• Julia Post

    Julia Post

    Initiatorin von Coffee To Go Again & Social Business Beraterin mit Open Your Window

    PolitikStart-up
    Und Deine Idee wird größer als Du selbst.

Sie befreit uns von den Einwegbechern


Julia Post

 

Person

Social Business Beraterin mit Open Your Window | Politikwissenschaftlerin & Politikberaterin | |Initiatorin von Coffee To Go Again

Jahrgang: 1989 | Geschäftssitz: München

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Studium der Politikwissenschaft, Weiterbildung zur Public Affairs Managerin, 2015 initiierte sie die Kampagne Coffee To Go Again zur Reduzierung von Einwegbechern, Crowdfunderin, Vorstandsmitglied im Netzwerk Klimaherbst e.V. und im Social Entrepreneurship Netzwerk Deutschland e.V., seit 2020 Stadträtin der Landeshauptstadt München

 

Themen

Social Entrepreneurship | Soziale Innovation | Frauen in der Politik | Wirtschafts- und Finanzpolitik | Abfallvermeidung und Kreislaufwirtschaft | System change | Lobbyarbeit für die gute Sache | Nachhaltigkeit politisch institutionalisieren

 

Einsatzgebiete

Gast bei Diskussionsrunden | Speakerin | Workshops | Webinar

 

#SocEnt #LobbyierenfürdieguteSache #Nachhaltigkeit

Julia Post – Futurewoman
Julia Post – Futurewoman
 

Interview

Was genau machst Du beruflich im Bereich der Nachhaltigkeit?

Nachhaltige Akteur*innen in der Zivilgesellschaft und in der Wirtschaft unterstütze ich dabei, politisch mehr Gehör zu erlangen. Ich bin der Überzeugung, dass wir für wirksamen Klimaschutz verbindliche Regeln benötigen. Akteur*innen, die genau das erreichen wollen, vermittle ich die dafür nötigen Kompetenzen und Werkzeuge. Wie heißt es so schön? „Wer nicht mit am Tisch sitzt, landet auf der Speisekarte“. Lobbyarbeit ist der Weg, sich an diesen Tisch zu setzen. Ich zeige den Akteur*innen, wie das klappt. Seit Mai 2020 bin ich außerdem als Stadträtin für München daran beteiligt, genau diese Weichen und Regeln nachhaltig zu gestalten.

Wie bist du dahin gekommen, wo du jetzt bist?

Das hat sich mit der Zeit entwickelt. Der Ursprung liegt in einem Projekt, das ich 2015 zur Reduzierung von Einwegbechern ins Leben gerufen hatte. Das war eine sehr spontane Aktion, die ich ohne Vorkenntnisse gestartet und einfach mal losgelegt habe. So kam ich in Kontakt mit Menschen bei den Grünen und in der Münchner Zivilgesellschaft. Und durch meine Crowdfunding-Kampagne für das Projekt habe ich das Thema Social Entrepreneurship kennengelernt und bin in diese Community eingetaucht. Immer wieder musste ich feststellen, dass es viele Berührungsängste zum Thema Lobbyarbeit gab. Für mich sind politische Rahmenbedingungen aber genau der Hebel, den wir brauchen. So machte ich mich 2017 selbständig, um mehr Akteur*innen für das Thema zu sensibilisieren und zu befähigen. Gleichzeitig kam da natürlich die Lust, selbst auch an politischen Entscheidungen beteiligt zu sein. Ich habe also selbst kandidiert und bin nun seit Mai 2020 Münchner Stadträtin.

Hat Nachhaltigkeit schon immer eine Rolle gespielt in Deinem Leben, oder gab es den berühmten Change?

Das Interesse und die entsprechende Lebenseinstellung haben mir meine Eltern in die Wiege gelegt. Darauf habe ich mich aber vielleicht auch ein bisschen „ausgeruht“. In mir entstand denn die Frage, was ich außerhalb meines privaten Verhaltens eigentlich für Nachhaltigkeit tue. Das war der Impuls, mich in einem größeren Wirkungskreis für das Thema zu engagieren.

In meiner Branche erlebe ich, dass sehr viel mehr miteinander kooperiert wird. Ich erlebe keine Konkurrenz. Es geht um das gemeinsame Wirken. Das ist nachhaltig. Und eine wunderbare Erfahrung, speziell im Business-Kontext.

An welchen Punkten stößt Du, stößt Dein Unternehmen oder Deine Branche an Grenzen in der Nachhaltigkeit und wie löst Ihr diese Herausforderung?

Meine Kund*innen sind vor allem Sozialunternehmen. Sie werden von den politischen Strukturen häufig benachteiligt. Sie fallen beispielsweise aufgrund einer fehlenden eigenen Rechtsform durch viele Raster an Fördermöglichkeiten: Organisiert als Verein erhalten sie keine Gründungsförderung, organisiert als GmbH gibt es keine Projektmittel, denn die sind der Zivilgesellschaft vorbehalten. Das hemmt ihre Wirkungsentfaltung, die ja wiederum uns allen, der Gesellschaft zugute kommen.

Wie kann Deine Arbeit, oder Deine Branche dazu beitragen die Welt nachhaltiger zu machen?

Soziale Innovationen lindern nicht einfach nur Symptome. Sie beheben die Ursachen, die zur Entstehung des Problems geführt haben. Nachhaltiger geht es nicht. Mit meiner Arbeit unterstütze ich, dass dieser Ansatz Eingang in politische Rahmenbedingungen findet.

Was war der Auslöser für die Gründung?

Ich habe in meinem Umfeld beobachtet, dass sich sehr viele mit ihrer Arbeit an das Individuum wenden, mit Aufklärungsarbeit zum Beispiel. Das ist ein ganz wichtiges Fundament. Oft habe ich allerdings den nächsten Schritt vermisst: Die Veränderung von Strukturen. Das ist meines Erachtens effektiver und nachhaltiger. Das ist mein großes Anliegen, hierfür mehr Bewusstsein zu schaffen, aber den Akteur*innen auch das Wissen und das Werkzeug an die Hand zu geben, damit das gelingen kann.

Was waren die größten Hürden und wie hast Du diese gemeistert?

Verständlich zu machen, was genau ich eigentlich mache. Professionelle Lobbyarbeit ist für die grüne Branche nämlich noch nicht weit verbreitet, ganz im Gegensatz zur klassischen Wirtschaft. Da gibt es in vielen Unternehmen eigene Abteilungen. Dafür habe ich in Beratung investiert und das kann ich nur unbedingt empfehlen. Es ist gut, möglichst früh nicht allein alles durchdenken zu müssen und ein Sparringspartner an der Seite zu haben.

In der grünen Branche sind außerdem einfach weniger Ressourcen vorhanden, nicht nur finanziell. Es ist zeitintensiv und für das Verändern von Strukturen braucht es einen langen Atem. Der return on investment kommt in der Regel sehr spät. Da hilft es nur, Positivbeispiele zu schaffen und damit zu ermutigen, dass sich die Investition lohnt. Und ich nehme es in meiner Branche schon sehr stark wahr, dass das Thema an Bedeutung gewinnt.

Was möchtest Du jungen Menschen in Sachen Nachhaltigkeit mit auf den Weg geben?

Ich hoffe, mich auch noch zu den jungen Menschen zählen zu dürfen :-) Aber im Ernst: Geben derzeit nicht eher die jungen Menschen uns und älteren Generationen ganz viel mit?

Inspiriere uns – wie gestaltest Du Dein Arbeits- und Dein Privatleben umweltschonend?

Die üblichen Tipps kennt die Community hier bestimmt. Ich gehe mit einem sehr zufriedenen Gefühl durch die Welt, so dass ich mich nicht zu Verzicht „zwingen“ muss. Mein Opa wollte mir als Kind mal 20 Mark schenken. Wie Großeltern das eben manchmal so machen. Ich habe ihm geantwortet: „Vielen Dank, Opa, aber das brauche ich nicht. Ich habe alles.“ Mit dieser Grundeinstellung passiert vieles automatisch. Und viele entdecken genau das ja auch, wenn sie sich, wie Janine, auf die Reise machen. „Going green“. An dieser Lebenseinstellung zu arbeiten, das kann ich daher definitiv empfehlen.

Was treibt Dich an?

Ich will, dass die Welt ein besserer Ort wird, als ich sie vorgefunden habe. Und an meinem Platz will ich dazu jeden Tag ein Stückchen beitragen.

Von welcher Positiv-Schlagzeile aus Deiner Branche zum Thema Umweltschutz träumst Du?

„BIP abgelöst: Bundeswirtschaftsministerin stellt neuen Indikator zur Wohlstandsmessung vor“

Futurewoman – Empowering Women in Sustainability