• Monika Lichtinghagen-Wirths

    Monika Lichtinghagen-Wirths

    Geschäftsführerin Bergischer Abfallwirtschaftsverband

    Wir haben kein Recht, diese Welt auszubeuten und die noch vorhandenen Rohstoffe aufzubrauchen, als würde es nach uns niemanden mehr geben.

Sie verdient Ihr Geld mit Abfall und tut gleichzeitig alles, um ihn zu vermeiden

Monika Lichtinghagen-Wirths – Jahrgang 1965 – Geschäftsführerin Bergischer Abfallwirtschaftsverband

Monika Lichtinghagen-Wirths ist eine dieser Frauen, die gleichzeitig zuhören und Pläne schmieden können. Und sie ist eine Macherin. Sobald sie einen ihrer Pläne für gut befunden hat, setzt sie den auch um.

Vernetzt in der ganzen Welt

Die studierte Ökotrophologin ist die Geschäftsführerin des Bergischen Abfallwirtschaftsverbandes. Der Geschäftssitz des BAV ist in Engelskirchen, eine Gemeinde im Bergischen Land mit nicht mal 20.000 Einwohnern. Von hier aus kommunizieren Monika Lichtinghagen-Wirths und ihre Mitarbeiter mit der ganzen Welt, um neueste Forschungen zum Thema Reststoffe voranzutreiben. Das Ziel: Die Abfallwirtschaft immer mehr zur Kreislaufwirtschaft zu verändern. Auf die Frage, ob sie Zukunftsträume hat, antwortet Monika Lichtinghagen-Wirths sehr entschieden: "Ich träume nicht, ich habe ein Ziel und das heißt, die Welt so zu erhalten, dass noch viele nachfolgende Generationen friedlich auf ihr leben können."

Kakaoschalen als Energieversorger

Eines der aktuell spannendsten Forschungsprojekte des BAV spielt auf den Kakaoplantagen in Afrika. Die Elfenbeinküste und Ghana sind die größten Kakaoproduzenten weltweit. Bislang werden die Schalen der Samen wieder auf die Felder geschmissen. Durch die großen Mengen sterben aber die Bodenorganismen ab und die Fruchtbarkeit der Felder lässt nach. Eine Katastrophe für die Kakaobauern. Kann man nicht irgendwas Sinnvolles mit den Schalen anfangen, hat man sich beim BAV gefragt. In Zusammenarbeit mit mehreren Hochschulen, einem Kompetenzzentrum und einem regionalen Unternehmen werden die Schalen aktuell in Pyrolyseöfen verbrannt, in der Hoffnung, dass dabei nutzbare Energie entsteht, die dann vor Ort einsetzbar wäre. Langfristig ist geplant, dass Prototypen kleiner Biomasseöfen in Genossenschaftsprojekten und Industrieparken in Afrika aufgebaut werden, die Arbeitsplätze schaffen und den Klimaschutz befördern.

Wenn Monika Lichtinghagen-Wirths von diesem Projekt und ihrer Arbeit grundsätzlich erzählt, leuchten ihre Augen und man spürt die Willenskraft dieser Frau. Sie will, dass sich etwas ändert, dass die Menschen sich ändern. "Jeder muss alles in seiner Macht stehende tun, um den Klimawandel zu stoppen."

Lernen ist der Schlüssel zu allem

Der einzige Weg dahin sei Aufklärung und dementsprechend Bildung. Deshalb hat sie eine bestehende Mülldeponie in ein Lehr- und Kompetenzzentrum für Ressourcenmanagement umgewandelt. Auf metabolon lernt man: Abfall kann echt spannend sein! Angelockt werden die Besucher aber nicht nur von Abfällen, sondern auch von der längsten Doppelrutsche Deutschlands, einem Mountainbike-Park, einem Crossgolfcourt und einer Segwaystrecke. Monika Lichtinghagen-Wirths weiß, wie man Umweltschutz sexy verkauft.

Die Abfallwirtschaft sei weltweit auf einem guten Weg, sagt sie. Das Ziel der Branche könne es nicht sein, alle Abfälle in Müllverbrennungsanlagen zu entsorgen. Es müsse viel mehr darum gehen, am Anfang der Kette, also bei den Produktionsprozessen und beim Produktdesign Abfälle zu vermeiden. Und die Reststoffe, die dann übrig bleiben, müssen immer noch effizienter und intelligenter genutzt werden. Daran wird sie mit ihrem Team weiter forschen und Verbündete auf der ganzen Welt suchen.

Futurewoman ist ein Projekt von Janine Steeger