• Sara Nuru

    Sara Nuru

    Model und Mitgründerin von nuruCoffee und nuruWomen e. V.

    Es treibt mich an, etwas mit Sinn zu schaffen, etwas zurückzugeben.

Sie verschafft Frauen in Äthiopien Mikrokredite durch Fairtrade Kaffee

Sara Nuru – Jahrgang 1989 – Model und Mitgründerin von nuruCoffee und der gemeinnützigen Organisation nuruWomen e. V.

Sara Nuru. Die Sara Nuru? Ja, genau die, die 2009 Germanys Next Topmodel gewonnen hat. Die hat sich gemeinsam mit ihrer Schwester ein zweites Business aufgebaut. Weil sie sich nicht einfach zurücklehnen, sondern viel mehr etwas zurückgeben will. Und das macht sie mit Kaffee.

Erstes Treffen

Eigentlich hatten Sara Nuru und ich uns für ein Treffen in Berlin verabredet. Dann ergibt sich spontan die Möglichkeit, für eine Begegnung in Köln. Sara Nuru spricht bei einer Veranstaltung über die Gründung von nuruCoffee. Dabei ist sie entwaffnend authentisch, ehrlich, vollkommen ohne Starallüren – das Publikum liebt sie.

Ihre Heimat steht für Kaffee

Sara Nuru´s Eltern kommen aus Äthiopien. Sie war das erste Kind mit schwarzer Hautfarbe, das im Erdinger Krankenhaus in Bayern geboren wurde. Mit 19 ist sie die erste dunkelhäutige Gewinnerin von GNTM. Seitdem kennt man sie nicht nur in Erding, sondern in ganz Deutschland und auch über die Grenzen der Bundesrepublik hinweg. Model ist eben ein internationaler Beruf. Und Sara ist gefragt. Aber richtig zufrieden ist sie nicht. „Diese Beweihräucherung, dieser Hype um mich, hat mich irgendwann wirklich genervt.“

Schon oft war Sara Nuru mit ihrer Familie in Äthiopien unterwegs. Aber 2012 entsteht erstmalig der Wunsch in ihr, dem Land etwas zurück zu geben. „Auf den langen Autofahrten habe ich die Frauen und Kinder gesehen, die über viele Kilometer hinweg Wasser und Holz schleppen. Und das alles bei sengender Hitze. Die habe ich natürlich auch vorher gesehen. Aber erst in diesem Moment ist mir schlagartig bewusst geworden, wie verdammt gut es mir geht und dass ich diese Frauen unterstützen will.“

Gemeinsam mit ihrer Schwester Sali beschließt sie dazu das wichtigste Exportgut des Landes zu nutzen: Den Kaffee. Sie wollen die Bohnen aus ihrer Heimat in Deutschland verkaufen. „Wir waren blutige Anfänger und hatten überhaupt keine Ahnung. Wir sind dann mit einem Schreibblock auf Kaffeemessen gegangen und haben vermutlich ziemlich naive Fragen gestellt. Bei der Recherche ist uns schnell klar geworden: Huch, Kaffee aus Äthiopien in Deutschland verkaufen - das machen auch schon andere.“

Foto: ImmoFuch/L.O.V.
Foto: ImmoFuch/L.O.V.

Rückschlag

Es entsteht eine Phase der Frustration. Aber das Schwesternpaar funktioniert auf die gleiche Weise, wie auch sonst im Leben: Wenn eine von beiden aufgeben will, gibt die andere richtig Gas. „Wir haben uns dann einfach vor Augen gehalten, dass Burger King sich auch nicht hat abschrecken lassen, weil es Mc Donalds schon gab. Und dann haben wir angefangen. Wir wohnten ja auch praktischerweise zusammen. Und so wurde unsere WG auch zum Homeoffice.“

Dass die beiden Organic Coffee vertreiben, war eine reine Geschmacksentscheidung. Beim Coffee Tasting war der Bio Kaffee einfach der, der am besten schmeckte. Dass die Bauern anständig bezahlt werden, der Kaffee also Fairtrade ist, versteht sich für die beiden von selbst. Sie beziehen ihre Ware aus zertifizierten Kooperativen.

Jede Tasse Nuru Coffee unterstützt Frauen in Äthiopien

 
 
Foto: Rainer Kwiotek
Foto: Rainer Kwiotek

Etwas zurückzugeben an das Land ihrer Eltern war von Anfang an starker Treiber für die Schwestern. Deshalb geht ein Teil des Kaufpreises an Projekte, mit denen Frauen in Äthiopien unterstützt werden - mit Mikrokrediten, um sich eine eigene Existenz aufbauen zu können. „Ich lerne so viel von all diesen Frauen, die wir unterstützen dürfen. Und das gibt mir den Sinn, den ich im Leben brauche.“

Zum Beispiel von Almaz Gebremedene (Bild links). Vor dem Mikrokredit brach die Ehe der heute 35jährigen auseinander. Die Sorgen ums finanzielle Überleben hatten maßgeblich dazu beigetragen. Jetzt ist die junge Frau stolze Café-Besitzerin in der Kleinstadt Lalo und verdient an einem Tag mehr, als früher monatlich. Der Kleinkredit hat sie selbstbewusst gemacht und lässt sie positiv in die Zukunft blicken.

 
Fotos: ImmoFuch/L.O.V.
Fotos: ImmoFuch/L.O.V.
Sara Nuru – Futurewoman
 

Schubladendenken

Sie habe Angst gehabt, dass man sie nicht ernst nehme mit ihrem Engagement, gibt Sara Nuru ehrlich zu. „Eine eigene Modekollektion oder gar eine Schmuckkollektion wäre wohl das gewesen, was man von mir erwartet hätte. Aber genau das wollte ich nicht.“

Es geht voran

Aktuell verschicken Sara und ihre Schwester den Kaffee noch aus dem Homeoffice. Das habe den Vorteil, dass man seine Kunden kenne, sagt Sara. Aber das Unternehmen wächst und deshalb müssen neue Strukturen her. „Ich musste lernen, dass nicht direkt alles perfekt ist. Ich wollte am Anfang viel zu viel auf einmal, meine gesamten Kontakte nutzen, um zu wachsen – für die Frauen. Inzwischen weiß ich: Step by step ist ein ganz wichtiger Rat.“

Sara's Kaffeekonsum

Morgens 1-2 Tassen mit der Frenchpress zubereitet. Nach dem Dinner einen Espresso.

Futurewoman ist ein Projekt von Janine Steeger