• Sophie von Lilienfeld-Toal

    Sophie von Lilienfeld-Toal

    Gründerin GfaW

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    Mein Herz schlägt für all die mutigen Pioniere, die den Weg der nachhaltigen Wirtschaft gehen, obwohl es mühsam ist. Pioniere machen eine andere Wirtschaft und gestalten eine andere Welt.

Sie will uns den Siegel-Dschungel ersparen

Sophie von Lilienfeld-Toal – Jahrgang 1974 – Gründerin GfaW Gesellschaft für angewandte Wirtschaftsethik

Wer im Netz nach nachhaltigen Siegeln sucht, findet man 181. Sie haben unterschiedliche Schwerpunkte. Mal geht es um ökologisch, mal um faire Arbeitsbedingungen, mal um Umweltschutz. Wer zum Teufel soll da als Konsument durchblicken? Genau das ist der Ansatz von Sophie von Lilienfeld-Toal. Sie hat die Gesellschaft für angewandte Wirtschaftsethik, kurz GfaW, gegründet. Damit entwickelt sie Standards für non-food Produkte und Unternehmen, die das gesamte Nachhaltigkeits-Spektrum abdecken.

Dass Menschen rücksichtslos leben und nur kurzfristig denken, war Sophie von Lilienfeld-Toal schon früh in ihrem Leben zuwider. Sie verbringt ein freiwilliges soziales Jahr in Kanada in einer anthroposophischen Lebensgemeinschaft. Danach ist ihr klar, dass sie aussteigen will.

EIGENTLICH WOLLTE SIE AUSSTEIGEN

„Ich wollte nicht dieses langweilige, vorprogrammierte Leben, das nur aus Arbeit für die Ferien und den Konsum besteht. Ich bin dann nur deshalb nach Deutschland zurück, um etwas Sinnvolles zu lernen, das ich dann in einer Aussteiger-Gemeinschaft einbringen kann. Aber dann kamen die Kinder und mit ihnen meine Wende. Mir wurde klar: Was nützt es, wenn ich aussteige und alle so weitermachen wie bisher? Dann habe ich nur meine eigene Haut gerettet. Und die anderen? Und meine Kinder, die Kindeskinder, meine Familie und deren Nachkommen, meine Freunde und deren Freunde und dann noch deren Freunde? Ich wollte mich nicht mehr einfach aus dem Staub machen, sondern besser etwas ändern.“

Biolebensmittelcamp 2017
Biolebensmittelcamp 2017
Biolebensmittelcamp 2017
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„Ein eigenes Unternehmen war nie ein Thema.“

Sie macht eine Ausbildung zur Landwirtin, studiert im Anschluss ökologische Landwirtschaft, später arbeitet sie in unterschiedlichen Zertifizierungsstellen, mal wertet sie Berichte der Kontrolleure aus, mal kontrolliert und zertifiziert sie selbst. „Ich hatte nie die Idee, eine Firma zu gründen. Es waren immer nur die nächsten notwendigen Schritte, die mich angetrieben haben, damit sich Nachhaltigkeit weiter etabliert. Firmen wollen einen Standard, okay, mach ich einen. Der Standard braucht eine Infrastruktur, okay, mache ich eine Infrastruktur. Die Marken müssen geschützt werden, okay, dann melde ich sie national und international an. So geht das immer weiter.“ 

Hadern gehört zum Gründen dazu

Es klingt so leicht und unproblematisch. Fast ein bisschen wie Pipi Langstrumpf „Ich mach mir die Welt, wie sie mir gefällt, oder eben das, was sie von mir verlangt.“ Aber leicht war und ist der Weg von Sophie von Lilienfeld-Toal auf gar keinen Fall. 

„Ich bin oft verzweifelt gewesen und habe mit der Welt gehadert. Wie ist es möglich, dass Start-Ups es in unserem reichen Deutschland so schwer haben? Warum gibt es so wenig Unterstützung, wenn jemand etwas „weltrettendes“ aufbauen möchte? Warum schlägt CSE nicht ein wie eine Bombe, wo es doch die Rettung wäre? Warum läuft das alles nicht? Ich habe oft gedacht: Das wird nichts. Inzwischen habe ich meine Haltung dazu geändert. Es hilft mir, wenn ich mir sage, dass die Welt nicht dazu da ist, gerettet zu werden. Wir Menschen sind hier, um Erfahrungen zu machen und miteinander gut auszukommen.“

Naturkosmetikcamp
Naturkosmetikcamp
CSE Siegel
CSE Siegel
Naturkosmetikcamp
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Der Blick in die Zukunft

Die GfaW entwickelt Nachhaltigkeitsstandards, externe Zertifizierer gehen in die Unternehmen, um diese selbst oder deren Produkte zu überprüfen, ob diese das CSE Siegel führen dürfen. Die Standards werden ständig weiterentwickelt und angepasst. Und die Unternehmen werden jedes Jahr aufs Neue überprüft.

„Ich denke immer groß und möchte dementsprechend noch viel erreichen:

Im Außen: Die GfaW erreicht in drei Jahren ihren Break-even. In 5 Jahren haben wir den Öko-Markt mit CSE durchdrungen und bewegen den konventionellen Markt Richtung Öko.

Im Inneren der GfaW: Wir sind ein tolles Team, das von den gleichen Werten angetrieben wird, gehen respektvoll miteinander um, arbeiten gerne zusammen und glauben an dieselbe Vision. Ich möchte eine Arbeitswelt gestalten, in der Mütter willkommen sind, in der Alleinerziehende mehr Chancen und Unterstützung erhalten. Einfach alles, was ich selbst gebraucht hätte und mir wünsche.

Für mich persönlich: Ich schaffe die Balance zwischen Forderung und Loslassen im guten Sinne für mich und die GfaW.“

Futurewoman ist ein Projekt von Janine Steeger