• Dr. Annabel Oelmann

    Dr. Annabel Oelmann

    Vorständin Verbraucherzentrale Bremen

    Neu in:ErnährungFinanzen
    Volle Kraft voraus.

"Nachhaltiger Konsum benötigt nachhaltige Produkte und Dienstleistungen."


Dr. Annabel Oelmann

 

Person

Vorständin Verbraucherzentrale Bremen

Jahrgang: 1978 | Geschäftssitz: Bremen

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Annabel Oelmann ist seit April 2016 Vorständin bei der Verbraucherzentrale Bremen. Als gefragte Interviewpartnerin, Rednerin und Moderatorin ist sie zu allen Themen im Verbraucherschutz – immer mit dem gewissen Mix aus Expertenwissen, Humor und norddeutscher Kodderschnauze – unterwegs. Mehr Informationen finden Sie unter: www.annabeloelmann.de.

 

THEMEN

Alle Themen im Verbraucherschutz, da diese immer auch eine nachhaltige Dimension haben, insbesondere: Nachhaltiges Investment | Sustainable Finance | Nachhaltige Geldanlagen und Altersvorsorge | Wie fair ist meine Bank | Nachhaltige Lebensmittel | Fairer Handel – Einkauf mit guten Gewissen | Nachhaltiger Konsum | Mein ökologischer Fußabdruck – wie kann ich im Alltag Umwelt und Klima schützen? | Label, Siegel, Prüfzeichen | Verbraucherbildung

 

Einsatzgebiete

Ob als Gesprächspartnerin für Interviews und Podcast, Rednerin oder bei Paneldiskussionen – ich mache mich immer authentisch stark für die Themen nachhaltige Geldanlagen, nachhaltiger Konsum und Verbraucherbildung.

 

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Dr. Annabel Oelmann – Futurewoman
Dr. Annabel Oelmann – Futurewoman
 

Interview

Was genau machst Du beruflich im Bereich der Nachhaltigkeit?

In der Verbraucherzentrale habe ich tagtäglich mit dem Thema Nachhaltigkeit zu tun. Egal ob Kleidung, Lebensmittel oder der Strom aus der Steckdose – Nachhaltigkeit spielt in vielen Verbraucherentscheidungen im Alltag eine wichtige Rolle. Nachhaltiger Konsum ist nur möglich, wenn auch nachhaltig produziert wird. Deshalb setze ich mich für die Einhaltung unternehmerischer Sorgfaltspflichten in globalen Lieferketten, für ein ressourcensparendes Produktdesign und verlässliche Kennzeichnung ein. Als Finanzexpertin liegt mir dabei das Thema nachhaltige Geldanlagen besonders am Herzen.

Wie bist du dahin gekommen, wo du jetzt bist?

Eine Reihe glücklicher Zufälle. Als ich Anfang 30 Führungskraft werden wollte, suchte die Verbraucherzentrale NRW als Folge der Finanzkrise Verstärkung im Bereich Verbraucherfinanzen und ich übernahm die Teamleitung. So fand ich meinen Traumjob: Ein Job, der mir viel Gestaltungsspielraum gibt. Aufdecken, anklagen, ändern. Egal, ob Verstöße gegen Datenschutz oder Irreführung bei Lebensmitteln: Wenn Verbraucherrechte von Unternehmen verletzt werden, brauchen Betroffene einen starken Partner, der öffentlichkeitswirksam und schlagkräftig für sie kämpft. Das bin ich mit Herz und Seele.

Hat Nachhaltigkeit schon immer eine Rolle gespielt in Deinem Leben oder gab es den berühmten Change?

Im privaten Konsum war Nachhaltigkeit mir schon immer wichtig und wurde es mir auch von meinen Eltern vorgelebt. Meine Tätigkeit in der Verbraucherzentrale hat diesen Blick nochmal deutlich geweitet. Im Bereich der nachhaltigen Geldanlagen gab es den Change während meiner Tätigkeit bei der Verbraucherzentrale NRW: Wir forderten, dass die staatlich geförderte Altersvorsorge Mindestkriterien im Bereich der Nachhaltigkeit erfüllen muss – das fordere ich auch noch heute. Dieses Thema hat mir ganz klar gezeigt, dass nachhaltige Finanzen von der Nische in den Mainstream gehören. Der Gesetzgeber trägt eine ordnungspolitische Mitverantwortung auf den Finanzmärkten und könnte durch Berücksichtigung von Nachhaltigkeitskriterien für staatlich geförderte Finanzprodukte den Markt positiv beeinflussen.

Wir Verbraucher tragen eine Mitverantwortung für die Sicherstellung einer nachhaltigen Entwicklung. Aber wir sind das letzte Glied in der Kette. Es bedarf einer grundlegenden sozialökologischen Transformation von Wirtschaft und Gesellschaft. Denn nachhaltiger Konsum benötigt nachhaltige Produkte und Dienstleistungen. Wir fordern deshalb die konsequente Fokussierung auf systemische und strukturelle Handlungsansätze. Verbraucherinformationen sind relevant, stoßen aber schnell an die Grenzen ihres Einflusses auf die nachhaltige Entwicklung – selbst dann, wenn sie verlässlich, verständlich und leicht verfügbar sind. Es braucht gesetzliche Regulierungsmaßnahmen, etwa in Form von Mindestanforderungen und -vorgaben für Produkte, sowie die Internalisierung externer Kosten als zwei zentrale Instrumente zur nachhaltigen Änderung der Produktionsbedingungen. Und das Ganze muss an einen sozialen Ausgleich gekoppelt werden, insbesondere für Haushalte mit geringem Einkommen.

An welchen Punkten stößt Du, stößt Dein Unternehmen oder Deine Branche an Grenzen in der Nachhaltigkeit und wie löst Ihr diese Herausforderung?

Die momentan bestehende Möglichkeit diese Kosten zu externalisieren bedeutet eine indirekte Subventionierung nicht-nachhaltiger Produkte und Dienstleistungen und stellt eine Wettbewerbsverzerrung dar.

Ich wünsche mir die Internalisierung dieser externeren Kosten als ein notwendiger und zentraler Baustein auf dem Weg zu einer nachhaltigen Entwicklung. Nach dem Verursacherprinzip müssen Hersteller von nicht nachhaltigen Produkten, deren Produktion oder deren Konsum vergleichsweise hohe Kosten für Mensch, Tier und Umwelt verursacht, entsprechend Verantwortung dafür übernehmen.

Wie kann Deine Arbeit oder Deine Branche dazu beitragen, die Welt nachhaltiger zu machen?

Uns Verbrauchern kommt auf dem Weg zur Nachhaltigkeit eine aktive und wichtige Rolle zu, denn ohne uns wird die nachhaltige Transformation nicht gelingen. Wir sind ein Erfolgsfaktor, um die Welt nachhaltiger zu machen. Ich versuche jeden Tag meinen Teil dazu beizutragen.

Was möchtest Du jungen Menschen in Sachen Nachhaltigkeit mit auf den Weg geben?

Weiter so und Danke, mit Fridays for Future seid ihr gerade die treibende Kraft – bleibt dran!

Inspiriere uns – wie gestaltest Du Dein Arbeits- und Dein Privatleben umweltschonend?

Wir haben zwei Dienstfahrräder in der Verbraucherzentrale, die wir alle für Termine nutzen können – in Bremen ist das Fahrrad meist die beste Option. Als Vegetarierin versuche ich insbesondere im Bereich Lebensmittel und Kleidung nachhaltig zu konsumieren.

Was treibt Dich an?

Die Chance, die Welt ein kleines bisschen besser zu machen.

Von welcher Positiv-Schlagzeile aus Deiner Branche zum Thema Umweltschutz träumst Du?

Nachhaltige Geldanlagen – endlich im Mainstream angekommen!

Futurewoman – Empowering Women in Sustainability