• Hilke Anna Patzwall

    Hilke Anna Patzwall

    Senior Managerin Nachhaltigkeit bei VAUDE Sport GmbH & Co. KG

    Corporate ResponsibilityMode & TextilienSportTiereWirtschaft
    Wenn der Wind des Wandels weht, bauen die einen Mauern, die anderen Windmühlen.

"Es gibt in der Nachhaltigkeit ständig und überall Grenzen. Die Herausforderung ist, diese zu überwinden."


Hilke Anna Patzwall

 

Person

Senior Managerin Nachhaltigkeit bei VAUDE Sport GmbH & Co. KG

Jahrgang: 1972 | Geschäftssitz: Ravensburg

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Nach ihrem Diplom als Betriebswirtin BA (Diplomarbeit über Umweltmanagement) arbeitete sie mit einem Fokus auf Umweltmanagement und Organisationsentwicklung hauptsächlich in der Sportbranche und im Bereich Erneuerbare Energien (Windenergie). Seit 2006 arbeitet sie bei VAUDE Sport und ist dort für die Nachhaltigkeit des Unternehmens verantwortlich, insbesondere für die Weiterentwicklung der VAUDE Nachhaltigkeitsstrategie und die Integration der Nachhaltigkeitsaspekte in alle Unternehmensbereiche. Schwerpunkte bilden u.a. der VAUDE eigene Nachhaltigkeitsstandard für Produkte (Green Shape) sowie die Themen Klimaschutz, Kreislaufwirtschaft, Mobilitätsmanagement, Biodiversität und Reporting. Sie ist Stellvertretende Vorsitzende des Beirats Umwelt und Sport des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und Nukleare Sicherheit sowie Sprecherin der Arbeitsgruppe CSR im Bundesverband Deutscher Sportartikelindustrie. Sie schätzt die hohe Eigenverantwortlichkeit und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf bei VAUDE, liebt die Natur und ist begeisterte Outdoor-Sportlerin mit einem besonderen Interesse für Naturschutz, Berge und Pferde.

 

THEMEN

Transformation zu nachhaltigem Wirtschaften | Klimaschutz in der Textilindustrie | Mobilitätsmanagement | Biodiversitätsmanagement | Nachhaltigkeit im Sport | Umwelt und Sport | Nachhaltigkeit im Pferdesport

 

Einsatzgebiete

Experten-Interviews | Diskussionsrunden | Key Notes

 

#sustainablebusiness #fashionforclimate #circularity #supplychain #texilesforfuture #sportundumwelt #mobility

Hilke Anna Patzwall – Futurewoman

Interview

Was genau machst Du beruflich im Bereich der Nachhaltigkeit?

Ich bin seit ca. 15 Jahren bei VAUDE Sport verantwortlich für die Nachhaltigkeit des Unternehmens, insbesondere für die kontinuierliche Weiterentwicklung der Nachhaltigkeitsstrategie sowie für die Integration von Nachhaltigkeitsaspekten in alle Unternehmensbereiche, Produkte und die Lieferkette. Meine Fokusthemen sind u.a. der unternehmenseigene Standard für nachhaltige Outdoor-Produkte (Green Shape), die Klimaschutzstrategie, Circular Business, Mobilität, Biodiversität und Reporting nach Standards wie GRI, EMAS, Gemeinwohlökonomie.

Ich war in der letzten Legislaturperiode Stellvertretende Vorsitzende des Beirats Umwelt und Sport des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und Nukleare Sicherheit und hoffe, dass ich in Kürze wieder berufen werde. 

Ich bin Sprecherin der Arbeitsgruppe CSR im Bundesverband Deutscher Sportartikelindustrie (BSI) und Mitglied der Expertengruppen Kreislaufwirtschaft und Klimaschutz im Bündnis für nachhaltige Textilien.

Mein Ziel ist immer, aus der Management-Perspektive die Komplexität der Nachhaltigkeitsthemen zu durchdringen, sie in Strategien, Maßnahmen und greifbare Projektschritte zu übersetzen, die damit verbundenen Prozesse zu moderieren, das Team zu inspirieren und zu beraten.

Wie bist du dahin gekommen, wo du jetzt bist?

Aufgewachsen bin ich auf einem Hof an der Weser zwischen Bremen und Bremerhaven, in Sichtweite des Atomkraftwerkes „Unterweser“. Nach der 10. Klasse durfte ich als „Land-Ei“ ein Austauschjahr im konsumgetriebenen Kalifornien verbringen, was meinen Horizont geweitet und gleichzeitig meinen Blick für die Ungerechtigkeit der Welt und die vielen Umweltprobleme nochmals geschärft hat. Meine Eltern waren Sport-Einzelhändler mit diversen Outdoor-Hobbies: Mir sind die Themen Sport und Umwelt sozusagen in die Wiege gelegt worden. Zu meinem BWL-Studium gehörten passenderweise Praxissemester im Textileinkauf und in der Umweltabteilung des Handelskonzerns Metro, wo ich auch meine Diplomarbeit geschrieben habe.

Ich war dann begeisterter Teil der Ende der Neunziger entstehenden Windenergie-Branche in Deutschland. In dieser Zeit bin ich auch politisch aktiv geworden, als SPD-Mitglied für mehr soziale Gerechtigkeit und im täglichen Einsatz auf kommunaler und Landes-Ebene für erneuerbare Energien. Da bin ich nach ein paar Jahren allerdings wieder ausgetreten, weil sich die SPD nicht von der klimaschädlichen Kohleförderung trennen wollte. Inzwischen bin ich längst Mitglied der Grünen.

Dann hat mich die Liebe in den Süden gezogen; hier kam meine Tochter auf die Welt und ich zu VAUDE: Zur Begleitung des Change-Prozesses beim Generationswechsel von Unternehmensgründer Albrecht von Dewitz auf seine Tochter Antje, mit dem die konsequente Ausrichtung von VAUDE auf Nachhaltigkeit verbunden war. Ich bin stolz darauf, diese Erfolgsstory maßgeblich mitzugestalten. Auch nach 15 Jahren geht uns dabei die Arbeit nicht aus ...

Hat Nachhaltigkeit schon immer eine Rolle gespielt in Deinem Leben oder gab es den berühmten Change?

Ja - das Atomkraftwerk in Sichtweite meines Kindergartens hat mich sehr früh für Energiethemen sensibilisiert und die rapide Kommerzialisierung und Ausbeutung der Natur um mich herum tut mir seit ich denken kann in der Seele weh.

Klimaschutz und Kreislaufwirtschaft – beides richtig dicke Bretter für eine Industrie, die unter den Top 5 Umweltzerstörern global ist. Aber auch immer mehr grünes Marketing und der damit verbundenen Herausforderung, den schmalen Grat zwischen notwendiger Information für Konsumenten und Greenwashing zu finden.

An welchen Punkten stößt Du, stößt Dein Unternehmen oder Deine Branche an Grenzen in der Nachhaltigkeit und wie löst Ihr diese Herausforderung?

Es gibt dauernd überall Grenzen – technische, organisatorische, wirtschaftliche ... Die Herausforderung ist, diese zu überwinden: Solange die Weltwirtschaft auf fossilen Rohstoffen beruht, ist es unmöglich, klimaneutral zu wirtschaften. Solange umweltschädliche und menschenverachtende Praktiken wirtschaftlich belohnt statt bestraft werden, ist die Hürde umzusteuern für viele Unternehmen zu hoch, dabei liegt die Verantwortung für gute, saubere Produkte und Produktionsprozesse bei der Industrie und nicht bei den Verbraucher*innen (außer als Wähler*innen). Wir brauchen mehr Kooperationen, mehr Interdisziplinarität und mehr Kreativität in der gesamten Gesellschaft denn je, um die Transformation Stück für Stück zu bewältigen. Am wichtigsten ist, sich auf den Weg zu machen: Jeder noch so steile Weg beginnt mit dem ersten Schritt.

Wie kann Deine Arbeit oder Deine Branche dazu beitragen, die Welt nachhaltiger zu machen?

Indem wir als gutes Beispiel fungieren und Mut machen, sich auch als kleines Unternehmen und Einzelperson auf den Weg zu machen. Indem ich hartnäckig, aber sachorientiert, konstruktiv und wertschätzend „dranbleibe“, auch wenn es schwierig und konfliktbeladen wird.

Was möchtest Du jungen Menschen in Sachen Nachhaltigkeit mit auf den Weg geben?

Change the system, not the shopper – also politisch aktiv und als Wähler*in helfen, die richtigen Leitplanken für die Gesellschaft zu setzen. Auch hier gibt es „Kipppunkte“: Wenn sich genügend Akteur*innen bewegen, ziehen wir alle mit und Nachhaltigkeit wird zum neuen Standard.

Inspiriere uns – wie gestaltest Du Dein Arbeits- und Dein Privatleben umweltschonend?

Das volle Programm von mit dem Rad zur Arbeit über regionale Bio-Lebensmittel bis zur Bürgerinitiative für Windenergie vor Ort. Mein Konto ist zu einer nachhaltigen Bank umgezogen. Aber nobody is perfect, und auch ich habe größere blinde Flecken: Der alte Diesel, der meinen Pferdeanhänger zieht, das Skifahren ...

Was treibt Dich an?

Mich bewegen die Bedrohung der Natur und das immer wieder so zerbrechliche Miteinander der Menschen. Das motiviert mich jeden Tag auf’s Neue, mich für Umweltschutz und faires Miteinander im Kleinen und im Großen einzusetzen. Ich bin genauso alt wie der erste Bericht zu Grenzen des Wachstums des Club of Rome, und dass wir heute immer noch zu oft diskutieren statt handeln, ist ein Trauerspiel, mit dem ich mich nie abfinden werde.

Von welcher Positiv-Schlagzeile aus Deiner Branche zum Thema Umweltschutz träumst Du?

Sämtliche Produktionsprozesse der Textilindustrie auf 100% erneuerbare Energie umgestellt.

Futurewoman – Empowering Women in Sustainability