• Dr. Saskia Juretzek

    Dr. Saskia Juretzek

    Senior Manager Sustainability Allianz SE

    BeratungFinanzen
    Be the change you want to see.

Sie sieht Unternehmen als wesentlichen Akteure für eine nachhaltige Transformation an. Daneben braucht es Bildung und die Politik.


Dr. Saskia Juretzek

 

Person

Senior Manager Sustainability Allianz SE

Jahrgang: 1979 | Geschäftssitz: München

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  • Über 10 Jahre Erfahrung im unternehmerischen Nachhaltigkeitsmanagement u.a. in der Finanz- und Telekommunikationsbranche; internationale Erfahrung als Unternehmensberaterin
  • Promotion zur „Erfolgreichen Umsetzung von Nachhaltigkeitsstrategien in Unternehmen“ an der Leuphana Universität Lüneburg
  • Beiratsmitglied im MBA „Zukunftstrends und Nachhaltiges Management“ an der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt; Gastvorlesungen zu Nachhaltigkeitsmanagement an verschiedenen Hochschulen (u.a. TU München)
  • Zahlreiche Panelteilnahmen, Vorträge, Vorlesungen und Interviews rund um das Thema Nachhaltigkeitsmanagement in Unternehmen
  • Buchbeiträge u.a. zur Integration von Corporate Responsibility (CR) in Unternehmen und die Rolle der Berichterstattung (Nachhaltiges Management, Springer, 2019.) und den Rahmenbedingungen der Corporate Sustainability (Social Media) – Kommunikation (CSR and Social Media, Springer, 2014).

 

THEMEN

  • Chancen und Herausforderungen bei der Umsetzung von Nachhaltigkeitsstrategien - was braucht es, um erfolgreich zu sein (Kompetenzen der Manager/Rahmenbedingungen im Unternehmen; Strategische Integration von und Steuerung mittels Nachhaltigkeitskriterien)
  • Die Sustainable Development Goals der Vereinten Nationen als strategischer Rahmen
  • Die Relevanz nicht-finanzieller Berichterstattung und guter Datenqualität
  • Messung der Nachhaltigkeitsleistung in Unternehmen
  • Karrierewege in der Nachhaltigkeit
 

Einsatzgebiete

Speakerin | Panelteilnehmerin | Gesprächspartnerin für Interviews/Podcasts | fachliche Moderation | Workshops

 

#unternehmerischeNachhaltigkeit #Nachhaltigkeit #Unternehmensverantwortung #CSR #Sustainability #nachhaltige Entwicklung #Umweltschutz #Klimaschutz #SDGs #Kompetenzen #Kennzahlen #Messung #Reporting #ESG #Karriere #Jobs

Foto: Leonhard Nima
Foto: Leonhard Nima
IHK Munich. Foto: Goran Gajanin
IHK Munich. Foto: Goran Gajanin
 

Interview

Was genau machst Du beruflich im Bereich der Nachhaltigkeit?

Ich beschäftige mich seit mehr als 10 Jahren mit unternehmerischer Verantwortung und habe mich nach einem klassischen betriebswirtschaftlichen Studium und dem Karrierestart in der internationalen Unternehmensberatung Accenture für den Wechsel in die Nachhaltigkeit entschieden. Dafür habe ich in meiner Promotion an der Leuphana Universität Lüneburg unter anderem untersucht über welche Kompetenzen Nachhaltigkeitsmanager*innen verfügen sollten, um Nachhaltigkeit erfolgreich zu implementieren und umzusetzen. Parallel dazu war ich mehrere Jahre bei der Telefónica Deutschland für strategische Nachhaltigkeitsthemen, Berichterstattung und Kommunikation verantwortlich. Seit 2015 treibe ich Nachhaltigkeit aus der Zentrale der Allianz voran, arbeite daran die gruppenweite Nachhaltigkeitsstrategie zu definieren und gemeinsam mit den Ländergesellschaften zu implementieren, leite die konzernweite Nachhaltigkeitsberichterstattung und Prüfung sowie unsere Bemühungen, die Sustainable Development Goals der UN umzusetzen. Daneben lehre ich an verschiedenen deutschen Hochschulen und halte Vorträge auf Konferenzen. Die Diskussionen zu nachhaltiger Unternehmensentwicklung mit Studierenden ist mir sehr wichtig. Gemeinsam mit Janine Steeger und Sandra Broschat setze ich mich mit futurewoman und futuretalks für mehr Frauen in Führungspositionen und auf Panels ein.

Wie bist du dahin gekommen, wo du jetzt bist?

Als Kind war ich mit meiner Familie viel in der Natur unterwegs, in den Wäldern, aber auch auf Bauernhöfen, so dass mir Natur und Tiere immer sehr nah waren. Noch heute ist ein Spaziergang in einem naturnahem Wald für mich die totale Erholung. Ich stamme aus einem umweltbewussten Haushalt, beruflich hat es jedoch etwas gedauert bis ich den für mich richtigen Weg gefunden habe. Im Studium habe ich mich mit Umweltwirtschaft beschäftigt und für die Vereinten Nationen gearbeitet, aber damals gab es noch keine Nachhaltigkeitsmanager in Unternehmen. Als sich das entwickelte (siehe nächste Frage) habe ich umgesattelt. Wichtig war mir, Umsetzungskraft zu haben – daher habe ich mich für Unternehmen entschieden, in denen ich die Dinge bewegen und schnell umsetzen kann.

Hat Nachhaltigkeit schon immer eine Rolle gespielt in Deinem Leben, oder gab es den berühmten Change?

Beruflich gab es den berühmten Change, auch wenn das private Interesse lange da war und ich auch beruflich immer wieder Berührungspunkte hatte. Während meiner Zeit bei Accenture wurde ich Teil der neugegründeten Arbeitsgruppe für Nachhaltigkeit. Das Thema hat mich sofort fasziniert, ohne damals schon genau zu wissen, was im Beratungskontext dahintersteckte. Ich habe schnell festgestellt: das ist genau das was ich treiben möchte. Um Wissen aufzubauen, entschied ich mich für eine Promotion an der Leuphana Universität Lüneburg. Fast gleichzeitig startete ich in der Corporate Responsibility Abteilung der Telefónica Deutschland.

Für mich persönlich haben gerade große internationale Unternehmen durch ihre Reichweite die Möglichkeit, Nachhaltigkeit schnell und effektiv voranzutreiben und das Umfeld zum Nachahmen anzuregen. Es ist mir wichtig, Nachhaltigkeit proaktiv mitzugestalten und den Fortschritt zu sehen.

Auf EU-Ebene passiert unglaublich viel im Hinblick auf Sustainable Finance, das wird die Unternehmen und Märkte noch stark bewegen. Zudem achten immer mehr Investoren und Asset Owner auf ESG-konforme (Environmental/Social/Governance) Investments und die Erfolgsmessung von Unternehmen betrachtet verstärkt nicht-finanzielle Leistungsindikatoren. Mitglieder der Net-Zero Asset Owner Alliance der Vereinten Nationen arbeiten daran, die CO2-Emissionen ihrer Anlageportfolios (Stand August 2020: 5 Billiarden USD) bis 2050 auf netto Null zu reduzieren, um ihren Beitrag zur Begrenzung der globalen Erwärmung auf 1,5°C zu leisten. Dies hat eine massive Auswirkung auf die Portfolios und eine riesige Hebelwirkung.

An welchen Punkten stößt Du, stößt Dein Unternehmen oder Deine Branche an Grenzen in der Nachhaltigkeit und wie löst Ihr diese Herausforderung?

Ich persönlich hauptsächlich bei einzelnen Menschen, die nicht verstehen (wollen), warum Nachhaltigkeit auch im unternehmerischen Kontext relevant ist und die langfristige Geschäftsfähigkeit sichert. Ökonomische, ökologische und soziale Ziele können sich kurzfristig widersprechen und lassen sich nicht (immer) gleichzeitig erreichen, diese Dilemmata habe ich auch in meiner Doktorarbeit untersucht. Im unternehmerischen Kontext sind Kompromisse nötig, und man kommt in Entscheidungsprozessen nur mit Beharrlichkeit, Geduld und einer langfristigen Denkweise weiter. Ich konzentriere mich auf die Menschen die offen sind, und etwas bewegen möchten, aber natürlich müssen auch die kritischen Stakeholder im Unternehmen überzeugt werden.

Auf politischer Ebene fehlt mir der zukunftsgerichtete Blick und Veränderungswillen, es braucht Rahmenbedingungen und die richtigen Anreize - in zukunftsweisende Geschäftsmodelle und nicht in den Erhalt nicht zukunftsfähiger Modelle – damit Unternehmen gezielt umsteuern. Noch treiben einige „Frontrunner“ die Politik vor sich her.

Wie kann Deine Arbeit, oder Deine Branche dazu beitragen die Welt nachhaltiger zu machen?

In meiner aktuellen Rolle als Nachhaltigkeitsmanagerin in der Konzernzentrale der Allianz kann ich dazu beitragen, eine Organisation mit knapp 150.000 MitarbeiterInnen nachhaltiger zu gestalten. Am Wichtigsten ist mir dabei, Nachhaltigkeitskriterien in die Kernprozesse des Unternehmens so zu integrieren, dass sie maßgeblich die unternehmerischen Entscheidungen beeinflussen, bspw. über in die Zielvereinbarungen der ca. 70 lokalen CEOs, wie auch in die Planungsdialoge mit den lokalen Gesellschaften. 

Der Finanzsektor hat einen riesigen Hebel, zu einer nachhaltigeren Welt beizutragen - Versicherer zum einen über „was“ sie versichern (z.B. keine kohlefinanzierten Geschäftsmodelle) und auch „wie“ die Kundengelder investiert werden (bspw. proaktives investieren in erneuerbare Energien, keine Investition in Unternehmen mit einer schlechten ESG (Environmental/Social/Governance) Leistung).

Was war der Auslöser für die Gründung?

2018 bin ich auf der Suche nach Frauennetzwerken in der Nachhaltigkeit auf Janine Steeger und die Seite futurewoman.de gestoßen. Uns beide eint der Gedanke, dass es zu wenig Frauen auf Panels und in Führungspositionen gibt. Schnell haben wir beschlossen futuretalks für Frauen in der Nachhaltigkeit zu organisieren, um Frauen zu vernetzen und sichtbar zu machen, also die fehlenden Netzwerkveranstaltungen selbst zu organisieren. Mittlerweile bauen wir futurewoman.de weiter aus und sehen bereits eine große positive Resonanz.

Was waren die größten Hürden und wie hast Du diese gemeistert?

Zum einen das Projekt neben einem Vollzeitjob und weiteren Verpflichtungen auszubauen und zu professionalisieren. Und neben dem Spaß und der Überzeugung an der Sache auch an einem Modell zu arbeiten, das sich finanziell selbst trägt.

Was möchtest Du jungen Menschen in Sachen Nachhaltigkeit mit auf den Weg geben?

Es ist DAS Thema für die Zukunftsfähigkeit unseres Planeten und damit für uns alle! Und es ist unglaublich zufriedenstellend etwas sinnvolles zu tun.

Inspiriere uns – wie gestaltest Du Dein Arbeits- und Dein Privatleben umweltschonend?

Ich versuche möglichst alles in nachhaltiger Qualität zu kaufen, vor allem Essen, Kosmetik, Kleidung, Wasch- und Putzmittel und Möbel, und denke immer darüber nach, ob ich es wirklich benötige. Meine Garderobe habe ich stark reduziert, vieles verkauft oder verschenkt, was gleichzeitig echt entspannend ist. Ich stöbere gern in Second Hand Läden - da habe ich schon tolle Sachen gefunden. Privat reise ich meist in Europa. 

Beruflich versuche ich unnötige Reisen zu vermeiden und wenn dann mit der Bahn zu reisen. Mehr und mehr Kollegen haben ein verstärktes Nachhaltigkeitsbewusstsein, aber auch hier versuche ich immer wieder zu sensibilisieren, ohne zu belehren.

Was treibt Dich an?

Im Einklang mit Mensch und Natur – und damit einfach sinnvoll - zu handeln. Die Natur ist so faszinierend und einzigartig, ein komplexes, funktionierendes System in sich - es geht mir nicht in den Kopf, wie wir sie für Profit oder unnötigen Konsum zerstören können und auch nicht wie wir auf Kosten anderer leben können.

Von welcher Positiv-Schlagzeile aus Deiner Branche zum Thema Umweltschutz träumst Du?

„Globale Einigung in der Klimadiskussion – alle Staaten haben sich in einem klaren Abkommen geeinigt, die Erderwärmung auf 1,5 Grad zu begrenzen und arbeiten mit allen Akteuren mit Hochdruck an der Umsetzung des Vorhabens.“

Portraitfoto: Leonhard Nima

 

Futurewoman – Empowering Women in Sustainability