• Katrin Büscher

    Katrin Büscher

    Geschäftsführerin, Arbeitsgemeinschaft Stoffspezifische Abfallbehandlung e.V. (ASA)

    NGOs / Verbände etc.RechtWirtschaft
    Nachhaltigkeit dreht sich um das Dranbleiben, nicht um Perfektion. Daher ist es besser, auf neuen Wegen zu stolpern, als in alten Pfaden auf der Stelle zu treten.

Ihr Traum ist eine intakte Kreislaufwirtschaft.


Katrin Büscher

 

Person

Geschäftsführerin, Arbeitsgemeinschaft Stoffspezifische Abfallbehandlung e.V. (ASA)

Jahrgang: 1980 | Geschäftssitz: Ennigerloh und Berlin

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Geboren und aufgewachsen im Kreis Gütersloh; Studium der Rechtswissenschaften in Bielefeld
und anschließendes Referendariat und Tätigkeit am Landgericht Essen; zwischenzeitlicher Auslandsaufenthalt in Shanghai, China und Weiterbildung im Umweltrecht; Wissenschaftliche Mitarbeiterin im Deutschen Bundestag und Referentin für rechtlichen Verbraucherschutz,
Leiterin des Fachbereichs Kommunikation und Recht eines Bundesverbandes in Berlin mit dem Schwerpunkt im Energie- und Umweltrecht und seit 2016 aktiv in der Entsorgungswirtschaft als Geschäftsführerin der ASA mit Sitz in Ennigerloh (Kreis Warendorf) und Berlin.

 

THEMEN

Kreislaufwirtschaft | Klimaschutz | Energie- und Umweltrecht

 

Einsatzgebiete

Expertin und Referentin bei Fachtagungen und Kongressen

 

#Kreislaufwirtschaft #Abfallbehandlung #Stoffspezifisch #Klimaschutz #Recycling

Biomüllkontrolle
Biomüllkontrolle
Müllsammeln
Müllsammeln
 

Interview

Was genau machst Du beruflich im Bereich der Nachhaltigkeit?

Der Schwerpunkt meiner beruflichen Tätigkeit liegt in der Interessenvertretung mit Augenmerk auf die stoffspezifische Abfallbehandlung. Das bedeutet, dass unsere Mitgliedsunternehmen (private und kommunale Entsorger) eine verlässliche Verwertung und Entsorgung von Abfällen garantieren und das Potenzial des Abfalls durch den gezielten Zugriff auf einzelne Stoffströme nutzen. So werden vor der weiteren Verwertung wertvolle Rohstoffe aus dem Restabfall gewonnen. Darüber hinaus werden Sekundärbrennstoffe, auch Ersatzbrennstoffe (EBS) genannt, z. B. für Kohle- und Zementkraftwerke, hergestellt. Ferner wird das Potenzial von Bioabfällen genutzt und es wird regenerative Energie aus Biomasse und hochwertiger Kompost (als Bodenverbesserer und Düngemittel) erzeugt.

Wie bist du dahin gekommen, wo du jetzt bist?

Nach dem Abitur habe ich Rechtswissenschaften in Bielefeld studiert. Zur Überbrückung meiner Wartezeit auf das anstehende Referendariat habe ich für ein viertel Jahr in einer der bedeutendsten Industriestädte Chinas, in Shanghai, gelebt. Beeindruckt von dem Leben in einer der größten Städte der Welt war mein juristischer Schwerpunkt schnell gelegt, denn Klima- und Energiepolitik schienen in dieser Metropole eine Mission impossible. Noch während des Referendariats arbeitete ich als wissenschaftliche Mitarbeiterin im Deutschen Bundestag und später als Referentin für rechtlichen Verbraucherschutz. Im Anschluss leitete ich den Bereich Kommunikation und Recht eines Interessenverbandes in Berlin bis ich schließlich für die ASA die Geschäftsführung übernommen habe, mit dem Ziel ein Hauptstadtbüro aufzubauen und die Themen der Kreislaufwirtschaft nach vorne zu bringen.

Trends prägen nicht nur unser Leben, sondern auch Veränderungsprozesse auf dem Weg zu mehr Nachhaltigkeit in der Abfallwirtschaft. Auch wenn ich immer wieder den Eindruck gewinne, dass die Bezüge zur Abfallwirtschaft nur selten im Fokus stehen, so haben wir erhebliche Trends z. B. in den Bereichen Ressourcenwirtschaft, Technologieentwicklung, Mobilität, neue Arbeitswelten und Klimawandel gesetzt.

So führt die Entwicklung der Mobilität zu einem Wertewandel: Car sharing und andere Formen der Fortbewegung gewinnen zunehmend an Zuspruch. Statussymbole sind weniger wichtig. Um von A nach B zu kommen, ist kein eigenes Auto mehr notwendig. „Nutzen statt besitzen, Teilen statt Haben“ gewinnen an Bedeutung. Auch die Entlokalisierung von Arbeits- und Wohnort führt zu neuen Lebensgewohnheiten und damit zu einem neuen Konsumverhalten und zu einer Veränderung von Abfallmengen. Home-Office Arbeitsplätze gewinnen an Attraktivität und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist nicht nur mit einer Kostenersparnis (weniger Bürofläche) verbunden, sondern ermöglichen auch flexibel und unabhängig von Ort und Zeit zu arbeiten. Der Trend für ein nachhaltiges Leben und Wirtschaften setzt damit auch ein Zeichen beim Klimawandel. So trägt die Abfallwirtschaft schon jetzt dazu bei, CO2 reduzierend zu arbeiten und einen entscheidenden Anteil am Einsatz erneuerbarer Energien zu forcieren. So schafft man es bereits heute, dass das warme Wasser aus der Dusche, den Speiseresten aus der Biotonne zu verdanken ist und zum begehrten Energielieferanten wird, mit dem Haushalte oder sogar ganze Industriezweige versorgt werden können.

Wie kann Deine Arbeit oder Deine Branche dazu beitragen, die Welt nachhaltiger zu machen?

Durch meine Arbeit habe ich die Möglichkeit, für das Thema Nachhaltigkeit zu sensibilisieren und aufzuzeigen, wie einfach es für jede:n von uns ist, aktiv einen Beitrag zu leisten. Das beginnt bei den ersten Gewohnheiten auf dem Weg zur Arbeit – nachhaltige Alternativen zum klassischen Coffee-to-go Becher zu wählen und die gute alte Butterbrotdose zu nutzen. Und ich habe die Chance aufzuzeigen, dass Abfall einfach mehr ist, als das, was niemand mehr haben möchte: Kreislaufwirtschaft bedeutet in Deutschland mit entsprechenden Technologien gezielt auf einzelne Stoffströme zuzugreifen, sie neuen Nutzungswegen zuzuführen und dabei Energie einzusparen. So gewinnt Recycling nicht nur wertvolle Rohstoffe zurück, sondern hilft aktiv, das Klima zu entlasten.

Was möchtest Du jungen Menschen in Sachen Nachhaltigkeit mit auf den Weg geben?

  • Das Neuste muss nicht immer auch das Beste sein!
  • Lebe mit Maß und Ziel!
  • Wenn du eine Situation nicht ändern kannst, dann ändere deine Sichtweise! Auch gebrauchte Produkte können eine preiswerte Alternative sein.
  • Dinge aus zweiter Hand sind nicht zweite Wahl.

Inspiriere uns – wie gestaltest Du Dein Arbeits- und Dein Privatleben umweltschonend?

Im Berufsleben werde ich jeden Tag mit den Änderungen unserer Umwelt konfrontiert. Die Krisen der letzten Jahre haben gezeigt, wie sinnvoll es sein kann, Termine oder Sitzungen digital durchzuführen. Durch das Pendeln zwischen Berlin und NRW bin ich schon immer mit dem Zug unterwegs gewesen. Neben der umweltschonenden und größtenteils stressfreien Alternative zum Autofahren, kann ich die Zeit auch nutzen, um Dinge abzuarbeiten oder mal ein Buch zu lesen. Privat ist das autofreie Reisen und das Umschwenken auf den ÖPNV leider nicht immer möglich, da ich im Münsterland mangels einer gut ausgebauten Infrastruktur auf das Auto angewiesen bin. Aber auch hier versuche ich – wenn möglich – das Rad zu nutzen oder zu Fuß zu gehen. Darüber hinaus versuche ich bei nahezu allem, das ich konsumiere, nachhaltige Alternativen zu nutzen. Das beginnt beim Kauf regionaler Waren auf dem Wochenmarkt, geht weiter mit dem Kauf von gebrauchtem Kinderspielzeug – und Kleidung und endet im Verzicht üben.

Was treibt Dich an?

Neugier und die Begeisterung an dem, was ich tue.

Von welcher Positiv-Schlagzeile aus Deiner Branche zum Thema Umweltschutz träumst Du?

Die stoffspezifische Abfallbehandlung ist Innovationsmotor der Zukunft und Impulsgeber für beste Bedingungen einer intakten Kreislaufwirtschaft.

Futurewoman – Empowering Women in Sustainability