• Annett Winkelmann

    Annett Winkelmann

    Gründerin von internaht

    Mode & TextilienStart-up
    Es ist sehr schade, dass häufig nur in billig und teuer unterschieden wird. So einfach ist es leider nicht. Wir müssen in vielen Bereichen lernen nachhaltiger und maßvoller zu leben.

Sie schützt die Haut unserer Kinder mit Bio-Kindermode


Annett Winkelmann

 

Person

Gründerin internaht – nachhaltige Mode für Babys & Kinder

Jahrgang: 1973 | Geschäftssitz: Dresden

Mehr erfahren

  • Lehre zur Bankkauffrau in einer Großbank
  • Langjährige Mitarbeit in zentralen Funktionen der Großbank in Frankfurt/Main - Parallel Studium zum Bankbetriebswirtin (BA)
  • Rückkehr zurück nach Dresden und Gründung des Bio Kindermode-Labels internaht - Verkauf über Dawanda und Etsy, Launch eigener Onlineshop
  • Eröffnung Ladenatelier für Bio Kindermode und Biostoffe in Dresden
  • Mitglied im weltweiten Verkäuferbeirat von etsy.com
 

Themen

Nachhaltigkeit in kleinen Unternehmen | 2. Chance im Berufsleben – der Ausstieg aus dem Großunternehmen und die Gründung eines Kreativlabels | Unternehmensgründung in der Elternzeit

 

Einsatzgebiete

Gast bei Diskussionsrunden | Workshop-Begleitung

 

#kauflokal #madeingermany #fairfashion #kindermode #grünemode #biokindermode #mompreneur #smallbusinessowner #supportyourlocal

Annett Winkelmann – Futurewoman
Annett Winkelmann – Futurewoman
 

Interview

Was genau machst Du beruflich im Bereich der Nachhaltigkeit?

Nachhaltige Bio Kindermode & Babykleidung aus Dresden. internaht steht für nachhaltige Mode für Babys und Kinder aus Dresden. Sorgfältig gearbeitet und aufwändig verziert mit handgefertigten Applikationen werden unsere Designs zu echten Lieblingsstücken – die täglich getragen werden. Und wenn sie zu klein geworden sind, werden sie gern an die jüngeren Geschwister weitergegeben. In unserem Atelier in Dresden fertigen wir Bio Kindermode für Babys und Kinder im Alter von 0 - 12 Jahren (Größe 50 - 158) in Manufakturqualität. Dafür verwenden wir ausschließlich zertifizierte Bio-Baumwolle mit einzigartigen Designs, die für uns hergestellt werden.

Wie bist du dahin gekommen, wo du jetzt bist?

Ich bin ausgebildete Bankerin und habe gute 20 Jahre in diesem Beruf gearbeitet. Aber die virtuelle Welt, das Arbeiten am Computer ohne greifbares Ergebnis, befriedigte mich irgendwann nicht mehr. So habe ich meinen gut bezahlten, sicheren Job hingeschmissen und mir meinen Traum erfüllt. Vor fast 10 Jahren gründete ich internaht, ein Biomodelabel für Kinder. In Dresden nähe ich mit meinem Team fröhlich, farbenfrohe und haltbare Kinder-Kleidung aus Biostoffen. So erschaffe ich jeden Tag Dinge mit meinen eigenen Händen, kann kreativ und selbstbestimmt arbeiten. Ich treffe Menschen, die mich inspirieren. Unsere Kund*innen besuchen uns im Atelier und bedanken sich für unsere Produkte. Das erfüllt mich und macht mich glücklich.

Hat Nachhaltigkeit schon immer eine Rolle gespielt in Deinem Leben, oder gab es den berühmten Change?

Ein ganz wichtiger Auslöser war sicherlich die Geburt unserer 1. Tochter, vor über 12 Jahren. Vorher habe ich auf die Umwelt Rücksicht genommen, aber mit der Geburt habe ich eine ganz andere Sensibilität entwickelt und von Anfang auf Biokleidung und Bioernährung Wert gelegt. Die weitere nachhaltige Entwicklung hat mit dem Ausbau von internaht Fahrt aufgenommen. Ich habe immer mehr Informationen gesucht und erhalten. Und versucht Zusammenhänge zu verstehen bzw. die Auswirkungen unseren Handels.

Die Textilindustrie ist ein Bereich in dem nach wie vor kaum Automatisierung eingesetzt werden kann. Die menschliche Arbeit beim Anbau der Baumwolle, in den Spinnereien und Färbereien und natürlich in den Fabriken ist schwer und wird schlecht bezahlt. Das Thema Langlebigkeit von Produkten (weniger ist mehr), Recycling von Fasern und Kleidung und die Suche nach innovativen, nachhaltigen Fasern sind die wichtigen Trends. Dazu kommt die Transparenz in den Produktionsprozessen - auch für die Verbraucher*innen. Siegel können helfen, sind aber momentan zu unübersichtlich und für die Verbraucher*innen schwer zu unterscheiden.

An welchen Punkten stößt Du, stößt Dein Unternehmen oder Deine Branche an Grenzen in der Nachhaltigkeit und wie löst Ihr diese Herausforderung?

Das Sourcing neuer Stoffe ist nach wie vor eine Herausforderung. Der Anteil von Biobaumwolle bzw. recycelten Fasern ist weltweit immer noch viel zu gering
(aktuell um die 5%). „Greenwashing“ und Pseudo-Siegel verunsichern Verbraucher*innen und lassen viele resignieren („ist doch eh alles Bio“). Wir beraten und erklären vieles. Kennen unsere Zulieferer, verzichten auf alles was nicht wirklich zertifiziert ist (Ökotex ist halt nicht Bio …), reduzieren unser Produktangebot auf ausschließlich zertifizierte Ausgangsmaterialien und versuchen mit Ehrlichkeit, Transparenz und Fachwissen unseren Kund*innen zu helfen und die Hintergründe zu erläutern.

Wie kann Deine Arbeit, oder Deine Branche dazu beitragen die Welt nachhaltiger zu machen?

Wenn wir reflektieren, wie viel Zeit und Mühe in einem Kleidungsstück steckt, dann verstehen wir auch den Wert eines Kleidungsstückes und nutzen dieses länger - weniger Kleidungsstücke, die wir lange nutzen und gerne tragen. Geben dieses evtl. weiter oder tauschen es gegen ein anderes Stück ein und werfen es nicht achtlos (ungetragen) weg. Durch die Verwendung von Biostoffen helfen wir darüber hinaus den Menschen in den produzierenden Ländern (den Bauer und Bäuerinnen und den Fabrikarbeiter*innen) und tragen zu einer geringen Umweltbelastung bei (weniger Wasserverbrauch, Verbesserung Bodenqualität, Energieeinsparung etc.)

Was war der Auslöser für die Gründung?

Für meine erste Tochter suchte ich vor 12 Jahren einen Schneeanzug und fand keinen, der meinen Ansprüchen gerecht wird. Kurzerhand packte ich meine Nähmaschine aus, die lange im Schrank stand, und nähte unserer Tochter einen warmen Walkoverall aus Wolle. Der gefiel nicht nur mir, sondern kam vor allem bei den Müttern der anderen Kinder extrem gut an. Schnell gingen die ersten Bestellungen ein. Das war meine Geschäftsidee, mit der ich mich im August 2011 selbstständig gemacht habe.

Was waren die größten Hürden und wie hast Du diese gemeistert?

Nische finden - Dranbleiben - Kalkulieren können - Konsequent die Nische bedienen und es nicht allen recht machen.

Was möchtest Du jungen Menschen in Sachen Nachhaltigkeit mit auf den Weg geben?

Jeder kann helfen und das auch direkt große Umstellungen im täglichen Leben. Also auf jeden Fall mit kleinen Schritten anfangen und dann Stück für Stück
ausbauen. Nachhaltigkeit macht Spaß - die Menschen sind aufgeschlossen und es entstehen oft spannende Gespräche und Impulse die helfen das Thema präsent zu halten.

Inspiriere uns – wie gestaltest Du Dein Arbeits- und Dein Privatleben umweltschonend?

  • Ich bin Inhaberin eines Öko-Kinderlabels. D.h. unsere Familie trägt nahezu ausschließlich Biokleidung - wir haben nur wenige Kleidungsstücke, tragen diese aber gerne, lange und oft.
  • Wir reisen mit dem Rucksack, der Bahn und öffentlichen Verkehrsmitteln
  • Natürlich kaufen wir Bio-Lebensmittel, sind fleißige Marktschwärmer und kochen viel selbst
  • Problematisch sind für uns die Plastikverpackungen - im Unverpacktladen einkaufen zu gehen, ist für uns als 5-köpfige Familie leider nicht drin :-(. Aber dieses Thema ist auf unserer Agenda …

Was treibt Dich an?

  • Der Optimismus und die Kraft der Jugend, die sich bei Fridays for Future engagiert (natürlich sind unsere Kids dabei :-)
  • Die vielen inspirierenden Gespräche mit Unternehmern in der Biobranche
  • Zufriedene Kund*innen die unsere Qualität schätzen und gerne wieder bei uns einkaufen

Von welcher Positiv-Schlagzeile aus Deiner Branche zum Thema Umweltschutz träumst Du?

Primark und H&M sind aufgrund massiver Umsatzeinbrüche pleite - der Anteil der Biobaumwolle am Weltmarkt beträgt über 50% und es gibt ein Textil-Siegel, dem Verbraucher*innen vertrauen können.

Futurewoman – Empowering Women in Sustainability