• Ronja Völkel

    Ronja Völkel

    Projektentwicklerin Deutschland für Fastned

    Es ist nicht das Ende der Welt, dass man mit einer Stromladung aktuell noch nicht 600 Kilometer fahren kann. Die durchschnittliche Weglänge, die ein Auto in Deutschland täglich gefahren wird, liegt bei 40 Kilometern.

Sie baut die Infrastruktur für Elektromobilität in Deutschland

Ronja Völkel – Jahrgang 1989 – Projektentwicklerin Deutschland für Fastned

Ronja Völkel hat in Skandinavien und den Niederlanden studiert. Aus beiden Ländern hat sie jede Menge guten Spirit mitgebracht. Unter anderem, dass man beim Umweltschutz einfach mal machen muss. Es passt also, dass Ronja Völkel jetzt so was wie die Weichenstellerin für Elektromobilität in Deutschland wird. Für ein niederländisches Unternehmen baut sie hier die lang ersehnte Schnelllade-Infrastruktur auf.

Wir sind uns ähnlich

Als wir uns im Kölner Büro treffen, entdecken wir auf Anhieb viele Gemeinsamkeiten. Die Affinität zu Skandinavien, den Willen Dinge anzupacken. Und aktuell plant Ronja ihren Umzug dorthin, wo ich herkomme. Raus aus der Großstadt aufs Land. Dazu müsse sie dann schon ein Auto nutzen, erzählt sie im Interview. Aber innerhalb von Köln fahre sie nur Fahrrad oder ÖPNV.

Investieren in die Zukunft

Das Unternehmen Fastned, für das Ronja Völkel die Projektentwicklung in Deutschland übernommen hat, macht etwas Ungewöhnliches: Die Geschäftsführung investiert in die Zukunft, weil sie überzeugt ist: Nur so können wir die Henne-Ei Problematik lösen.

„Wer kauft Elektroautos, wenn man sie nicht laden kann? Wer baut Ladesäulen für E-Fahrzeuge, wenn es keine Kunden gibt? Wir haben uns entschlossen, vorab in den Markt zu investieren. Und wenn dann der große Boom kommt – und der wird kommen – sind wir schon da.“

Die aktuelle Aufgabe des Deutschland-Teams ist es Standorte zu finden und zu bebauen. Dazu sprechen die Mitarbeiter vor allem mit Autohöfen und den Planern von Autohöfen, aber auch mit Kommunen, die direkt an Autobahn-Abfahrten liegen. Die bekommen dann eine schicke Station und noch dazu Geld in Form von Pacht.

1. Fastned Ladestation in Deutschland
1. Fastned Ladestation in Deutschland

Das Besondere an den Ladestationen

Bislang müssen Fahrer von Elektroautos ihre Ladesäulen noch mühsam suchen. Oft sind sie gut versteckt zwischen den Zapfsäulen für Benzin und Diesel. Das niederländische Unternehmen baut ganze Stationen, gut sichtbar, immer mit mindestens zwei Ladesäulen. Das habe den Vorteil, dass immer was geht, sagt Ronja Völkel. Wenn eine Säule nicht funktioniert, hat man noch eine Ausweichmöglichkeit. So kann das Unternehmen eine Ladesicherheit von 99,9 Prozent garantieren.

Die Ladesäulen werden von einem Solardach geschützt, das einen Teil des Energiebedarfs deckt. Die restliche Energie kommt komplett aus Erneuerbaren. Die Ladeleistung werde immer schneller, sagt Ronja Völkel. Die Entwicklung sei wirklich rasant. Gerade ist in Limburg an der Lahn die erste Station eröffnet worden. Um die 20 sollen es noch 2018 werden. Deutschlandweit will es das Unternehmen in Zukunft auf 400 bringen.

Sinnvolles Wirtschaften

„Bei meinem BWL Studium hab ich schnell gemerkt, dass es nicht funktionieren kann nur danach zu streben, immer noch mehr Umsatz und Gewinn zu machen. Ich war und bin überzeugt, dass wir Wirtschaften neu definieren müssen. Ich bin dann mit einem Unternehmen in Kontakt gekommen, das sich nachhaltiges Wirtschaften auf die Fahnen geschrieben hat. Das fand ich toll, habe einen Studiengang „Nachhaltigkeitsmanagement“ gesucht, in Schweden gefunden und mich eingeschrieben.“

Mobilität der Zukunft

Autos müssen und werden sauberer, davon ist Ronja Völkel überzeugt. „Es wird ein Mix aus verschiedenen Technologien sein. Wasserstoff beispielsweise wird auch mit dabei sein. Aber der Verbrennungsmotor wird keine Zukunft haben.“

Die Sharing-Gesellschaft wird immer wichtiger werden. Die Menschen werden weniger in Besitztümern denken, mehr Verkehrsmittel teilen. „Dafür ist es wichtig, dass der ÖPNV attraktiver wird und gute und sichere Fahrradwege werden eine zentrale Rolle spielen. Auf dem Land wird die Entwicklung länger dauern, aber auch da gibt es jetzt schon gute Beispiele, die sich durchsetzen werden. Fahrgemeinschaften beispielsweise oder Bürgerbusse.“

Futurewoman Ronja Völkel
Futurewoman Ronja Völkel
 

Deutsche zaudern zu lange

Bei der Frage, was Deutsche von den Niederländern lernen können, entdecke ich ein begeistertes Leuchten in den Augen von Ronja Völkel. „Wir können viel lernen. Die Niederländer sind sehr pragmatisch unterwegs. Während wir in Deutschland noch reden und nach der 1000 Prozent Lösung suchen, machen die Holländer einfach. Das ist deshalb gut, weil man neue Erlebniswelten schaffen muss, um Menschen für Ideen zu begeistern.“

Auch die Gesetzgebung in den Niederlanden trägt dazu bei, dass Mobilitätsvisionen sich schneller entwickeln. Firmenwagen mit alternativen Antrieben werden steuerlich begünstigt. Taxen, die keinen Verbrennungsmotor haben, dürfen sich immer ganz vorne in die Reihe stellen. Alle Carsharing-Anbieter bestücken ihre Flotten ausschließlich mit Elektroautos. „Das führt dazu, dass wir im Nachbarland schon Warteschlangen an unseren Ladestationen haben und schnell weiterbauen müssen. Ein vollkommen anderes Bild als in Deutschland.“

Brauchen wir Lehrmeister oder Vorbilder?

Eine Weile habe sie sich vegetarisch ernährt, erzählt Ronja Völkel, inzwischen esse sie wieder Fleisch, wenn sie weiß, wo es herkommt und wie es den Tieren ergangen ist. „Zu keinem Zeitpunkt habe ich Familie und Freunden gesagt, was sie unbedingt anders machen sollten in ihrem Leben. Das ist nicht mein Weg. Wenn ich zum Essen einlade, setze ich den Gästen einfach ein tolles vegetarisches Gericht vor und kommentiere das überhaupt nicht. Die sind dann einfach begeistert vom Geschmack und denken vielleicht zwei Tage später: Hey, das war lecker, obwohl kein Fleisch dabei war.“

Was treibt sie an?

Die Frage habe sie sich auch schon öfter gestellt und sei nicht so richtig zu einem Ergebnis gekommen, sagt Ronja Völkel. „Es macht einfach Sinn für eine gute Zukunft zu arbeiten. Ich finde das total normal. Es steckt in mir drin, die Gesellschaft verändern zu wollen.“

Futurewoman ist ein Projekt von Janine Steeger