Ich kümmere mich sowohl bei den Bürgerwerken als auch bei der Heidelberger Energiegenossenschaft (HEG) um Außenkommunikation, Projektmanagement und Öffentlichkeitsarbeit. So kann ich die Idee der Energiewende in Bürgerhand bekannter machen und dafür sorgen, dass möglichst viele Menschen als Ökostrom-Kund:in und/oder als Mitglied einer Energiegenossenschaft den Ausbau der Erneuerbaren Energien unterstützen. Denn ohne die Beteiligung der Bürger:innen ist die Energiewende nicht zu schaffen. Während die Technologien für eine erneuerbare, saubere, unabhängige und dezentrale Energieversorgung längst entwickelt sind und nur noch eingesetzt werden müssen, ist der gesellschaftliche Wandel gemeinsam zu gestalten – durch uns!
Nach dem Abitur habe ich 2010 zunächst mit einem Physikstudium begonnen, um später im Bereich der Erneuerbaren Energien zu arbeiten. Ich habe schnell gemerkt, dass mir dieses Fach zu abstrakt ist und bin nach zwei Semestern zu Politikwissenschaft gewechselt. So kann ich nun von der anderen – der kommunikativen statt der technischen – Seite Energiewende mitgestalten.
Durch Zufall habe ich kurz nach meiner Ankunft in Heidelberg 2011 von der lokalen Energiegenossenschaft gehört: Damals noch eine ganz junge Initiative von Studierenden. Ich war von der Idee begeistert und habe mich dort ehrenamtlich engagiert. Da die HEG die Bürgerwerke mitgegründet hat, kam ich 2015 zu meinem Praktikum bei den Bürgerwerken und bin danach als Werkstudierende dabeigeblieben. So habe ich bereits während meines Masters beim Aufbau der Bürgerwerke als genossenschaftlicher Ökostromversorger mitgewirkt und wurde nach dem Studium 2018 übernommen. Gleichzeitig mit Ende des Studiums wurde ich auch in den Vorstand der HEG berufen, um meine jahrelange ehrenamtliche Arbeit als Gremienmitglied weiterzuführen.
Da die HEG stark gewachsen ist, habe ich mich nach zwei Amtszeiten im Vorstand entschieden, die Verantwortung abzugeben. Als Pressesprecherin vertrete ich die HEG aber weiterhin nach außen. Zusammengefasst: Seit 2018 bin ich an zwei Stellen, quasi rund um die Uhr, für die Energiewende in Bürgerhand unterwegs und freue mich sehr, dass ich zu 100 % hinter den Werten der beiden Organisationen stehe.
Meine Geschwister – 11 und 13 Jahre älter als ich ¬– haben mir schon früh vermittelt, wie wichtig Klimaschutz ist und dass Erneuerbare Energien ein zentraler Baustein dafür sind. In meiner Familie war es somit normal, kein Fleisch zu essen, echten Ökostrom zu beziehen und eher Fahrrad als Auto zu fahren. Je mehr ich mich als Jugendliche und später als junge Erwachsene mit Nachhaltigkeit beschäftigt habe, desto deutlicher wurde jedoch, dass ich mich zwar für den richtigen Weg entschieden habe, aber noch mehr zu tun ist. Inzwischen bin ich in meinem Umfeld beispielsweise Impulsgeberin für vegane Ernährung, unverpacktes Einkaufen, Second-Hand – und natürlich mein Herzensthema: Erneuerbare Energien als Lösung gegen die Klimakrise und für soziale Teilhabe an der Energieversorgung.
Technologisch haben sich die Erneuerbaren Energien in den letzten Jahren immer weiterentwickelt und sie sind inzwischen die günstigste Art der Energieerzeugung – und zudem am besten für Klimaschutz und Gesundheit. Seit der FridaysForFuture-Bewegung ist die Notwendigkeit von Klimaschutz in der Breite der Gesellschaft angekommen, der Ukraine-Krieg hat nochmals deutlich gemacht, dass wir uns unabhängig von fossilen Brennstoffen machen müssen.
Nun stellt sich aber die Frage: Wie gestalten wir diesen Wandel und wie nehmen wir alle Bürger:innen mit? Hier setzen Energiegenossenschaften an und ermöglichen allen Interessierten, sich finanziell und ideell an der Energiewende zu beteiligen. Wir müssen dafür sorgen, dass es in den nächsten Jahren ausreichend Beteiligungsmöglichkeiten gibt, sodass sich alle ausreichend mitgenommen fühlen und wir die gesellschaftliche Transformation hin zu einer klimaneutralen und demokratischen Energieversorgung schaffen.
Jede Form der Energieerzeugung hat Implikationen auf Umwelt und Klima. Wir haben den Weg gewählt, der am wenigsten negative Auswirkungen hat, denn Erneuerbare Energien benötigen nach ihrem Bau keine Brennstoffe mehr. Zudem können die Erzeugungsanlagen inzwischen fast vollständig recycelt werden. Hier immer wieder auszuloten, wie wir schnell viel Wirkung erreichen und gleichzeitig maximal nachhaltig handeln, das ist und bleibt eine große Aufgabe.
Ohne Energie funktioniert das moderne Leben nicht. Deshalb ist es zentral, dass wir hier so schnell wie möglich klimaneutral werden. Im Stromsektor sind wir zwar im Vergleich zum Verkehrs- und Wärmesektor schon relativ weit, aber trotzdem noch nicht bei 100 % Erneuerbaren Energien. Die Arbeit der regionalen Energiegenossenschaften setzt genau hier an: Sie bauen Erzeugungsanlagen in ihrer Region – durch die Beteiligung der Bevölkerung stärken sie die regionale Wertschöpfung und nehmen die Menschen mit. Zudem setzen die Genossenschaften weitere Energiewende-Projekte um: Im Bereich von Elektromobilität, E-Carsharing, Nahwärme-Netzen oder Suffizienz-Aufklärung machen sie unsere Energieversorgung stetig nachhaltiger.
Die Bürgerwerke unterstützen ihre Mitgliedsgenossenschaften als Dachorganisation dabei: Indem sie die Vernetzung der Genossenschaften stärken sowie durch die Einnahmen aus der Energielieferung, die nach Abzug der laufenden Kosten komplett an die Mitgliedsgenossenschaften weitergeleitet werden. So haben die Genossenschaften weitere Einnahmen, die sie in die Umsetzung von Projekten oder die Bezahlung hauptamtlicher Stellen investieren können, was die Wirkung für die Energiewende verstärkt.
Es ist richtig, dass Nachhaltigkeit die junge Generation immer stärker umtreibt. Und es ist wichtig, dass sie dabei laut ist und bleibt, denn nur so wird der Druck ausreichend groß, dass sich etwas ändert. Unsere Familie, unsere Freund:innen, unser gesamtes Umfeld muss die Klimakrise und das Artensterben anerkennen und entsprechend handeln. Dann wird auch die Politik angehalten, die richtigen Rahmenbedingungen setzen.
Ganz konkret kann ich jede und jeden Einzelnen ermutigen, sich im Bereich Nachhaltigkeit zu engagieren und dort auch eine berufliche Perspektive zu sehen. Denn hier liegt die Zukunft und es gibt nichts Besseres, als jeden Tag voller Motivation zur Arbeit zu gehen und zu wissen, was der eigene Einsatz beiträgt: Die Welt besser zu machen, unsere Umwelt zu schützen und allen Menschen ein gutes Leben zu ermöglichen.
Wir sind 2023 mit den Bürgerwerken und der HEG in ein neues Bürogebäude gezogen, den e+KUBATOR. Hierfür wurde eine Kaserne im Bestand saniert, wir nutzen den Strom von der eigenen Solaranlage, kühlen mit Grundwasser, haben die Autostellplätze massiv reduziert und arbeiten umgeben von weiteren nachhaltigen Unternehmen. Besser geht es nicht! So erarbeiten wir in einem maximal nachhaltigen Umfeld weiter die Lösungen für die Energieversorgung der Zukunft – die umweltschonend, klimafreundlich und in Hand von uns Bürger:innen ist.
Im Privaten kaufe ich fast ausschließlich verpackungsfrei im hiesigen Unverpackt-Laden und im Hofladen ein – viel entspannter und weniger anonym als im Supermarkt. Was ich übrigens allen Frauen* empfehlen kann: Seitdem ich eine Menstruationstasse nutze, spare ich nicht nur jeden Monat sehr viel Müll, sondern fühle mich auch deutlich wohler und sicherer.
Dass ich die Welt verändern kann – wenn auch nur im Kleinen, so sind unsere Schritte hin zu einer nachhaltigen Energieversorgung oft wegweisend und dienen so vielen anderen als
Vorbild. Denn wir zeigen, dass jede:r Einzelne etwas bewegen kann. Vor allem, wenn wir uns zusammentun. Ganz nach dem Genossenschaftsmotto: „Was eine:r alleine nicht schafft, das schaffen viele.
100 % Erneuerbare Energien in allen Sektoren: Strom, Verkehr und Wärme haben die Transformation dank dem Engagement der Bürger:innen geschafft.