermen und Wellnessbereiche sowie GreenSign Office für Unternehmen. Seit 2016 ist sie zudem Miteigentümerin des Schlosshotels Blankenburg im Harz mit 66 Zimmern. Im Jahr 2020 brachte InfraCert das Hygienesiegel „Green Clean & Safe“ auf den Markt. Ihre persönliche „Mission“ ist es, die Nachhaltigkeit in der Hotellerie „salonfähig“ zu machen.

 

THEMEN

Alles rund um die Hotellerie und immer mit dem Schwerpunkt Nachhaltigkeit

 

Einsatzgebiete

Gast bei Diskussionsrunden | Speakerin | Moderatorin | Workshop-Begleitung

 

#greensign #nachhaltigkeit #immergutelaune #spassamleben

Interview

Was genau machst Du beruflich im Bereich der Nachhaltigkeit?

Mit unserem Institut begleiten und zertifizieren wir Hotels mit GreenSign, Unternehmen mit GreenSign Office sowie Spa, Wellnessanlagen und Thermen mit GreenSign SPA.

Wie bist du dahin gekommen, wo du jetzt bist?

Mit einem starken Willen, einer großen Freude bei dem, was ich tue, mit Ideenreichtum und mit einer Portion Hartnäckigkeit 😉. Ich habe ein Talent dafür, Trends zu erkennen und bin mir nicht zu schade, Dinge einfach auszuprobieren, auch wenn nicht immer alles funktioniert. Ich lasse mich durch Rückschläge nicht aufhalten und kann im Gegenzug meine Erfolge auch sehr schätzen und feiern.

Ich komme ursprünglich nicht aus der Hotellerie, aber sie hat mich schon immer begeistert, also habe ich mich da reingekämpft und meine Leidenschaft ist heute noch ungebrochen. Ich freue mich heute, die Menschen inspirieren zu können, um für sich und ihr Unternehmen den richtigen Weg zu finden.

Hat Nachhaltigkeit schon immer eine Rolle gespielt in Deinem Leben oder gab es den berühmten Change?

Tatsächlich war das Thema in jungen Jahren nie so präsent. Früher lebten wir ja irgendwie grundsätzlich noch viel nachhaltiger. Heute in der Überflussgesellschaft hat sich der Konsum von umweltschädlichen Produkten (Plastik etc.) und die Ausbeutung von natürlichen Ressourcen ja dramatisch erhöht, weshalb es ja nun so ein aktuelles Thema geworden ist.

Ich merkte 2013/2014, dass immer mehr davon gesprochen wird und erkannte es zunächst für den Tourismus als höchst relevant. Je mehr ich mich mit Nachhaltigkeit beschäftigte, konnte ich auch Ideen und Überzeugungen für mein privates Leben sammeln und somit fand bei mir auch für meinen Alltag ein Umdenken statt. Letztendlich geht es ja auch um Gesundheit, Wohlbefinden, Achtsamkeit, Wertschätzung und Zukunft – und das sind Dinge, die jedem Menschen wichtig sein sollten.

Da gibt es ganz viele neue Trends, die sich auch in der Hotellerie und Gastronomie leicht verfolgen bzw. umsetzen lassen.

Angefangen mit einer saisonalen, regionalen Küche mit Bio-Produkten mit kurzen Lieferwegen oder Zutaten aus dem eigenen Kräuter-/Gemüsegarten. Das Angebot auf der Speisekarte wird durch aktuelle Gesundheitstrends noch vielfältiger und beliebter, denn Vegetarier, Veganer, Flexitarier, Clean Eater, Paleo-Anhänger oder Ketofans wollen auch kulinarisch verwöhnt und überrascht werden.

Auch das Thema e-Mobilität wird zunehmend relevanter und die Hotels mit einer guten Ladeinfrastruktur punkten heute schon bei den E-Autofahrern. Den Tourist*innen zur Erkundung der Gegend ein E-Bike oder Fahrrad zum Ausleihen anzubieten, bedeutet einen idealen Beitrag zum Umweltschutz und der Gästezufriedenheit.

Gäste achten auch vermehrt auf Biodiversity und Naturerlebnisse und so können Maßnahmen, wie eine grüne Wand in der Lobby, ein Insektenhotel, eine Gästeblumenwiese mit Naschgarten, Ausflüge zum Waldbaden oder Blumensamen statt Schokolade auf Kopfkissen schon viel bewirken.

Und das Thema Regionalität möchte ich noch erwähnen, denn darauf richtet sich bei vielen Reisenden der Fokus. Sie wollen die Region schmecken, fühlen und spüren. Regionale Souvenirs oder selbsthergestellte Produkte vor Ort oder auch im Online-Shop anbieten ist eine solcher Ideen, die sich gut umsetzen lassen.

An welchen Punkten stößt Du, stößt Dein Unternehmen oder Deine Branche an Grenzen in der Nachhaltigkeit und wie löst Ihr diese Herausforderung?

Nachhaltigkeit ist ein Entwicklungs-Prozess und eigentlich ist man nie so richtig fertig. Man muss immer am Ball bleiben und gemeinsam im Team nachhaltige Innovationen entwickeln.

Die Herausforderung ist, Gäste durch smarte, transparente und begeisternde Kommunikation für das Thema Nachhaltigkeit zu sensibilisieren. Durch Kreativität und positiven Vibe vor Ort den Gästen das Gefühl geben, dass eben der nachhaltige Lifestyle auch ohne Komfortverzicht funktioniert. Nachhaltigkeit macht Spaß und auch nachhaltige Gästeerlebnisse hinterlassen eine ideale Erinnerung an das Hotel. Tue Gutes und sprich darüber …

Das größte Thema in der Hotellerie ist derzeit der Fachkräftemangel. Aber auch hier kann Nachhaltigkeit helfen. Mitarbeitende sehnen sich nach einem tieferen Sinn in ihrer Arbeit und gestalten gern mit bei einer zukunftsfähigen Umwelt. Faire Bezahlung und gute Arbeitsbedingungen gehören selbstverständlich auch dazu und gesellschaftliches Engagement wird von Personal und Gästen sehr geschätzt.

Ich möchte immer wieder folgende Dinge betonen: Nachhaltigkeit begeistert und macht Spaß! Umweltfreundliches Verhalten bedeutet weder Verzicht noch Verbote! Nachhaltigkeit und Komfort sind kein Widerspruch! Also einfach anfangen.

Wie kann Deine Arbeit oder Deine Branche dazu beitragen, die Welt nachhaltiger zu machen?

Die Hotellerie und Gastronomie sind die Hauptleistungsträger des Tourismus. Mit mehr als 220.000 Betrieben und etwa zwei Millionen Arbeitsplätzen stellt das Gastgewerbe somit einen bedeutenden Wirtschaftsfaktor in Deutschland dar und trägt dadurch besondere Verantwortung für nachhaltiges Wirtschaften in der Zukunft. Durch den fortschreitenden Klimawandel sind Konsument*innen heute verstärkt sensibilisiert, ihre Urlaubs- und Hotelauswahl von Aspekten der Nachhaltigkeit abhängig zu machen. Geschäftsreisende fordern heute einen niedrigen CO2-Fußabdruck ihrer Übernachtung und viele Tourist*innen wünschen sich eine intakte Umwelt und authentische regionale sowie kulturelle Erfahrungen. Ziel der Tourismusbranche sollte es daher stets sein, die Natur zu erhalten und Kultur zu schützen.

Nachhaltigkeit ist also nicht nur eine Ideologie oder eine Notwendigkeit für die Menschheit, sondern heute noch Wettbewerbsvorteil. Eine nachhaltige Hotelführung unterstützt nicht nur die Umwelt und die Gesellschaft, sondern sichert häufig auch finanziellen Wohlstand für das Unternehmen. Mit meiner Mission, den Hoteliers mit einem idealen Leitfaden den Einstieg in die Nachhaltigkeit und die Weiterentwicklung dieser zu ermöglichen, tragen mein Team und ich dazu bei, dass der Gast von heute mit gutem Gewissen reisen kann und dass Hotels zukunftsfähig bleiben.

Was war der Auslöser für die Gründung?

Eigentlich habe ich ja schon einige Firmen gegründet, einfach aus einer Idee heraus, die es so noch nicht gab. Meine letzte Gründung war das InfraCert Institut 2015 mit unserem GreenSign Zertifizierung. Ich erzähle gern, wie es dazu kam.

Vor 20 Jahren gründete ich die GreenLine Hotels als Marketing-Kooperation für Hotels, die im Grünen gelegen sind. Wir wurden aufgrund unseres Namens schon sehr früh auf Nachhaltigkeit angesprochen, auch wenn das zu Beginn noch gar nicht unsere Intention war. Und irgendwann wurde das Thema wichtiger und auch mein Team und ich fingen an, uns damit zu beschäftigen. Im Jahr 2014 beschlossen wir, unser Konzept komplett auf Nachhaltigkeit auszurichten. Mir wurde schon vor #fridaysforfuture und der UN Klimakonferenz in Paris klar, dass die Menschen dies sukzessive einfordern werden. Auch hängt der zukünftige Erfolg des Tourismus, der ja meist nur mit einer intakten Natur und schönen Reisebedingungen funktioniert, von einer gesunden Umwelt ab.

Als wir nach einem geeigneten Siegel für die GreenLine Hotels suchten, stellten wir fest, dass es die ideale Zertifizierung noch gar nicht gab. Ich sage immer: Ganz oder gar nicht! Wir wollen uns niemals Greenwashing unterstellen lassen müssen und daher war es für uns wichtig, dass es praxisbezogen ist, dass alle drei Säulen und die acht Kernbereiche der Nachhaltigkeit einbezogen sind und dass Abstufungen nötig sind. Nicht jedes Hotel bringt dieselben Voraussetzungen mit und es muss immer die Möglichkeit, einer Weiterentwicklung geben. Also habe ich 2015 das InfraCert-Institut gegründet und zusammen mit Partnern aus der Wissenschaft und der Hotellerie ein eigenes Zertifikat - das GreenSign - entwickelt. Heute kann ich sagen, dass diese Idee genau zum richtigen Zeitpunkt kam und wir feiern stets neue Erfolge damit.

Was waren die größten Hürden und wie hast Du diese gemeistert?

Als wir unser Nachhaltigkeitszertifikat GreenSign auf dem Markt brachten, mussten wir zunächst ein paar Vorurteile aus dem Weg räumen und die Hoteliers für diese Idee begeistern. So fürchteten viele Hoteliers, dass eine nachhaltige Betriebsführung zu viel kostet und der Komfort für die Gäste darunter leiden könnte.

Mit verschiedenen Workshops und zahlreichen individuellen Gesprächen konnten wir aber die meisten Hoteliers überzeugen, dass nachhaltiger Tourismus das Reisen nicht einschränkt. Dafür kann der Urlaub bewusster, erlebnisreicher und authentischer gestaltet werden.

Wenn Hotels weniger Ressourcen verbrauchen und die Prozesse nachhaltig optimiert werden, spart der Hotelier am Ende sogar Kosten. Viele Kolleg*innen erkannten, dass sie mit wenig finanziellem Aufwand große ökologische Einflüsse erzielen können. Ich habe auch immer wieder beobachtet, dass Hotels in vielen Bereichen schon sehr nachhaltig arbeiten, ohne dass es dem Hotelier bewusst war.

Alle Hoteliers konnten wir nicht dafür begeistern, aber das war auch nicht unser Anspruch. Wir sehen heute, dass die Hotellerie nicht mehr zukunftsfähig bleiben wird, wenn sie sich nicht nachhaltig verändert und wissen, dass wir genau den richtigen Weg gegangen sind.

Was möchtest Du jungen Menschen in Sachen Nachhaltigkeit mit auf den Weg geben?

Nachhaltigkeit kann großen Spaß machen und gerade die jungen Menschen haben tolle innovative Ideen. Also raus damit! Traut euch im Privaten, wie auch im Beruflichen eure Ideen den anderen zu vermitteln und diese in die Tat umzusetzen. Probiert euch aus! Sicherlich geht nicht immer alles auf einmal. Aber Nachhaltigkeit ist ein Prozess und wir alle werden täglich besser. Egal in welcher Branche ihr arbeitet, bezieht euer Team und eure Kund*innen oder andere Stakeholder mit ein und ihr werden auf Dauer damit Erfolge feiern.

Inspiriere uns – wie gestaltest Du Dein Arbeits- und Dein Privatleben umweltschonend?

Oh da gibt es viele Dinge, die ich in den letzten Jahren verändert habe. Ich fahre einen E-Smart in der Stadt. Meine geschäftlichen Reisen haben sich durch Corona total verändert. Vieles wird digital durchgeführt und die Bahn kommt immer mehr zum Einsatz.

Beim Kochen verwende ich – auch aus gesundheitlicher Überzeugung – frische, saisonale Produkte aus der Region und ich bezeichne mich als Flexitaria. Fleisch gern, wenig aber gut.

Im Büro haben wir uns komplett nachhaltig aufgestellt. So sind wir nahezu papierlos und PET frei (Wasser gibt es aus einer BRITA Filteranlage), beziehen Ökostrom, haben ein betriebliches Gesundheitsmangement aufgesetzt (Sportangebote, gesundes Essen etc.) und achten auf ein faires Miteinander und eine gute Work-Life-Balance. Über unser nachhaltiges Engagement im eigenen Büro haben wir das GreenSign Office entwickelt. Mit dem GreenSign Office gehen wir in Kürze auf den Markt und zertifizieren Unternehmen aller Art nachhaltig und begleiten sie bei ihrem nachhaltigen Weg.

Mein eigenes Hotel – das Schlosshotel Blankenburg im Harz ist GreenSign zertifiziert und hat mittlerweile das Level 4 erreicht. Gestartet sind wir hier vor Jahren nur mit einem Level 2 und haben uns von Jahr zu Jahr verbessert. Das Ende der Fahnenstange ist noch nicht erreicht und wir arbeiten auch stetig an der Verbesserung unserer Nachhaltigkeit.

Und wenn ich ein Hotel suche, dann achte ich selbstverständlich auf Nachhaltigkeitszertifikate – die Seite greenline-hotels.com kann ich sehr empfehlen 😉.

Was treibt Dich an?

Definitiv der Spaß an meiner Arbeit, vor allem das persönliche Miteinander mit meinem tollen Team und den vielen Hoteliers und Branchenkolleg*innen. Ich bin sehr viel im Kontakt mit Kolleginnen und Kollegen, die mich inspirieren und mit denen ich neue nachhaltige Ideen entwickle. Es gibt ein unglaubliches Potential an innovativ denkenden und authentischen Hoteliers und die Gäste dürfen in Zukunft noch mehr tolle Konzepte erwarten mit unvergesslichen und nachhaltigen Reiseerlebnissen.

Von welcher Positiv-Schlagzeile aus Deiner Branche zum Thema Umweltschutz träumst Du?

„Klimaneutralität, Qualität und soziales Engagement ist in der Hotellerie jetzt Standard.“

Futurewoman – Empowering Women in Sustainability