Seit Mitte der 1990er-Jahre lehre und forsche ich an Hochschulen zum Thema Umwelt - Ökologie - Nachhaltigkeit mit dem Fokus auf Kommunikation, Medien und vor allem Journalismus. Seit Dezember 2024 bin ich Mitglied des Klimabeirats der Stadt Nürnberg und engagiere mich auch außerhalb der Technischen Hochschule Nürnberg für das Thema Nachhaltigkeit. Aktuell plane ich mit Studierenden einen Workshop für Schüler:innen zum Thema "SDGs im Lokalen", vor allem um ein Netzwerk von Peer-Trainern aufzubauen. Im Sommer 2025 habe ich einen Zukunftsrat zum Thema "Gerechte Mobiltät" in Würzburg moderiert und in Kooperation mit einem Team der Universität Würzburg werten wir die Daten aus.
Sehr früh wusste ich, dass ich Journalistin werden möchte. Das hat auch alles geklappt, da ich direkt nach dem Studienabschluss (Germanistik, Journalistik und Soziologie) ein Volontariat und eine Redakteursstelle beim Verlag Nürnberger Presse bekommen habe. Da mich das Themenfeld Umwelt/ Ökologie schon als Jugendliche beschäftigt hat, habe ich meinen Schwerpunkt darauf gelegt. Den habe ich bis heute mitgenommen und in zahlreichen Projekten, Seminaren und Publikationen umgesetzt.
Einen Change nicht. Aber beeinflusst haben mich ein Deutsch-/Ethik- und ein Biologielehrer. Sie haben einen sehr kritischen Blick (in den 1980er-Jahren) auf das Thema Umwelt gelehrt. Dann passierte 1986 der Unfall im ukrainischen Atomkraftwerk in Tschernobyl. Damit kam das Thema auf die politische Agenda. Außerdem habe ich Mitte der 1980er-Jahre bei Ulrich Beck Soziologie studiert und kam so in den Genuss, die Entstehung seiner bis heute wichtigen Bücher "Risikogesellschaft" und "Gegengifte" mitzuerleben.
An der Technischen Hochschule Nürnberg gibt es eine Nachhaltigkeitsstrategie und eine Nachhaltigkeitskommission, an und in der ich von Anfang an mitarbeite. Die Umsetzung in den Handlungsfeldern Lehre, Forschung, Governance, Infrastruktur, studentische Initiativen und Transfer ist sehr herausfordernd. Insgesamt habe ich das Gefühl, dass das Thema fast wieder von der Agenda verschwunden ist. Gleichzeitig sehe ich, dass Menschen sich engagieren wollen. Bürger- oder Zukunftsräte halte ich für ein geeignetes Format, um Menschen vor allem im Lokalen einzubeziehen und sie zum Handeln zu motivieren.
Meiner Ansicht nach bräuchten wir eine Mischung aus Top-down- und Bottom-up-Strategien. Das heißt: Wir brauchen zielführende Entscheidungen von Politik und Wirtschaft. Gleichzeitig müssen wir von unten zeigen - und darüber Handlungsdruck aufbauen - dass wir als Menschen gewillt sind, unseren Lebensstil hin zu mehr Nachhaltigkeit zu verändern. Es hilft nicht, jedem ein schlechtes Gewissen einzureden und mit Verboten zu arbeiten. Ein Blick in frühere Generationen kann gute Aha-Effekte auslösen. Meine Mutter zum Beispiel hat schon immer einen gefalteten Einkaufsbeutel in ihrer Tasche und stopft bis heute Socken. Zur Vermittlung der Ziele und Wege, sie zu erreichen, müssen wir die richtigen Formate und vor allem die richtige Sprache finden. Wissenschaftliche Beiträge im Fachjargon mögen in der Peer-Group der Experten überzeugen, erreichen aber nicht die Menschen in ihrer sozialen Lebenswelt.
Bildung ist das A und O! Das 4. UN-Nachhaltigkeitsziel fokussiert diesen Aspekt, der aus meiner Sicht grundlegend für alle anderen ist. Ohne den Zugang zu guter Bildung wird die große, globale gesellschaftliche Transformation nicht gelingen. Deshalb möchte ich in meiner Lehre junge Menschen für das Thema Nachhaltigkeit sensibilisieren und sie befähigen, wiederum anderen Menschen die Wichtigkeit des Turn-arounds zu vermitteln.
Ein nachhaltiges Leben bedeutet nicht, mit Verboten den Lebensstandard zu reduzieren. Es ist wichtig, dass sich alle darüber bewusst werden, dass ein politischer, ökonomischer, ökologischer und sozialer Wandel nur möglich ist, wenn nicht das Eine gegen das Andere ausgespielt wird. Nachhaltigkeit findet die Balance zwischen den Dimensionen Ökologie, Ökologie und Sozialem. Es gilt abzuwägen, ob eine Maßnahme die Leitstrategien Effizienz (aus weniger mehr machen mit Technik), Konsistenz (naturverträgliche, geschlossene Stoffkreisläufe) und Suffizienz (angemessener, reduzierter Konsum und Verhaltensänderung) erfüllt. Diese Komplexität müssen die Studierenden verstehen, um sie als Peer-Trainer zu reduzieren und anderen jungen Menschen zu erklären.
Ich persönlich versuche ressourcenschonend zu leben, also weniger Wasser zu verbrauchen und nur so viel einzukaufen, wie ich wirklich benötige (Lebensmittel, Kleidung u.a.). In der Stadt bewege ich mich mit dem Rad, zu Fuß oder bei schlechtem Wetter mit Bus oder Bahn. Für Dienstreisen nutze ich wenn möglich die Bahn; bei Reisen zu internationalen Partnern muss ich auch mal in ein Flugzeug steigen, denn Zoom-Meetings sind hilfreich, aber manche Projekte sind nur im Präsenz-Brainstorming voranzubringen. Über meine ehrenamtliche Tätigkeit beim Nürnberger Klimabeirat versuche ich, in persönlichen Gesprächen und bei kommunalen Aktionen die für mich wichtigen Aspekte eines nachhaltigen Lebens zu vermitteln. Mit Vertretern von Politik und Wirtschaft versuche ich ebenfalls, auf die Dringlichkeit von Klimaschutzmaßnahmen hinzuweisen.
Vielleicht habe ich einmal Enkelkinder. Denen möchte ich auf die Frage, was ich zur Transformation beigetragen habe, antworten können: Ich habe versucht, wenigstens kleine Räder zu drehen. Und mit anderen habe ich manches auf den (guten) Weg gebracht.
Es gibt an allen Hochschulen herausragende, niedrigschwellige Bildungsangebote zu allen Nachhaltigkeitsthemen, wie zum Beispiel Seminare, in denen jeder ein Zertifikat erwerben kann. Medienredaktionen haben Personal, Programme und Platz, um täglich das Thema auf die Agenda zu setzen. Die Schlagzeile auf der Meta-Ebene wäre: Wir schaffen das! Weil wir es wollen! Weil wir es können!