• Aysel Osmanoglu

    Aysel Osmanoglu

    Vorständin GLS Bank

    Finanzen
    Die Angst vor einer Zukunft, die wir fürchten, können wir nur überwinden durch Bilder von einer Zukunft, die wir wollen. (Wilhelm Ernst Barkhoff)

"Geld ist für mich kein Selbstzweck, sondern ein Mittel, um gesellschaftliche Entwicklung sozial und ökologisch zu gestalten."


Aysel Osmanoglu

 

Person

Vorständin GLS Bank

Jahrgang: 1977 | Geschäftssitz: Bochum

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Aysel Osmanoglu wurde 1977 in Bulgarien geboren. Nach dem Zusammenbruch des Ostblocks emigrierte ihre Familie 1989 in die Türkei, wo sie in Istanbul ihr Berufsabitur absolvierte. Mit 18 Jahren fasste sie den Entschluss, nach Deutschland auszuwandern. Die nächsten Stationen waren Heidelberg, wo sie Volkswirtschaftslehre studierte, und Frankfurt am Main, wo sie ein Studium der Betriebswirtschaftslehre absolvierte. Parallel zu ihrem Studium arbeitete sie ab 2002 als studentische Aushilfe bei der Ökobank, welche gerade im Begriff war, mit der GLS Bank zu fusionieren. Nach dem Abschluss des Studiums begann sie 2006 als Trainee bei der GLS Bank. Im Jahr 2013 wurde sie Bereichsleiterin der Ressorts Basisgeschäft und Marktfolge. Aysel Osmanoglu ist seit dem 1. Oktober 2017 Vorstand der GLS Bank. Sie ist verantwortlich für das Ressort Infrastruktur und IT, sowie für die Mitarbeiterentwicklung

 

THEMEN

Generationengerechtigkeit | Gendergerechtigkeit | Nachhaltige Finanzwirtschaft und Systemtransformation

 

Einsatzgebiete

Speakerin | Gast bei Diskussionsrunden | persönliche Gespräche zum Thema Systemtransformation

 

#Generationengerechtigkeit #Geschlechtergerechtigkeit #dasMachtSinn #WirtschaftNeuDenken

Interview

Was genau machst Du beruflich im Bereich der Nachhaltigkeit?

Ich bin Vorständin bei der GLS Bank. Die GLS Bank ist die erste sozial-ökologische universal Bank der Welt; uns gibt es schon seit 1974. Der Mensch mit seinen Bedürfnissen steht bei uns im Mittelpunkt. Deshalb finanzieren wir Ernährung, erneuerbare Energien, Bildung und Kultur, Wohnen, Soziales und Gesundheit sowie die nachhaltige Wirtschaft. Und wir prüfen genau, ob die Kreditnehmer*innen unsere Nachhaltigkeitskriterien erfüllen. Unser Nachhaltigkeitsverständnis haben wir in unseren Anlage- und Finanzierungsgrundsätzen festgehalten. Sie sind Entscheidungsgrundlage für unser gesamtes Investitions-, Anlage- und Kreditgeschäft.

Wie bist du dahin gekommen, wo du jetzt bist?

Ich bin in Bulgarien geboren, von wo aus ich mit 12 Jahren in die Türkei emigrierte. Dort fasste ich mit 18 den Beschluss nach Deutschland auszuwandern. Deutsch gelernt und studiert habe ich dann in Freiburg, Heidelberg und Frankfurt. 2002 habe ich bei der damaligen Ökobank als Werkstudentin angefangen, war dann Trainee in der GLS Bank und ab 2013 Bereichsleiterin für das Basisgeschäft und die Marktfolge. Seit Oktober 2017 bin ich Vorständin der GLS Bank.

Hat Nachhaltigkeit schon immer eine Rolle gespielt in Deinem Leben, oder gab es den berühmten Change?

Ja, den berühmten Change gab es bei mir während meines Studiums der Betriebswirtschaftslehre. Es ist mir bewusst geworden, dass die Gewinnmaximierung langfristig nicht haltbar ist. Die Umwelt und die gesellschaftlichen Auswirkungen wurden gänzlich ignoriert. Diese Erkenntnis hat mich wachgerüttelt.

Das Thema Nachhaltigkeit und die daraus resultierenden Nachhaltigkeitsrisiken für die Finanzwirtschaft werden immer wichtiger. Die BaFin hat Anfang 2020 ein Merkblatt zum Umgang mit Nachhaltigkeitsrisiken veröffentlicht. Schäden durch Naturkatastrophen ausgelöst durch den Klimawandel können zu einer immensen Gefahr für die Finanzmarkstabilität werden.

An welchen Punkten stößt Du, stößt Dein Unternehmen oder Deine Branche an Grenzen in der Nachhaltigkeit und wie löst Ihr diese Herausforderung?

Das BaFin Merkblatt ist nur eine Orientierungshilfe und es wird explizit darauf hingewiesen, dass es keine Prüfungsanforderungen formuliert. Für Finanzinstitute ergibt sich dennoch der akute Handlungsbedarf Nachhaltigkeitsrisiken in ihre Risikosteuerung mit einzubeziehen. Hierzu gibt es noch keinen Standard, diesen gilt es zu entwickeln und zu implementieren. Einerseits müssen die Banken also handeln, da ihre Geschäftsmodelle an Zukunftsfähigkeit verlieren, sie wissen aber andererseits nicht nach welchen Parametern und Messansätzen.

Wie kann Deine Arbeit, oder Deine Branche dazu beitragen die Welt nachhaltiger zu machen?

Mit Geld als Hebel kann die Finanzbranche eine Zukunft finanzieren, die wir wollen. Die Verantwortung Gesellschaft mitzugestalten ist in der Finanzbranche besonders hoch. Wir Banker*innen sind Ermöglicher*innen.

Was möchtest Du jungen Menschen in Sachen Nachhaltigkeit mit auf den Weg geben?

Meiner Erfahrung nach wissen die jungen Menschen sehr gut was Nachhaltigkeit bedeutet. Ich möchte lieber meiner Generation etwas auf den Weg geben: Lass uns bitte anfangen den jungen Menschen aufrichtig zuzuhören und unsere Entscheidungen im Sinne der nächsten Generation treffen.

Inspiriere uns – wie gestaltest Du Dein Arbeits- und Dein Privatleben umweltschonend?

Von vielen kleinen alltäglichen Sachen, wie beim Einkaufen auf regionale und biodynamische Lebensmittel achten, überhaupt vor Ort einkaufen oder mit dem Fahrrad zur Arbeit fahren bis hin mit dem Zug in die Türkei fahren. Vor zwei Jahren konnte ich es mir selber nicht mehr rechtfertigen mit meiner Familie in die Türkei zu meinen Eltern zu fliegen. Daher haben wir den Zug genommen – ein echtes 3-Tage langes Abendteuer.

Was treibt Dich an?

Das Thema Gender- und Generationengerechtigkeit treibt mich an. Die Wechselwirkung des Handelns zwischen Gender und Generationen trägt häufig zu einem Ungleichgewicht bei. Ich strebe an dieses Ungleichgewicht in eine Balance zu bringen – hier geht es um Inklusion, Verantwortung und eben einander zuhören und auf verschiedene Bedürfnisse eingehen.
Wenn diese Balance zu einer inneren Stimmigkeit beiträgt, glaube ich, können wir viele Probleme der Menschheit lösen.

Von welcher Positiv-Schlagzeile aus Deiner Branche zum Thema Umweltschutz träumst Du?

„Bankenbranche setzt GLS Nachhaltigkeitsverständnis als Standard.“

Portaitfoto-Credits: GLS Bank, Patrick Tiedtke

 

Futurewoman – Empowering Women in Sustainability