• Syster Tjarks

    Syster Tjarks

    Gründerin und Geschäftsführerin von popular packaging GmbH

    Design & Medien
    Wenn nicht jetzt, wann dann?

Packaging Design bietet eine Fülle von Möglichkeiten, um Nachhaltigkeit zu fördern.


Syster Tjarks

 

Person

Gründerin und Geschäftsführerin von popular packaging GmbH und Mit-Initiatorin von FuturePackLab

Jahrgang: 1972 | Geschäftssitz: Hamburg

Mehr erfahren

Meine Kindheit habe ich größtenteils in Afrika verbracht. Auch später, zurück in Deutschland, hat es mich immer wieder ins Ausland gezogen – so habe ich auch in London als Designerin gearbeitet. Erst durch meine beiden Kinder bin ich in Hamburg sesshaft geworden.

Als Kreative startete ich 1998 in der Werbung. Doch als ich realisierte, wie viel Ego da involviert ist, wechselte ich in den Bereich Packaging Design – was mir und meiner Art zu arbeiten deutlich mehr entspricht. Seitdem arbeite ich als passionierte Verpackungsdesignerin, sowohl freiberuflich als auch fest angestellt, für kleine Design-, aber auch große Networkagenturen und deren nationale und internationalen Kunden und Marken, stets mit dem Fokus auf FMCG Produkte (Fast Moving Consumer Goods). Da ich mich auch nach über 20 Jahren im Job weiterentwickeln und Dinge bewegen wollte, gründete ich 2019 mein eigenes Studio, Popular Packaging. Und weil es mir schon immer wichtig war, gerade im schnelllebigen Massenmarkt möglichst nachhaltige und zukunftsfähige Lösungen zu finden, haben wir kurz darauf damit begonnen, mit dem FuturePackLab ein Expertennetzwerk für nachhaltiges Packaging aufzubauen.

 

THEMEN

Frauen | Karriere | Gründen | Verpackungsdesign | Nachhaltigkeit im Bereich Packaging Design | Familie & Karriere | Codes for Sustainability

 

Einsatzgebiete

Gast bei Diskussionsrunden | Speakerin | Workshop-Begleitung

 

#packagingdesign #sustainablepackaging #codesforsustainability #frauenkarriere #femalecareer #femalefounder #codesforsustainability #popularpackagingdesign

Syster Tjarks – Futurewoman

Interview

Was genau machst Du beruflich im Bereich der Nachhaltigkeit?

Ich führe ein Studio für Verpackungsdesign mit Fokus auf Nachhaltigkeit im Massenmarkt. Das Design einer Verpackung hat einen direkten Einfluß darauf, wie gut ein Produkt auf dem Markt funktioniert und wie lange es sich dort hält. Das Thema Packaging Design ist sehr komplex und bietet eine Fülle von Möglichkeiten, Nachhaltigkeit zu fördern: Dafür betrachten wir das strukturelle Design, also Größe und Funktionalität, Produktanforderungen, Materialart und Mengen, um damit den faktischen Nachhaltigkeitsfaktor und die Recycelfähigkeit zu steuern. Des weiteren visualisieren die Geschichte und Nachhaltigkeitsthemen von Produkt und Verpackung wie z.B. die Entsorgungskennzeichnungen: Nur so können Produkte in kürzester Zeit wahrgenommen, verstanden, gekauft und wieder richtig entsorgt werden.

Wie bist du dahin gekommen, wo du jetzt bist?

Was ich mache, mache ich aus Überzeugung und mit Leidenschaft. Das habe ich von klein auf mitbekommen – ich komme aus einer Macher-Familie. Meine Eltern haben mir beigebracht, dass man mit Mut, Fleiß, Zielstrebigkeit und Ehrgeiz viel erreichen kann. Mir hilft sicher auch, dass ich mich schnell langweile und so immer Neues lernen und erreichen will.

Hat Nachhaltigkeit schon immer eine Rolle gespielt in Deinem Leben, oder gab es den berühmten Change?

Ich war schon immer ein naturverbundener Mensch, aber das Bewusstsein, dass wir für unseren Planeten auch ganz persönlich verantwortlich sind, ist erst mit den Jahren gewachsen. Besonders geprägt hat mich ein konkreter Kundentermin: Es war ein Briefingtermin für ein neues Packaging Projekt - es ging um ein Tiefkühlhuhn im Preiseinstieg Segment, also ein ganzes Huhn für ca. 3,50€. Nach Klärung der üblichen Fragen wie Budget, Farben etc. fragte ich, worauf ich das Design, also die visuelle Geschichte, aufbauen könnte - hat es irgendetwas besonderes an sich? Daraufhin erwiderte der Marketingmitarbeiter: "Syster, dieses Huhn war nicht glücklich." Nach diesem Meeting habe ich mich ernsthaft gefragt: Was mache ich hier - und welche Industrie unterstütze ich damit? Will ich wirklich eine schöne, neue Verpackung entwickeln, Kaufanreize schaffen, damit noch mehr von diesen armen Kreaturen gezüchtet, geschlachtet und verkauft werden? Ist das ein Projekt, worauf ich stolz sein kann? Ist das die Zukunft, die ich für meine Kinder ebnen möchte? Die Antwort war ganz klar: Nein. Kurze Zeit später entschied ich mich, ein eigenes Studio für Packaging Design mit dem Fokus auf Nachhaltigkeit im Massenmarkt zu gründen.

Das wachsende Bewusstsein dafür, dass Nachhaltigkeit kein vorübergehender Trend ist, ist deutlich zu sehen und zu spüren. Nicht nur Privatleute, auch Firmen sind zunehmend bemüht und auch gezwungen, sich dahingehend auszurichten und weiterzuentwickeln. Mit großer Freude sehen wir in allen Produktkategorien, wie immer mehr tolle Lösungen für nicht nur schöne, sondern auch schlaue und kreative Verpackungen auf den Markt kommen. Es wird quergedacht, neugedacht, experimentiert und sich ausgetauscht. Das Resultat sind faszinierende neue Materialien, Gebindearten und Kombinationen, die unendlich viel Inhalt für Kommunikation bieten – vor allem auch auf den digitalen Kanälen.

An welchen Punkten stößt Du, stößt Dein Unternehmen oder Deine Branche an Grenzen in der Nachhaltigkeit und wie löst Ihr diese Herausforderung?

Wir sind immer wieder erstaunt, was für Mythen und Irrglauben rund um das Thema Verpackungen, Material und Nachhaltigkeit vorherrschen, getrieben von Medien und Industrie. Oftmals haben die Konsumenten ein vollkommen falsches Bild davon, was nachhaltige Verpackungen tatsächlich ausmacht. Da muss man viel Aufklärungsarbeit leisten, viel beraten und kommunizieren – und es auch einfach richtig vormachen.

Nachhaltige Verpackungen zu entwickeln ist sehr, sehr komplex: Man braucht viel Fachwissen in den unterschiedlichsten Bereichen. Die primäre Aufgabe einer Verpackung ist es, das Produkt / Füllgut auf der einen Seite bestmöglich zu schützen, es gleichzeitig optimal zu präsentieren und nebenbei noch diverse andere Anforderungen zu erfüllen - was in einigen Bereichen deutlich herausfordernder ist als in anderen. Zum Beispiel stellt eine Hand voll Schrauben vollkommen andere Anforderungen an eine Verpackung als ein Naturkosmetikprodukt oder eine Premium Bluetoothbox. Dabei gilt es bei der Verpackungsentwicklung ganz genau zu analysieren, welche Verpackungsmaterialien für dieses individuelle Produkt in Frage kommen, wie es um deren Nachhaltigkeitsfaktoren steht, welche Mengen tatsächlich notwendig sind, wie die Verpackung aufgebaut sein muß, um ein optimales Handling zu gewährleisten. Hinzu kommt: Was muss ich durch Form und Gestaltung kommunizieren, um verstanden zu werden? ... Um all diese Fragen kompetent beantworten und umsetzen zu können, ist bei solchen Entwicklungen ein gutes Netzwerk so wichtig. Wir sind sehr happy, mit FuturePackLab so ein Netzwerk ins Leben gerufen zu haben, bei dem sich alle Parteien und Kooperationspartner gegenseitig unterstützen, um gemeinsam das optimale Ergebnis zu erzielen.

Wie kann Deine Arbeit, oder Deine Branche dazu beitragen die Welt nachhaltiger zu machen?

Wir brauchen Verpackungen, um Gegenstände zu portionieren, zu transportieren und zu konsumieren. Wir können den Menschen nicht vorschreiben, kein Fleisch mehr zu essen oder keine technische Geräte mehr zu kaufen, die eine halbe Weltreise hinter sich haben. Aber wir können die Verpackungen für diese Produkte nachhaltiger machen, indem wir einen Weg finden, möglichst wenig Material zu verwenden – und sicherstellen, daß das Material, das wir verwenden, bestenfalls wiederverwendet oder wenigstens perfekt recycelt werden kann.

Was war der Auslöser für die Gründung?

Als Angestellte bin ich immer wieder an Grenzen gestoßen, wenn ich mich weiterentwickeln wollte: Festgefahrene, starre Hierarchien, die Nichtbereitschaft, neue Themen anzugehen und engagierte und querdenkende Mitarbeiter anzuhören und zu fördern – das kennen sicher viele, vor allem auch viele Frauen. Bei mir führte es schlussendlich dazu, mit viel gesammelten KnowHow, den nächsten logische Schritt zu gehen und mein eigenes Studio zu gründen.

Was waren die größten Hürden und wie hast Du diese gemeistert?

Nachhaltigkeit ist ein irre komplexes Thema, das keiner alleine bestreiten und lösen kann. Für mich war es daher wichtig, die richtigen Partner und Mitstreiter zu finden und ein möglichst diverses Team aufzubauen.

Was möchtest Du jungen Menschen in Sachen Nachhaltigkeit mit auf den Weg geben?

Nachhaltigkeit ist das Thema, das unsere Zukunft definiert – wir können, dürfen und müssen alle daran mitwirken. Glücklicherweise sind wir inzwischen soweit, dass Unternehmen, die das Thema nicht annehmen, als nicht zukunftstauglich eingestuft werden. Täglich werden neue Meldungen kommuniziert, was Neues entdeckt, beschlossen oder entwickelt wurde. Neugierig bleiben, verstehen wollen, Fragen stellen und mutig sein - das ist der Weg nach vorne. Auch wenn Chemie oder Physik nicht immer das Lieblingsfach ist: Mit Offenheit auch gegenüber ungeliebten Themen lassen sich die meisten Dinge verstehen. Wie großartig ist der Moment, wenn man realisiert, wie bereichernd das ist und man daran wächst. Wir können alle etwas bewegen und verändern - wir müssen es nur auch machen.

Inspiriere uns – wie gestaltest Du Dein Arbeits- und Dein Privatleben umweltschonend?

Beruflich gesehen bemühen wir uns, uns möglichst ressourcenarm zu verhalten - betreiben Office Sharing, benutzen öffentliche Verkehrsmittel und kaufen technische Geräte Second Hand. Privat lebe ich in einer großen, bunten Patchwork Familie mit insgesamt 5 Kindern, wo eine nachhaltige Lebensweise von den meisten Mitgliedern bereits konsequent umgesetzt wird. Und in meiner Freizeit schlüpfen mein Partner und ich gerne in unsere Arbeitsklamotten und sanieren alte Häuser – übrigens ist der "graue Sektor" und das ständige Neubauen einer der Bereiche, die am klimaschädlichsten sind!

Was treibt Dich an?

Neugierde, Wissensdurst, die Faszination Natur, Menschenliebe, Gemeinsam, Voneinander lernen, etwas Schaffen und Inspirationsquellen

Von welcher Positiv-Schlagzeile aus Deiner Branche zum Thema Umweltschutz träumst Du?

Wir haben es geschafft, die Kreisläufe zu schließen und der Natur ihre Balance zurückzugeben.

Futurewoman – Empowering Women in Sustainability