• Dr. Ute Symanski

    Dr. Ute Symanski

    Gründerin Hochschulcoaching, Vorsitzende RADKOMM e.V.,

    Mobilität
    Nur das Fahrrad wird unsere Städte retten.

Sie ist die erste Frau, die in NRW eine Volksinitiative angemeldet und erfolgreich zum Abschluss gebracht hat. Es geht um Ihr Herzensthema: Das Fahrrad.


Dr. Ute Symanski

 

Person

Gründerin Hochschulcoaching, Vorsitzende RADKOMM e.V., Vertrauensperson Aufbruch Fahrrad

Jahrgang: 1970 | Geschäftssitz: Köln

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Dr. Ute Symanski ist Autorin, Vortragsrednerin, Strategieberaterin und Coach. Sie ist studierte Kommunikationswissenschaftlerin und promovierte Organisationssoziologin. Als Strategieberaterin und Coach arbeitet sie mit der Leitungs- und Managementebene von Organisationen und mit Führungspersönlichkeiten. Bevor Sie 2009 ihre eigene Firma gründete, war Ute als Führungskraft und Projektmanagerin in diversen Positionen tätig (u.a. TU Dortmund, RWTH Aachen, DAAD). Ute ist Vorsitzende von RADKOMM e.V. und die Vertrauensperson für die NRW-weite Volksinitiative Aufbruch Fahrrad. Sie ist Mitglied in der Jury für den Deutschen Nachhaltigkeitspreis (DNP).

 

THEMEN

Aktivismus, Empowerment, Bürgerbeteiligung, Volksinitiative, Direkte Demokratie | nachhaltige Mobilität, Mobilitätswende, Verkehrswende | Konfliktbehandlung | Nachhaltigkeitsstrategie | Organisationsentwicklung | Wissenschaftsmanagement

 

Einsatzgebiete

Gast bei Diskussionsrunden | Speakerin | Moderatorin | Strategieberaterin | Coach | Gutachterin

 

#AufbruchFahrrad #Radkomm #DirekteDemokratie #Mobilitätswende #SciencemanagersForFuture #UniteBehindTheScience #WomenInMobility #Autokorrektur #Leadership

Foto: Philipp Hympendahl
Foto: Philipp Hympendahl
Foto: Hanna Witte
Foto: Hanna Witte
 

Interview

Was genau machst Du beruflich im Bereich der Nachhaltigkeit?

Als Organisationsberaterin und Coach entwickle ich gemeinsam mit Wissenschaftsorganisationen, Kommunen, Städten und anderen Organisationen eine individuelle Nachhaltigkeitsstrategie. Ich bringe in den Organisationen die Menschen zusammen, die eine Veränderung zu mehr Nachhaltigkeit wollen. Ich habe einen eigenen Podcast: SciencemanagersForFuture, für den ich Menschen interviewe, die in Leitungspositionen an Hochschulen und Wissenschaftsorganisationen sind und sich für Nachhaltigkeit einsetzen.

Als politische Aktivistin engagiere ich mich in der Klimagerechtigkeitsbewegung und arbeite an den Themen nachhaltige Mobilität und Gestaltung des öffentlichen Raums. Ich bin Vorsitzende des gemeinnützigen Vereins RADKOMM in Köln. RADKOMM ist der bedeutendste Think Tank für nachhaltige urbane Mobilität in NRW. Wir veranstalten seit 2015 den Kongress RADKOMM, und haben das Format RADKOMM.TV entwickelt. Wir bringen das ganze Jahr über Menschen zusammen, die sonst nicht unbedingt zusammen kämen: Entscheider*innen in Politik und Verwaltung mit Bürger*innen mit Expert*innen mit Aktivst*innen.

Zudem bin Initiatorin und Vertrauensperson für die NRW-weite Volksinitiative Aufbruch Fahrrad. Damit bin ich die erste Frau in der Geschichte unseres Bundeslandes, die eine Volksinitiative angemeldet und zum erfolgreichen Abschluss gebracht hat. Seit Januar 2020 arbeite ich mit am Fahrradgesetz für NRW.

Wie bist du dahin gekommen, wo du jetzt bist?

Seit vielen Jahren arbeitete ich als Coach und Strategieberaterin und berate Wissenschaftsorganisationen, Kommunen und Städte. 2014 und 2015 war ich Mitglied im Rat der Stadt Köln. Ich weiß, wie Kommunikation in Organisationen, in Verwaltungen und in politischen Prozessen funktioniert. Dieses Wissen wollte ich für zivilgesellschaftliches Engagement und gesellschaftliche Ziele nutzen.

Hat Nachhaltigkeit schon immer eine Rolle gespielt in Deinem Leben, oder gab es den berühmten Change?

Dass „man Dinge anders organisieren, und nachhaltiger leben müsse“ – das habe ich lange verspürt. Dann kam der Moment, wo ich 2009 mit Freund*innen eine Wähler*innengruppe in Köln gegründet habe – die KLIMA FREUNDE, die für eine alternative und nachhaltige Politik und mehr Mitbestimmung auf kommunaler Ebene eintritt. Bei den Kommunalwahlen gewannen wir auf Anhieb ein Mandat im Stadtrat. Das hat bei mir einen Schalter umgelegt und seitdem bin ich überzeugt: Wir können so viel erreichen, wenn wir uns zusammenschließen und uns organisieren. Und: Es kommt auf uns an, auf jede Einzelne und jeden Einzelnen. Mit dieser Zuversicht habe ich auch RADKOMM oder Aufbruch Fahrrad gestartet.

Ich habe den Eindruck, dass immer mehr Menschen ihre Autoblindheit und gefühlte Abhängigkeit vom eigenen Auto überwinden. Und ich erkenne in den Organisationen ganz klar den Trend, dass die Menschen, die mehr Nachhaltigkeit wollen, sich zusammenschließen und Nachhaltigkeit einfordern.

An welchen Punkten stößt Du, stößt Dein Unternehmen oder Deine Branche an Grenzen in der Nachhaltigkeit und wie löst Ihr diese Herausforderung?

In der Arbeit mit Organisationen zeigen sich schnell dort Grenzen, wo es darum geht, etwas anders zu machen, als es bisher gemacht wurde. Vor allem große Organisationen wie Hochschulen oder auch Städte und Kommunen haben Traditionen und Strukturen, die oft resistent gegen Veränderung sind. Mangelnde Offenheit in den Köpfen von Politik oder Verkehrs- und Stadtplanung ist eine Grenze, ebenso verhärtete Fronten in Organisationen. Wichtig ist, nicht nur an einer einzelnen Stelle anzusetzen, sondern sich klarzumachen, dass in Organisationen die einzelnen Einheiten ineinander greifen, wie Rädchen in einem großen Getriebe. Deshalb braucht es für jede Veränderung an einer Stelle immer auch die Stellen in der Organisation, die ebenfalls betroffen sind. Und es ist wichtig, sich klarzumachen, dass die Menschen selbst am besten wissen, wo sie ansetzen können und wo die größten Potentiale für Veränderung zu Nachhaltigkeit sind. Wir schaffen ein Forum, damit all diese Ideen zusammengetragen werden.

Wie kann Deine Arbeit, oder Deine Branche dazu beitragen die Welt nachhaltiger zu machen?

Aus der Soziologie wissen wir, dass es für einen gesellschaftlichen Wandel eine kritische Masse braucht, die mitmachen. Das ist nicht die Mehrheit – es sind nur 3,5%! Wenn wir immer mehr Menschen zusammenbringen, die sich als Teil der Klimagerechtigkeitsbewegung empfinden und daran glauben, dass eine nachhaltige Zukunft möglich ist, dann haben wir diese kritische Masse bald erreicht. In all meinen Projekten geht es mir letztlich darum, Menschen zusammenzubringen, Netzwerke und Kommunikation zu stiften. Ich arbeite an den 3,5%!

Was war der Auslöser für die Gründung?

Der Klassiker: Ich war Ende 30 und habe mich gefragt, wofür ich die zweite Hälfte meines Lebens einsetzen möchte. Ich wollte meine Zeit und Kraft für das einsetzen, was ich für wirklich sinnstiftend halte.

Was waren die größten Hürden und wie hast Du diese gemeistert?

Die größte Hürde stand in meinem eigenen Kopf. Ich habe eine zeitlang gebraucht, um Anlauf zu nehmen und mich schließlich zu trauen, über sie hinwegzuspringen.

Was möchtest Du jungen Menschen in Sachen Nachhaltigkeit mit auf den Weg geben?

Tatsächlich sehe ich es umgekehrt – die jungen Menschen haben es geschafft, was wir älteren in den letzten 30 Jahren nicht geschafft haben: die Klimakrise auf die politische Agenda zu setzen und dafür zu sorgen, dass darüber in den Medien berichtet wird. Mir hat es sehr viel neuen Mut und neue Kraft gegeben, dass die FFF-Bewegung so stark ist. Deshalb würde ich lieber einen Wunsch an die jungen Menschen formulieren, statt einer Empfehlung: Bitte macht weiter, seid weiter laut, seid weiter hartnäckig und weiter so wissenschaftsverbunden.

Inspiriere uns – wie gestaltest Du Dein Arbeits- und Dein Privatleben umweltschonend?

Bevor ich etwas kaufe, frage ich mich sehr kritisch: Brauche ich das wirklich? Es gibt ein wunderbares Fotoprojekt, das Menschen aus allen Teilen der Welt mit ihren Besitztümern zeigt. Auf den Fotos sieht man die Menschen vor ihren Behausungen – und daneben stehen all die Dinge, die sie besitzen. In den Konsumgesellschaften türmen sich da Berge von Dingen, sehr viel doppelt und dreifach, sehr viel unnützer Kram. Brauchen wir drei Fernseher pro Haushalt, zwei Autos und 13 verschiedene Töpfe und Pfannen? Das hat mich inspiriert. Und ich habe vor einigen Monaten eine neue Spülmaschine mit dem Lastenrad gekauft. Mein Auto habe ich vor mehr als 20 Jahren abgeschafft.

Was treibt Dich an?

Die Hoffnung, dass es nicht zu spät ist. Die Gewissheit, dass es auf uns alle ankommt. Und die große Freude, gemeinsam mit anderen Ziele zu erreichen.

Von welcher Positiv-Schlagzeile aus Deiner Branche zum Thema Umweltschutz träumst Du?

Darf ich von zwei Schlagzeilen träumen? Die erste: „Wissenschaftsorganisationen in Deutschland stellen ihre Industriekooperationen auf den Prüfstand der Nachhaltigkeit“. Und die zweite: „Die Bundesverkehrsministerin will Zahl der privaten PKW um 90% reduzieren.“

Portraitfoto: Hanna Witte

 

Futurewoman – Empowering Women in Sustainability