Vegane Mode

Vegane Mode, vegane Kosmetik, vegane Möbel, vegane Lebensmittel – für die laut VEBU in Deutschland derzeit etwa 900.000 Veganer wächst das Konsumangebot täglich.

Ich habe vor Kurzem auf der internationalen Messe für nachhaltige Textilien, der Innatex, eine Paneldiskussion zum Thema moderiert. Die übergeordnete Frage lautete: "Vegan oder natürlich tierisch – wie nachhaltig soll Ecofashion sein?"

WAS GENAU IST VEGANE MODE?

Für mich stand aber erst mal die Frage der Definition im Raum. Was ist vegane Mode? Kleidung ohne tierische Bestandteile, so weit komme ich auch ohne Fachwissen. Dennoch gibt es unterschiedliche Grenzen, die Veganer ziehen:

Grenze 1) Das fertige Kleidungsstück enthält keine tierischen Bestandteile.

Grenze 2) Bei den unterschiedlichen Produktionsschritten wurden keine tierischen Bestandteile verwendet. Und bei der Produktion wurde der natürliche Lebensraum der Tiere nicht beschädigt und Tiere also auch im weiter gefassten Sinne geschützt. Ein Beispiel: Beim Anbau von konventioneller Baumwolle sterben tausende Nutzinsekten durch die Anwendung von Pflanzenschutzmitteln.

Aber selbst bei Biobaumwolle kann ein Veganer noch Bedenken haben. Paul Pollinger von FreiVon brachte den Gedanken in die Diskussion ein, dass auch Biobaumwolle gedüngt wird und in dem Dünger Tierkot sein könne.

"WIR KÖNNEN AUF TIERISCHE MATERIALIEN NICHT VERZICHTEN!"

Gabriele Kolompar verkauft mir Ihrem Unternehmen Engel Natur Wäsche und Sportbekleidung aus tierischen Materialien. Sie betonte in der Diskussionsrunde, dass auch Sie nicht möchte, dass Tiere leiden. Aber sie wolle nicht auf die wunderbaren Eigenschaften verzichten, die tierische Materialen haben.

GIBT ES KOMPROMISSE?

Was ist beispielsweise mit so was wie Hirschhornknöpfen? Das Geweih fällt dem Hirsch irgendwann einfach ab und liegt im Wald. Daraus kann man Knöpfe machen, aber es ist ein tierisches Produkt. Leder kann ein Abfallprodukt bei Schlachtungen sein, die in erster Linie dem Fleischverzehr dienen. An dieser Stelle wurde die Diskussion übrigens hitzig. Die beiden teilnehmenden Veganer behaupteten, dass ein Großteil des Leders aus extra für die Ledergewinnung durchgeführten Schlachtungen hervorgehe. Die Nicht-Veganer fragten nach Belegen dafür.

Ich habe bei Peta nachgefragt. Eine Prozentzahl, wie viele der Schlachtungen extra für die Ledergewinnung geschehen, lässt sich nicht benennen. Zumindest lässt sich sagen, dass das wirtschaftlich wichtigste Produkt der Rinder nach dem Fleisch deren Haut ist. Nach Einschätzung von Peta versucht die Lederbranche ihr ökonomisches Interesse an den Häuten hinter dem Argument der Fleischnutzung zu verstecken. Und die Lederproduktion ist ganz offenbar ein lukratives Geschäft mit einem geschätzen Jahresumsatz von 80 Milliarden US Dollar.

VEGANE MODE BRAUCHT INFORMIERTE KONSUMENTEN

Grundsätzlich gilt: Wer Veganer ist und eben auch im Modebereich vegan konsumieren möchte, muss Zeit mitbringen um sich zu informieren. Und das eine vertrauenswürdige Siegel gibt es leider nicht.

"Peta approved vegan" ist ein Logo, auf das viele Veganer vertrauen. Ich habe bei Peta gefragt, was das Siegel aussagt. Die Hersteller müssen gemeinsam mit uns und ihren Produzenten nachweisen und uns zusichern, dass keine Materialien tierischen Ursprungs im Produkt vorhanden sind, seien es Farben, Klebstoffe, Öle oder Fette. Nicht vorgeschrieben und praktisch umsetzbar sind momentan Vorschriften, was etwa indirekt an Reinigungsmitteln (mit eventuell tierischen Bestandteilen) in den Manufakturen für die Maschinen eingesetzt wird oder wie Beeinträchtigungen von Wildtieren beim Anbau von Baumwolle und Co. minimiert werden.

Neben der Suche nach vertrauenswürdigen Siegeln muss der Kunde sich die Etiketten der Kleidung sehr genau anschauen. Wenn draufsteht: Enthält Teile tierischen Ursprungs, dann kann es sich beispielsweise um Lederpatches handeln. Die Dinger, die man fast immer hinten an den Jeans findet. Zunehmend achten Jeansproduzenten aber darauf, auf dieses wirklich unnötig verwendete Leder zu verzichten. Das Label goodsociety zum Beispiel arbeitet mit einer Alternative und darf sich deshalb auch vegan nennen, wie der Geschäftsführer Dietrich Weigel in diesem Interview erklärt.

WAS STECKT DRIN IN VEGANER MODE?

Allzu häufig leider chemische Alternativen wie Polyester und Acryl. Diese geben bei jedem Waschgang Mikroplastik ins Abwasser. Also nicht gut. Besser auf Biobaumwolle, Hanf, Leinen, Sojaseide, Viscose und Tencel zurückgreifen.

"Vegan oder natürlich tierisch – wie nachhaltig soll Ecofashion sein?" Das war die Frage der Diskussionsrunde, die hier noch mal in Gänze angeschaut werden kann. Eine abschließende Antwort lässt sich darauf nicht geben, weil hier zwei Grundhaltungen aufeinander treffen. Nämlich die, dass Tiere grundsätzlich vor Leid und Tod zu schützen sind. Und die, dass Tiere auch Nutztiere sein dürfen. Festzuhalten bleibt aber, dass vegan auch im Modebereich ein Trend ist, der stärker wird.

Futurewoman ist ein Projekt von Janine Steeger