• Bianca Seidel

    Bianca Seidel

    Unternehmensberaterin mit Schwerpunkt Sustainable Management | Sustainable Design

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    Es sind die Designer, die die große Chance haben, intelligente Produkte für die Zukunft zu entwickeln.

Ihr Credo: Nur die innovativen Unternehmen werden Zukunft erleben!

Bianca Seidel – Jahrgang 1967 – Unternehmensberaterin mit Schwerpunkt Sustainable Management | Sustainable Design Bianca Seidel Consulting

Unternehmens-Beraterin seit 14 Jahren, immer mit dem Ziel die Unternehmen zukunftsfähig zu machen. Was heißt das konkret?

"Ich gehe über die Grenzen der klassischen Unternehmensberatung hinaus, indem ich für und mit meinen Klienten von innen heraus Nachhaltigkeitsstrategien unter Aspekten der unternehmerischen Verantwortung (Corporate Social Responsibility) entwickle und diese gemeinsam mit ihnen implementiere. Einer meiner Schwerpunkte liegt hierbei im Lieferketten-Management der Fashion- und Konsumgüterindustrie sowie bei der Produkt- und Service-Entwicklung unter Einbeziehung von Ecodesign-Prinzipien. Ich arbeite sowohl mit mittelständischen als auch kleinen Unternehmen zusammen und natürlich gehören auch Start-Ups und Designer zu meinen Kunden." 

Du bist eine Pionierin im CSR und Nachhaltigkeitsbereich. Wie ist es dazu gekommen? Warum hat dich das Thema schon so früh umgetrieben?

"Ich habe ein sehr ausgeprägtes Gerechtigkeitsempfinden. Ungerechtigkeit treibt mich zum Handeln an, um sie zu beseitigen. Für mich war und ist es bis heute logisch, dass wir unseren Lebensraum mit all seiner Vielfalt und Schönheit achten, wertschätzen und schützen müssen. Wenn wir ihn vernichten, schaden wir uns letztendlich selbst und zeigen damit zudem, dass wir uns tief verachten und uns selbst keine Wertschätzung entgegenbringen. Diese Erkenntnis war im Grunde der Auslöser, weshalb ich bereits Ende der 80er Jahre 'Feuer und Flamme' für das damals noch sehr zarte Pflänzchen Naturtextilien war und ich mich dann schon Anfang der 90er Jahre mit einem eigenen Fashion-Brand selbstständig machte. Ich wollte meinen Beitrag zur Rettung der Welt leisten, indem ich Naturfasern verarbeitete. Und ich wollte die Menschen in der deutschen Bekleidungs- und Textilindustrie retten, indem ich in Deutschland, vorwiegend in der damals gebeutelten Textilregion Schwäbische Alb, produzierte.

Bereits damals war mir sehr bewusst, dass die Naturtextilien aus ihrem Öko-Nischen-Dasein befreit und einer breiteren Zielgruppe zugänglich gemacht werden müssen. Deshalb produzierte ich auf einem sehr hohen Qualitätsniveau und mit einem ebenso hohen Design-Anspruch. Das war damals ein Novum. Ebenso neu war, dass ich unter diesen Aspekten ein Sportswear-Label im Premium-Segment entwickelte, das ich in der internationalen Yacht- und Segelbranche etablierte. Mein Argument war: Wer Sport im sauberen Wasser treiben möchte, der sollte auch saubere und wasserschonende Bekleidung dafür tragen. Dieses Argument fanden damals selbst Häuser wie das Bon Marché in Paris spannend und haben mein Brand vertrieben. Im Gegensatz zur Messe Düsseldorf, die mir über fünf Jahre keinen Standplatz auf der Boot Düsseldorf verkauft haben, weil ich nicht klassisch dunkelblau mit Goldknöpfen geliefert habe. Das war wirklich harte Pionierarbeit damals und erst als sie mitbekamen, dass wir schon international erfolgreich waren und unter anderem den Yachtclub Monaco belieferten, durften wir dann auch in Düsseldorf ausstellen."

Bianca Seidel – Futurewoman
Bianca Seidel – Futurewoman
 

Wie unterscheidet sich deine Arbeit früher und heute? Ist es leichter geworden?

"Heute ist es deutlich einfacher geworden, weil das Thema 'Sustainability' im Markt angekommen und vor allem auch akzeptiert ist. Ein Unternehmen, eine Lieferkette oder ein Produkt möglichst vollstufig fair und zukunftsfähig zu gestalten, ist aber immer noch eine große Herausforderung und die zeitlichen und monetären Aufwände dafür nicht zu unterschätzen. Das macht es aber auch extrem spannend. Ich freue mich jedes Mal wie eine Schneekönigin über neue Lösungen. Genau darin liegt für mich auch der Reiz, der mich immer wieder motiviert. Wenn es einfach wäre, könnte es ja jeder. Einfach ist für mich keine intellektuelle Herausforderung. Ich habe den Anspruch an mich, die besten, fairsten und ressourcenschonendsten Lösungen für ein Unternehmen zu finden – und dieses Selbstverständnis begleitet mich bereits solange wie ich mich mit diesem Thema beschäftige.

Für mich ist es selbstverständlich, Verantwortung für unseren Planeten und seine Bewohner zu übernehmen und ihn wertschätzend zu behandeln. Ich wäre glücklich, wenn meine Arbeit dazu beiträgt, dass auch zukünftige Generationen auf diesem Planeten gut leben können. Wenn ich eines Tages meinen letzten Atemzug mache, möchte ich zu mir selbst sagen können, dass ich mit meiner Arbeit und meinem Leben dazu einen guten Beitrag geleistet habe. Diese Einstellung erwarte ich von jedem Menschen auf dieser Erde. Wie oft behaupten Menschen, dass sie wollen, dass es ihren Kindern einmal besser geht. Im Angesicht des Klimawandels, der damit verbundenen Katastrophe und dem zögerlichen Handeln der Erwachsenen bin ich froh, dass die Kinder nach Vorbild von Greta Thunberg ihr Schicksal jetzt selbst in die Hand nehmen. Auf die Eltern, so scheint es jedenfalls oft, ist derzeit wenig Verlass."

Du bist selbst Gründerin – was rätst du GründerInnen von heute?

"Jedem Gründer muss heute klar sein, dass sein Geschäftsmodell dahingehend ausgerichtet sein sollte, verantwortungsvoll mit unseren Ressourcen umzugehen, weil unsere Erde eben nicht unendlich viel davon hat. Wenn er als Unternehmer zukunftsfähig sein will, hat er überhaupt keine andere Wahl – entweder er implementiert nachhaltige Systeme oder er geht mit seinem Geschäftsmodell unter. Denn wir haben keine Zeit mehr. Es ist schon längst nicht mehr 5 vor 12. Es ist später, vielleicht sogar schon 5 nach 12. In dieser Situation gewinnen Designer stark an Bedeutung. Denn rund 80 Prozent aller umweltbeeinflussenden Schäden und soziale Missstände entstehen bereits in der Produkt- beziehungsweise Serviceentwicklungsphase. Es sind Designer, die die große Chance haben, hier positiv zu beeinflussen, und intelligente Produkte zu entwickeln. Sie sollten schon im Entwicklungsprozess an das Ende des Produkts denken und sich überlegen, wie dieses möglichst nachhaltig gestaltet werden kann oder ob es überhaupt ein Ende geben muss. Sie haben die spannende Aufgabe, ihren ganzen Intellekt und Geist einzusetzen, um die Welt besser zu machen – und das ist doch eine wunderbare und wichtige Rolle."

Inwieweit ist Nachhaltigkeit ein Wirtschaftsfaktor?

"Ich vergleiche Unternehmen, die sich neuen Gegebenheiten nicht anpassen können, gerne mit Dinosauriern, die schon bald keinen Platz mehr auf diesem Planeten haben werden. Dass sich die Gegebenheiten ändern werden, ist ja keine neue Erkenntnis, die die Unternehmen über Nacht überrascht haben könnte. Bereits 1972 warnte der Club of Rome vor den Grenzen des Wachstums. Man sollte doch meinen 47 Jahre würden zum Umdenken reichen. Leider ist dem nicht so. Wir haben Industrien und Unternehmen, die sich erst bewegen, wenn der Druck, entweder von Verbraucherseite oder vom Gesetzgeber, zu groß wird. Wenn Ressourcen knapper werden oder andere negative Ereignisse eintreten und Unternehmen beizeiten dagegen intelligente Lösungen entwickelt haben, bevor der Gesetzgeber einschreitet, dann eröffnen sie sich einen Wettbewerbsvorteil gegenüber denen, die einfach so weiter gemacht haben als gäbe es all diese Probleme nicht. Ist es nicht klüger seine Kreativität, sein technisches Know-how und sein Kapital dafür einzusetzen solche Lösungen zu entwickeln, als stattdessen Lobbisten zu bezahlen, um den Status Quo, der mehr Probleme bringt als löst, zu erhalten? Zukunftsfähig sind Unternehmen nur, wenn sie vorausschauend agieren. 

Beim Thema Fachkräftemangel ist Nachhaltigkeit auch ein wichtiges Thema, denn die Folgegenerationen wählen sich ihre Arbeitgeber zunehmend unter diesen Aspekten aus. Andersherum muss Nachhaltigkeit aber auch ökonomisch sein. Wenn man bei allem 'Guttun' nicht darauf achtet, dass sein Unternehmen auch auf wirtschaftlich gesunden Beinen steht, ist auch niemandem geholfen – im Gegenteil. Dies zu vermitteln ist immer eine große Herausforderung für mich." 

Wer muss was tun, damit wir den Planeten noch retten können?

Wir müssen alle begreifen, dass es nicht Aufgabe von einem einzigen Stakeholder oder einer Personengruppe ist, die Welt zu retten. Wir können dies nur gemeinsam schaffen. Die Wirtschaft trägt dazu bei, indem sie sich ihrer Verantwortung stellt, die Politik, indem sie klare Regeln aufstellt und nicht nur in Wahlperioden denkt und sich dabei der Machtlust hingibt und die Zivilbevölkerung, indem sie sich ebenfalls ihrer Verantwortung bewusst wird und ihr Konsumverhalten ändert. Niemand darf sich hinter dem Argument verstecken, das er oder sie nicht informiert sind. In einer globalen und digitalen Welt kann sich jeder jederzeit und überall über alles informieren. Das ist das Schöne daran und deshalb gibt es auch keine Entschuldigung.

Portraitfoto: Falko Wübbecke

Futurewoman ist ein Projekt von Janine Steeger