• Dr. Astrid Deilmann

    Dr. Astrid Deilmann

    Leiterin Digitale Kommunikation WWF Deutschland

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    Wenn wir den Support von jungen Leuten bekommen, wissen wir, dass wir auf dem richtigen Weg sind.

Sie weiß, wie man Umweltschutz digital transportiert

Dr. Astrid Deilmann – Jahrgang 1975 – Leiterin Digitale Kommunikation WWF Deutschland


Sie leiten die digitale Kommunikation des WWF, eine der bekanntesten Umweltschutzorganisationen. Wie sieht ein Arbeitstag bei Ihnen aus?

„Ich darf ein Team aus Expertinnen und Experten in digitalem Storytelling, Social Media und Videoproduktion führen, das die digitalen Kanäle des WWF operativ und strategisch nach vorne bringt. Mein Tag beginnt morgens noch zu Hause mit einem Scan der aktuellen Nachrichtenlage – eine alte Angewohnheit aus meiner Zeit als Journalistin und Pressesprecherin. Im Büro verschaffe ich mir mit einem Blick in die Analytics einen Eindruck von unserer aktuellen Performance, bevor wir uns als Team in einem kurzen Stand-up-Meeting treffen, um die Themen des Tages zu besprechen. Wie der übrige Tag verläuft, ist sehr unterschiedlich, aber tägliche Meetings mit Kolleginnen und Kollegen aus dem WWF-Netzwerk und der Branche gehören immer dazu. Aber egal, wie der Tag war: am Ende radle ich immer zurück, um meinen Kopf frei zu bekommen. Ich bemühe mich, keine Arbeitsthemen mit nach Hause in die Familie zu bringen.“

Was finden Sie gut an Ihrem Arbeitgeber? 

„Den wahnsinnigen Freiraum. Eine gute Idee, ein guter BusinessCase haben bei uns immer Chancen. Ich habe auch nirgends so viele kluge, motivierte Menschen mit so viel Herz und Humor getroffen wie beim WWF. Und ich liebe es, dass wir international arbeiten. Die Zusammenarbeit mit Menschen aus aller Welt ist für mich ein großes Geschenk. Es gibt mir viel Kraft zu wissen, dass ich mit meinen Idealen nicht allein bin.“

Sie haben die Abteilung Digitale Kommunikation beim WWF 2012 aufgebaut. Wie hat sich das Digitale Storytelling seitdem verändert? 

„In einem Wort: Rasant. 2012 war tägliche Bewegtbildkommunikation eine strategische Vision, insbesondere, wenn man mit kleinen Budgets auskommen musste. Corporate Blogs waren noch etwas Besonderes, der Begriff Content Marketing fand gerade breitere Verwendung. Heute arbeiten viele Marken redaktionell und übernehmen journalistische Ansätze, die Konkurrenz ist immens gewachsen, und ohne Bewegtbild kommt keine kommunikative Strategie mehr aus. Gute Stories mit einem Mehrwert für die Userinnen und User zu produzieren, die am Ende auch noch Ziele erreichen, bleibt aber damals wie heute eine hohe Kunst.“

Wie muss man die Themen Umweltschutz und Nachhaltigkeit digital bespielen, damit Sie Aufmerksamkeit bekommen? 

„Wir versuchen es so zu lösen, dass wir jedes Thema so gut produzieren, wie es in unserer Kraft liegt. Nicht mehr und nicht weniger. Seit einiger Zeit sind Umwelt- und Naturschutzthemen wieder präsenter, was wir deutlich merken. Insbesondere junge Menschen haben die Untätigkeit satt, die wir in vielen Bereichen sehen. Lebensmittelverschwendung, Klimaschutz, Plastik sind ganz konkrete Themen, denen sowohl individuell wie politisch begegnet werden muss. Uns tut es wahnsinnig gut zu sehen, dass insbesondere junge Leute uns unterstützen, indem sie beispielsweise auf die Straße gehen und Petitionen unterzeichnen. Wenn wir ihren Support bekommen wissen wir, dass wir auf dem richtigen Weg sind.“

Welche digitale Kampagne des WWF fanden Sie besonders gelungen und welche ist daneben gegangen? 

„So richtig danebengegangen ist bislang eigentlich keine. Klar, wir haben intern immer viele Learnings, aber wir haben noch kein Thema in den Sand gesetzt. Mein Lieblingshighlight: Wir haben 2015 einen neuen Weg eingeschlagen und begonnen, mit Influencern zu arbeiten, um unsere politischen Ziele zu erreichen. An unsere allererste Influencer-Kampagne zur Rettung des Amazonas mit Simon Unge und Joseph Bolz aka DeChangeman denke ich besonders gerne zurück. Wir haben uns gemeinsam in dieses Abenteuer gestürzt und richtig was bewegt. Das war großartig. Seither haben wir mit einigen Influencerinnen und Influencern zusammengearbeitet und sind darauf sehr stolz. Denn wir finden viele, die für die Sache arbeiten wollen und uns ohne Gegenleistung unterstützen. Das ist ein ganz besonderer Schatz.“  

Wenn Sie die Nachhaltigkeitsszene beobachten, was würden Sie raten in Bezug auf digitale Medien?

„Zuzuhören.“  

Was treibt Sie an bei Ihrer Arbeit?

„Die Natur macht mich glücklich und demütig zugleich. Ihre Zerstörung bricht mir das Herz und macht mich wütend. Diese Wut setze ich in meiner Arbeit in positive Energie um und versuche dabei für alle mitzudenken, die noch nicht verstanden haben, dass die Natur die Grundlage menschlichen Lebens ist.“

Haben Nachhaltigkeit und Umweltschutz Sie schon immer umgetrieben, oder gab es den berühmten Change in Ihrem Leben? 

„Ich komme aus einer Familie, in der Respekt vor Natur ohne große Worte gelebt wurde. Für mich war sehr früh klar, dass das auch beruflich mein Weg ist.“

Wie kann Digitalisierung dabei helfen den Planeten doch noch zu retten? 

„Ich glaube, hier gibt es sehr viele Chancen, wenn ich zum Beispiel an Smart Homes und Smart Cities oder die Digitalisierung der Landwirtschaft denke. Aber was wir noch nicht gelöst haben ist, wie wir Datenschutz, Bürgerrechte und digitalisierten Umweltschutz zusammen bekommen. Diese Diskussion steckt noch in den Kinderschuhen und ist eine der wichtigsten, die wir in den kommenden Jahren führen müssen.“

Foto: © Christiane Weigel / WWF

Futurewoman ist ein Projekt von Janine Steeger