• Sweelin Heuss

    Sweelin Heuss

    Geschäftsführerin bei Greenpeace Deutschland

    Es treibt mich an, Teil von etwas Größerem zu sein. Die vielen Greenpeace-Aktivistinnen und Aktivisten, die für den Umweltschutz einstehen, bewundere ich. Ich bin stolz darauf, die Ziele von Greenpeace mit meiner Arbeit unterstützen zu dürfen.

Sie will mit Greenpeace die Massen bewegen

Sweelin Heuss – Jahrgang 1969 – Geschäftsführerin bei Greenpeace Deutschland

Sweelin Heuss ist eine inspirierende Frau, die klare, verständliche Worte findet und für den Umweltschutz brennt. Das ist in ihrem Job schon mal die halbe Miete. Sweelin Heuss gehört zur Geschäftsführung von Greenpeace Deutschland und ist dort für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig. Es gebe ganz neue Herausforderungen, wenn man viele Menschen erreichen will, sagt sie im Interview. Aber die wolle sie gerne annehmen, um wirklich etwas zu verändern.

Von der Theoretikerin zur Umweltaktivistin

Sweelin Heuss studierte Germanistik, Geschichte und Politische Wissenschaften an der Uni Köln. Zunächst arbeitet sie als Kommunikationsberaterin, im Anschluss berät sie Unternehmen und Organisationen in ökologischer und sozialer Nachhaltigkeit. Dann wechselt sie die Seiten und arbeitet bei einer Sozialstiftung, die sich für Inklusion einsetzt. Danach kommt das Jobangebot von Greenpeace. Aus der Theoretikerin wird spätestens jetzt eine Aktivistin. Mit einer gewissen Ehrfurcht tritt Sweelin Heuss den Job an. Schließlich ist Greenpeace eine sehr große Organisation, die weltweit agiert, die jeder kennt und die dafür bekannt ist, nicht zimperlich zu sein. "Wenn Greenpeace vor Deiner Tür steht, hast Du wirklich ein Problem."

Greenpeace drängt Lidl in die Ecke

Monatelang hat Greenpeace sich gerade erst den Lebensmittel-Discounter Lidl vorgeknöpft – konkret dessen Billigfleisch. Mehr als 65.000 Protestmails erreichten den Discounter, mehr als 400 Mal zogen Aktivisten vor Lidl-Märkte, protestierten und klärten Verbraucher über das Leid der Tiere auf, die für das Billigfleisch gehalten werden. Ergebnis: Lidl führt ab April 2018 ein vierstufiges Transparenzsystem für die Kunden ein. Das ist aus der Sicht von Sweelin Heuss ein Durchbruch und der Anfang für eine längst überfällige Entwicklung. Fleisch und Geflügel ist dann mit Aufklebern versehen, die etwas über die Haltungsbedingungen aussagen. Bis 2019 soll die Hälfte des Frischfleisches aus "Stallhaltung Plus" kommen. Bedeutet mehr Platz als beim gesetzlichen Standard. Das reiche noch nicht aus, sei aber ein Anfang. Sie ist sichtlich stolz auf die GreenpeacerInnen, die mit Mut und Ausdauer diese wichtige Etappe erreicht haben und man kann sicher sein, dass Greenpeace nicht locker lassen wird. 

Sweelin Heuss – Futurewoman

REBELLIN IM ELTERNHAUS

Nicht locker lassen, wenn etwas wichtig ist. Das macht Sweelin Heuss schon früh. Als politisch interessierter Teenager wird sie die erste Vegetarierin in der Familie und diskutiert ihre Beweggründe rauf und runter. "Ich war eine Art Vorreiterin in der Familie und hab immer die kritischen Themen auf den Tisch gebracht." Inzwischen ist Sweelin Heuss übrigens Flexitarierin, isst also wenig Fleisch und besonders ausgewähltes. 

Was jetzt passieren muss

Es gebe unterschiedliche große Ziele, die Greenpeace erreichen will, sagt Sweelin Heuss. Bei allen ginge es aber immer darum, den Klimawandel zu stoppen. "Wir brauchen eine visionäre Mobilität, wir müssen dringend weg vom Verbrennungsmotor - viele andere Länder machen das ja schon vor. Es braucht eine Agrarwende, bei der Massentierhaltung durch Qualität ersetzt wird. Die Energiewende muss weiter voranschreiten und wir müssen massiv den Ausstoß von Treibhausgasen verringern. Vor allem aber muss die Gesellschaft ihr Denken verändern. Wir müssen anders und besser konsumieren und Spaß dabei haben."

Auch Greenpeace muss "modern" kommunizieren

Früher, als alle noch lineares Fernsehen geguckt und gesehen haben, als Greenpeace Aktivisten mit Schlauchbooten gegen die Versenkung der Öl-Plattform Brent Spar demonstriert haben, da war es viel leichter viele Menschen mit einem Thema zu erreichen. Die neue Form der Mediennutzung ist auch für Greenpeace eine Herausforderung. "Wie erreichen wir viele mit unseren faktenbasierten Berichten? Viele sind inzwischen in ihren Filterbubbles abgetaucht. Das bedeutet, dass sie sich für ausgewählte Themen interessieren und nicht immer nachprüfen, was belegbar ist und was nicht. In diese Blasen reinzukommen ist ungemein schwer."

Sweelin Heuss – Futurewoman
Prof. Karin-Simone Fuhs bei der großen Semesterabschlusspräsentation im Cinenova Kino in Köln. Foto: Lisa Reitinger
 

Positive Erfahrungen statt belehrender Berichte

"Unsere internationalen Kollegen beschäftigen sich intensiv mit dem Mindset Shift. Es nützt nichts Menschen zu erzählen, warum es zum Beispiel besser wäre, in der Stadt Fahrrad zu fahren, anstatt Auto. Sie müssen es erleben und die bessere Lebensqualität selbst spüren. Ein anderes Beispiel: In den meisten Restaurants gibt es zu 90 Prozent Gerichte mit Fleisch, Geflügel oder Fisch. Würde man einfach 90 Prozent richtig tolle vegetarische Speisen anbieten, ist die Wahrscheinlichkeit viel höher, dass der Gast ein solches probiert und einfach lecker findet."

"Ich kann schon richtig abgehen"

Wer Sweelin Heuss trifft, sieht sich einer Frau gegenüber, die erst denkt und dann spricht. Aber sie könne auch richtig wütend werden, sagt sie von sich. Beispielsweise wenn es wie bei den aktuellen Koalitionsverhandlungen nur um Macht gehe, anstatt um Inhalte. Grundsätzlich sei sie aber Kopfmensch. "Wenn ich scheitere, analysiere ich, woran es gelegen hat, entwickle einen neuen Plan und mache weiter. Ich halte es mit Churchill der gesagt hat: Die Kunst ist es einmal mehr aufzustehen, als man umgeworfen wurde."

Schlagzeilenträume

Welche Schlagzeilen sie sich wünschen würde, habe ich Sweelin Heuss gefragt. Sie hat die Gegenfrage gestellt: Die utopische oder die realistische Variante? Ich hab mir beide gewünscht. Herausgekommen ist das: 

Deutscher Kohleausstieg bis 2030 beschlossen!
Globale Erderwärmung gestoppt - das ehrgeizige 1,5 Grad Ziel von Paris ist erreicht!

Welche davon die realistischere ist, können Sie selbst entscheiden.

Futurewoman ist ein Projekt von Janine Steeger