• Carolina Schweig

    Carolina Schweig

    Inhaberin, Dipl.-Ing. VF Papier- und Kunststoffverarbeitung

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    Auch aus Steinen, die in den Weg gelegt werden, kann man Schönes bauen. (Johann Wolfgang von Goethe)

Sie ist DIE Expertin in Deutschland, wenn es um Verpackungen der Zukunft geht

Carolina Schweig
Inhaberin, Dipl.-Ing. VF Papier- und Kunststoffverarbeitung
JAHRGANG 1962

 
 

WAS GENAU MACHST DU BERUFLICH IM BEREICH DER NACHHALTIGKEIT?

Ich sorge zum einen dafür, dass Unternehmen eine klare, messbare und bewertbare Nachhaltigkeitsstrategie erhalten, in dem ich sie in Workshops über die Wesentlichkeitsmatrix zu ihrer individuellen Nachhaltigkeitspositionierung führe/bei der Entwicklung begleite. Aus dieser Positionierung mit messbaren Faktoren entwickeln wir Prioritäten und Bewertungen und setzen diese in den Unternehmensprozess, die Leitlinien und die Organisationen um. Auf der Basis der Prioritäten mithilfe der messbaren Faktoren entwickeln wir neue Packstoffe/Prozesse/Packmittel oder bewerten Ideen oder das Wettbewerbsumfeld. Auf dieser Basis unterstützen wir auch hinsichtlich Auslobungen und in Gesprächen mit NGOs.

 
 

Wie bist Du dahin gekommen, wo Du jetzt bist?

Der offensichtliche Pfad lief über den Bereich Costsaving. Wir haben als Ingenieur*innen viel im Bereich Cost-Saving gearbeitet, schneller, effizienter, mit geringeren Umrüstzeiten und Ausschuss. Bei den Projekten fiel mir auf, dass fast immer finanzielle Vorteile einer Optimierung mit ökologischen Benefits einhergehen – weniger Stromverbrauch, schnellere Taktungen bei weniger Ausschuss.

Neben der Erkenntnis, gab es auch ein ungutes Gefühl, das 110te Shampoo, die 300ste Schokoladenverpackung zu erarbeiten. Viele Produkte, die austauschbar waren und deren Verpackung meist keinen wirklichen Vorteil für Konsument*innen darstellten. Die Beschäftigung mit dem Thema Nachhaltigkeit über die GRI-Standards, die wirtschaftlichen Ideen und Konzepte dahinter, zeigten einen Weg auf, wie man richtige Nachhaltigkeit, berechenbar, belegbar und belastbar/wiederholbar umsetzen kann – faszinierend mit dem Blick auf langfristige Unternehmenswerte, Strategien und politische Stellschrauben.

 
 

Hat Nachhaltigkeit schon immer eine Rolle gespielt in Deinem Leben, oder gab es den berühmten Change?

Erst die realitätsnahen Ansätze über GRI, die Nachhaltigkeit aus der Bauch- und Meinungsebene in einen realen, wirtschaftliche und wissenschaftlich fundierten Bereich brachten, überzeugten mich.

 
 

Im Moment herrscht eher eine Verweigerungs- und Irreführungsmentalität und Politik. Wesentliche Aspekte, wie limitierte Ressourcen, überhöhter Verbrauch werden umgedeutet und für kurzfristigen Profit missbraucht. Beispiel: Erhöhter Verpackungskonsum ist ok, wenn die Verpackung aus Papier besteht. Das ist eindeutig falsch, wird aber durch permanente Wiederholung zur gelebten Wahrheit, obwohl es rechnerisch extrem einfach ist, zu belegen, wie falsch solch ein Ansatz ist.

 
 

An welchen Punkten stößt Du, stößt Dein Unternehmen oder Deine Branche an Grenzen in der Nachhaltigkeit und wie löst Ihr diese Herausforderung?

Nachhaltigkeit ist aus Sicht vieler Unternehmen immer noch ein „ nice to have“ welches keine Auswirkungen auf die Geschäftsfähigkeit hat. Und Verbraucher*innen, die evtl. Kaufentscheidungen hinsichtlich Nachhaltigkeit fällen würden, können einfach mit Fehlinformationen überfüttert werden. Daher unterstützen wir auch NGOs, bezüglich technischer Umsetzbarkeit, physikalisch-chemischer Details, oder Einschätzungen zu Produktion und Prozessen, wenn diese von entsprechenden Herstellern abgewimmelt werden.

 
 

Wie kann Deine Arbeit oder Deine Branche dazu beitragen, die Welt nachhaltiger zu machen?

Wir prüfen, ob eine Verpackung, ein Packmittel ein Prozess tatsächlich zu dem Ziel führt, welcher angestrebt wurde, oder ob es bessere Wege/Prozesse/Ideen gibt, die gesetzten Nachhaltigkeitsziele zu erreichen.

 
 

Was möchtest Du jungen Menschen in Sachen Nachhaltigkeit mit auf den Weg geben?

Denken, Hinterfragen, auf Plausibilität prüfen, Challengen, nicht locker lassen!

 
 

Inspiriere uns – wie gestaltest Du Dein Arbeits- und Dein Privatleben umweltschonend?

Das was wohl alle machen: Beim Einkauf versuche ich, wenn möglich auf Verpackung zu verzichten. Wenn ich nicht um Verpackung herumkomme, die wählen, von der ich weiß, dass sie den geringsten Umweltimpakt/Ressourceneinsatz hat, ggf. besser recycelbar ist. Licht und Heizung ausmachen, wenn man einen Raum verlässt. Häufig das Auto stehen lassen, statt dessen Radeln, wenn es geht. Geschäftsreisen, wenn immer möglich mit der Bahn. Auf Energieverbräuche bei Geräten achten, auch welche ersetzen.

 
 

Was treibt Dich an?

Ich bin überzeugter Christ und nehme das mit der Verantwortung für Mensch, Tier und Umwelt ernst. Ich denke so kann ich meine Talente/Begabungen gut und sinnvoll einsetzen.

 
 

Von welcher Positiv-Schlagzeile aus Deiner Branche zum Thema Umweltschutz träumst Du?

Nicht gerade meine Branche, aber meine Branche beeinflussend: Wenn messbare Nachhaltigkeitsziele und deren wirksame Umsetzung in Unternehmen bei der Bewertung von Aktien/Firmenwerten den entscheidenden Faktor bilden würden.

Futurewoman ist ein Projekt von Janine Steeger