• Mimi Sewalski

    Mimi Sewalski

    Geschäftsführerin avocadostore.de

    Wir sollten alle mehr Qualität konsumieren und weniger häufig.

Sie macht nachhaltiges Shoppen endlich bequem

Mimi Sewalski – JaHrgang 1980 – Geschäftsführerin avocadostore.de

Mimi Sewalski ist die Geschäftsführerin von Deutschlands größtem, grünen Online-Marktplatz. Für jedes kommerzielle Produkt eine grüne Alternative bieten – das ist das Ziel der Plattform. Im Interview erzählt Mimi, warum sie als Kind als Mülleimer bezeichnet wurde und welche große Aktion sie bald in Hamburg plant.

Avocadostore – demokratischer Handel

Mit inzwischen 130.000 nachhaltigen Produkten will der Avocadostore die Menschen zu einem verantwortungsvolleren Konsum inspirieren. So viele Produkte bedeutet auch sehr viele Händler, die organisiert und kontrolliert werden müssen.

„Wer bei uns verkaufen will, muss sich bei uns bewerben und vor allem mit uns reden. Wir gehen ins Gespräch mit den Händlern, fragen gegebenenfalls nach Zertifikaten und Siegeln. Allerdings können auch Produkte ohne all das öko sein. Wir gucken uns den Markenauftritt und die Geschichte des Unternehmens an. Aus unserer langen Erfahrung wissen wir inzwischen, wie wir die richtigen Fragen stellen müssen. Da der Begriff der Nachhaltigkeit besonders schwammig ist, versuchen wir unsere Entscheidungen so transparent wie möglich zu machen. Bei jedem Produkt kann man nachlesen, welche unserer 10 Nachhaltigkeitskriterien erfüllt sind, man kann als Kunde nachfragen, kritisieren und in die Diskussion mit anderen Kunden, dem Händler und uns gehen. Es ist auch schon passiert, dass wir Produkte von der Seite genommen haben, wenn das das Ergebnis der Diskussion war.“

Führungsqualität schon früh entdeckt

Schon in der Grundschule ist Mimi Sewalski sehr engagiert für den Umweltschutz. In den 80er geboren, begleiten die Themen Waldsterben, saurer Regen und FCKW sie von Kindesbeinen an. Sie wächst in Mittelfranken auf dem Land auf, ist mit ihrem Opa viel im Wald unterwegs, lernt die Natur zu lieben. Gemeinsam mit ihren Freundinnen fängt sie bald an, Müll aufzusammeln und ist schockiert, wie viel da auch auf dem Land zusammen kommt.

„Es haben dann immer mehr Kinder mitgemacht, so dass wir zwischendurch sogar um die 100 Kinder waren. Wir haben uns ‘Club der Mülleimer‘ genannt. Die Stadt Hannover hat uns dann eine Auszeichnung gegeben, und wir durften Greenpeace besuchen, eine Kläranlage und viele andere interessante Sachen sehen. Das hat mich definitiv geprägt.“

Vom „Mülleimer“ zum Avocadostore

Es sei eine Mischung aus Zufall, Glück und langer Vorbereitung gewesen, sagt Mimi Sewalski auf die Frage, wie sie zum avocadostore kam.  

„Ich bin in Hamburg auf einer Veranstaltung auf den Gründer von Avocadostore getroffen, der damals Hilfe brauchte bei der Akquise von Händlern für den Marktplatz. Das habe ich dann übernommen und bin dann in der Gründungsphase eingestiegen und später Geschäftsführerin geworden. Ich hatte schon in Tel Aviv StartUp-Erfahrung gesammelt, im eCommerce und in der strategischen Planung gearbeitet und mich immer ehrenamtlich im Nachhaltigkeitsbereich engagiert. Beim acovadostore kam alles zusammen, was mir Spaß macht und so bin ich geblieben.“

Was ist nachhaltiger Konsum überhaupt?

„Für mich bedeutet er, dass man sich vor jedem Kauf erst mal ein paar Fragen stellt: Brauche ich das? Woher kommt es? Verspricht die Qualität Langlebigkeit? Warum ist der Preis wohl wie er ist? Viele Menschen fragen sich immer nur, warum 'Bio' teurer ist. Es wäre ein großer Schritt, wenn wir alle öfter fragen würden, warum herkömmlich produzierte Dinge so günstig verkauft werden. Oder in den Worten meiner Oma: Wer billig kauft, kauft zweimal.“ 

Vorleben statt Rumpöbeln

Mimi Sewalski ist insbesondere beim Thema nachhaltige Mode irre gut informiert, besucht jeden Green Showroom und erkennt faire Mode vermutlich auf Meilen gegen den Wind. Aber sie geht mit ihrem Wissen nicht hausieren, sondern überzeugt durch tolle Looks. 

„Wenn mich Freundinnen fragen, was das für ein Kleid ist, das ich trage, dann sag ich die Marke und warum ich das Kleid mag und erst danach sag ich, dass es auch fair produziert ist. Nachhaltigkeit hat immer noch den Ökostempel in den Köpfen vieler, was schade ist, denn gerade im Fashion Bereich ist Slow Fashion kein Trend mehr, sondern wird immer mehr zur Selbstverständlichkeit.“ 

„Ich mag holprige Wege“

Herausforderungen seien das, was sie antreibt, sagt Mimi Sewalski. Ideen umzusetzen, auch gegen Widerstände. Sie träume davon, die Massen zu bewegen und würde gerne allen klar machen, dass jede kleine Veränderung zählt. 

„Vor 8 Jahren hab ich meinen ersten wiederverwendbaren ToGo-Becher erstanden und benutze ihn heute noch. Damals wurde ich oft in Cafés belächelt oder sogar weggeschickt. Heute ist es cool wiederverwendbare Becher mitzubringen. Mein nächstes Ziel ist es, eine strohhalmfreie Initiative in Hamburg zu starten.“

Futurewoman ist ein Projekt von Janine Steeger