• Yvonne Zwick

    Yvonne Zwick

    Vorsitzende des B.A.U.M. e.V. – Netzwerk für nachhaltiges Wirtschaften

    Wirtschaft
    Kohärente Systeme sind der Schlüssel für nachhaltiges Wirtschaften. Finden wir die Verknüpfungen und setzen wir Anreize, entfesseln wir nachhaltige Entwicklung.

"Nachhaltiges Wirtschaften muss zur Messlatte werden."


Yvonne Zwick

 

Person

Vorsitzende des B.A.U.M. e.V. – Netzwerk für nachhaltiges Wirtschaften

Jahrgang: 1976 | Geschäftssitz: Berlin

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An der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg studierte ich katholische Theologie auf Diplom mit den Schwerpunkten christliche Gesellschaftslehre und Moraltheologie – was an meiner Alma Mater durch interdisziplinäre Formate sehr auf die praktische Anwendung orientiert war – das passte wiederum zu meinem ausgeprägten ehrenamtlichen Engagement. In der Geschäftsstelle des Rates für Nachhaltige Entwicklung habe ich in 16 Jahren so gut wie alle Positionen durchlaufen und Themen bearbeitet, die sich im Fadenkreuz von nachhaltigem Konsum, nachhaltigem Wirtschaften und Finanzwirtschaft verorten lassen. Als Vorsitzende des B.A.U.M. e.V. kehre ich wieder zu meinen Wurzeln zurück – zu einem Verband, in dem Überzeugte für ihre Überzeugungen einstehen und weitere Mitstreiter*innen gewinnen möchten. Meine Vision: eine Werte schaffende und jedem Menschen Nutzen stiftende Wirtschaft, kurz: eine distributive Ökonomie.

 

THEMEN

Nachhaltiges Wirtschaften | Transparenz und relevante Berichterstattung | Sustainable Finance | sozial-ökologische Marktwirtschaft | Deutscher Nachhaltigkeitskodex / The Sustainability Code | Empowerment | nachhaltige Beschaffung | Sustainable Development Goals (SDGs) als Polarstern für Politik und Wirtschaft | Corporate Political Responsibility

 

Einsatzgebiete

Vorträge und Challenger Statements | Panelistin | Moderation partizipativer Formate

 

#Transparenz #CorporateGovernance #DNK #SustainableFinance #CSR_RUG #Diversity #Act4SDGs

Foto: Ralf Rühmeier
Foto: Ralf Rühmeier
Foto: André Wagenzik
Foto: André Wagenzik
 

Interview

Was genau machst Du beruflich im Bereich der Nachhaltigkeit?

Ich setze mich als Vorsitzende des B.A.U.M. e.V. dafür ein, dass gute Beispiele glaubwürdigen Unternehmertums zur Messlatte nachhaltigen Wirtschaftens werden. Ich lade Unternehmen und Wirtschaftsverbände ein, das Wagnis einzugehen, sich vom jeweiligen Startpunkt aus auf die Transformationspfade zu begeben mit dem Ziel unternehmerische Nachhaltigkeitsleistungen berichten, sie tatsächlich messbar beschreiben zu können. Im Dialog mit Politikerinnen und Politikern sowie Verantwortlichen in Ministerien suche ich nach Wegen, wie wir schrittweise zu einer sozial-ökologischen Marktwirtschaft kommen. Mich interessieren Anreiz- und Verhinderungsstrukturen für nachhaltiges Wirtschaften. Ich will ihnen auf den Grund gehen mit dem Ziel, sie zu verändern, damit wir den Freiheitsgrundsatz erhalten können.

Wie bist du dahin gekommen, wo du jetzt bist?

In meiner bisherigen Entwicklung hatte ich das Glück, immer wieder Vorbilder, Mentorinnen und Mentoren zu finden, die mich herausforderten und mir etwas zutrauten. Sie unterstützten, dass ich meine persönlichen Grenzen immer wieder erweiterte – sei es mit neuen Inhalten, die ich mir erarbeitete oder neuer Verantwortung.

Hat Nachhaltigkeit schon immer eine Rolle gespielt in Deinem Leben, oder gab es den berühmten Change?

Wenn ich mir die drei Dimensionen der Nachhaltigkeit ansehe, hat Nachhaltigkeit immer eine Rolle in meinem Leben gespielt – auch hinsichtlich mangelnder Nachhaltigkeit in sozialer und wirtschaftlicher Hinsicht. Ein tieferer Einstieg war für mich die Studie „Zukunftsfähiges Deutschland“ von BUND und misereor von 1996. In einer Arbeitsgruppe für die Katholische Junge Gemeinde, meinen damaligen Kinder- und Jugendverband, bereitete ich sie als Konzept für einen inhaltlichen Jugendtag auf. Tatsächlich durchgeführt wurde er ein einziges Mal – von meiner Testgruppe. Das größte Lob war jedoch ein Umweltpreis des Erzbistums Freiburg. Das war ganz schön ambivalent.

Ein großer Treiber ist Sustainable Finance dank der großen Regulierungsinitiativen von Seiten der EU-Kommission, sowie der Bereich Impact Measurement, die Herausforderung Wirkungen zu belegen, im Bereich der Nachhaltigkeitsberichterstattung. Es wird nicht mehr lange zufriedenstellen, wenn wohlklingende Floskeln publiziert werden. Die Fakten werden härter nachgefragt, weil Nachhaltigkeit marktrelevant wird. Möglicherweise wird dann auch in anderer Form berichtet werden. Der Trend Digitalisierung unterstützt die Verfügbarkeit von Daten und die Modellierung von Szenarien, die es Unternehmen leichter machen, sich mit den strategisch relevanten Fragen zu befassen.

An welchen Punkten stößt Du, stößt Dein Unternehmen oder Deine Branche an Grenzen in der Nachhaltigkeit und wie löst Ihr diese Herausforderung?

Lese ich Nachhaltigkeitsberichte von Unternehmen und parallel dazu die Zeitung, reibe ich mir oft die Augen. Es gibt eine Diskrepanz zwischen dem, was das Unternehmen berichtet, was deren Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im betrieblichen Alltag erfahren und wie es öffentlich wahrgenommen wird. Und vice versa: nicht nachhaltiges Handeln von Unternehmen spiegelt sich zu wenig in der Nachhaltigkeitskommunikation wider. Ich wünsche mir mehr Aufrichtigkeit und echtes Bemühen um gute Nachhaltigkeitsprozesse in den Unternehmen, eine stärkere Integration von Nachhaltigkeitsstrategien in die generelle strategische Ausrichtung des Unternehmens. Das sollte sich auch in der Lageberichterstattung börsennotierter Unternehmen darstellen lassen. Operiert ein Unternehmen im Einklang mit dem Pariser Klimaschutzabkommen? Die Commitments sind da, die Beschreibung des „how to“ fehlen oft noch. B.A.U.M. als Netzwerk für nachhaltiges Wirtschaften eröffnet Dialog- und Lernräume für den Austausch im Ringen um Glaubwürdigkeit.

Wie kann Deine Arbeit, oder Deine Branche dazu beitragen die Welt nachhaltiger zu machen?

In meiner Arbeit unterstütze ich Unternehmen darin Nachhaltigkeit im Kerngeschäft zu verankern. Transparenz ist eine Voraussetzung dafür. Es steht für mich außer Frage, dass jedes Unternehmen seinen Standpunkt in der Befassung mit Nachhaltigkeit offenlegen sollte. Die Welt wird nachhaltiger, wenn Unternehmen darüber hinaus ihr regionales und wirtschaftliches Umfeld, ihre Finanzierungs- und Geschäftspartner mitreißt, egal in welcher Region der Welt sie sind.

Was möchtest Du jungen Menschen in Sachen Nachhaltigkeit mit auf den Weg geben?

Resilienz und Selbstwirksamkeit sind die Kernkompetenzen der Nachhaltigkeit. Sucht die Räume, wo Ihr beides erproben, einüben und erleben könnt. Damit legt Ihr die Grundlage für Eure ganz individuelle Kultur der Nachhaltigkeit. Der Rest kommt von alleine.

Inspiriere uns – wie gestaltest Du Dein Arbeits- und Dein Privatleben umweltschonend?

Oha – ich war beim Nachhaltigkeitsrat jahrelang für das Projekt www.nachhaltiger-warenkorb.de verantwortlich, das mittlerweile unter der Obhut von RENN.süd fortgeführt wird. Es gibt fast keinen Tipp daraus, den ich nicht versuche zu befolgen. Meine Lieblingsfaustregeln daraus sind: Mehrweg ist besser als Einweg, Leitungswasser ist Trinkwasser, Fünf (Portionen Obst und Gemüse) am Tag, Schenke Zeit statt Zeug, Investiere in kein Produkt, was du nicht selbst verstehst. Die Gemüsekiste wird mir mittlerweile per Lastenrad zugestellt, der Strom ist 100% öko, mein Fuhrpark vom Fahrrad und der Bahn dominiert, ich kaufe im Unverpackt-Laden … Mir macht es Spaß, wie ein Trüffelschwein nach der nachhaltigsten Option zu suchen – geschäftlich und privat.

Was treibt Dich an?

Mich treibt der Glaube daran, dass wir Menschen im Grunde gut sind – und dass wir es schaffen können! Egal was. Am Mut und Willen müssen wir bisweilen noch etwas arbeiten.

Von welcher Positiv-Schlagzeile aus Deiner Branche zum Thema Umweltschutz träumst Du?

Ich habe zwei: „Die Wirtschaft geht neuartiges Partnerschaftsmodell mit den Vereinten Nationen auf Basis der Sustainable Development Goals ein, unterzeichnen die SDGs und berichten fortan komplementär zu den Voluntary National Reports.“ Das ist zu lang. Deshalb auch: „Globale Klima-Ziele früher als geplant erreicht“

Portrait-Fotocredit: Anne Hufnagl

 

Futurewoman – Empowering Women in Sustainability