• Santa Meyer-Nandi

    Santa Meyer-Nandi

    Gründerin des Think & Action Labs FindingSustainia

    Ich bin für Etwas – das ist leichter und macht mehr Spaß.

Immer mehr Menschen suchen nach dem Sinn in ihrem Tun – sie hilft dabei diesen Sinn zu finden.

Santa Meyer-Nandi
Gründerin des Think & Action Labs FindingSustainia
JAHRGANG 1984

 
 

WAS GENAU MACHST DU BERUFLICH IM BEREICH DER NACHHALTIGKEIT?

Ich spreche, schreibe, unterrichte und berate rund um nachhaltige Themen, der FindingSustainia Challenge Methode, wie auch zum Thema Glück, das ich als eine der Voraussetzungen für eine nachhaltigere Welt sehe. In meiner Arbeit und meinem privaten Leben verbinde ich gerne Theorie und Hintergründe mit handfesten Umsetzungsmöglichkeiten – und streue noch eine Prise Neuroplastizität, Achtsamkeits- und Glücks-Übungen mit hinein.

 
 

Wie bist Du dahin gekommen, wo Du jetzt bist?

Deutsche & Inderin – Jura & Yoga: Ich bin in Deutschland geboren, bin ursprünglich Inderin aus einer Yogi Familie und habe EU und internationales Umweltrecht studiert. Nach meinem Studium hatte ich das Bedürfnis, Kopf und Herz näher zusammenzubringen und Nachhaltigkeit konkret zu verstehen und zu leben. Mein Ziel ist seit jeher, herauszufinden, wie das gute Leben im Einklang mit unseren Ressourcen so gehen kann. Diese Erfahrungen habe ich dann versucht, so ehrlich und authentisch wie möglich zu teilen – und das hat sich ausgezahlt.

 
 

Hat Nachhaltigkeit schon immer eine Rolle gespielt in Deinem Leben, oder gab es den berühmten Change?

Als Kind hat mich meine Mutter intensiv mit Themen wie Gerechtigkeit in Berührung gebracht und ich habe schon als Schülerin in einem Eine-Welt-Laden ausgeholfen. Bei McDonalds durften wir nicht essen, „da sie die Regenwälder abholzen“. Und „Benetton lässt Kinder arbeiten“. Damals lag mein Fokus also eher auf Fairtrade. Als Studentin habe ich eine enge Familien-Freundin, „Tante“ Caroline, immer wieder auf einem Bio-Bauernhof im Frankenland besucht, und dort dann auch einem Vortrag von Percy Schmeisser zu seiner Anti-Monsanto Klage beigewohnt. Beide Erfahrungen haben mich tief bewegt – in meinem privaten Wirken und Konsum wie auch in meinem Bedürfnis, mich auch beruflich nachhaltigen Themen zu widmen.

 
 

Es gibt immer mehr Produkte, die Einweg-Produkte obsolet machen, ob nachhaltige Menstruationsprodukte, To-Go-Becher oder Beutel, mit denen ohne Verpackung eingekauft werden kann. Und immer mehr Menschen, die darauf achten. Toll finde ich auch Projekte wie „Recup“, bei denen verschiedene, stadtweite Geschäfte, die Becher auch wieder zurücknehmen. Das hätte ich gerne auch für Essenscontainer. Selbst Firmen wie L’Oréal arbeiten mit Terracycle zusammen, um an wiederverwertbaren Containern zu arbeiten und selbst die gigantische Fondgesellschaft Black Rock integriert Nachaltigkeit und soziale Aspekte in ihre Investmentstandards. Nachhaltigkeit findet also auf verschiedenen, relevanten Ebenen immer mehr Beachtung. Weiterhin merke ich auch einen allgemeinen Bewusstseins-Wandel und eine Suche nach mehr Achtsamkeit und dem Essentiellen im Leben.

Santa Meyer-Nandi – Futurewoman
Santa Meyer-Nandi – Futurewoman
Santa Meyer-Nandi – Futurewoman
 

An welchen Punkten stößt Du, stößt Dein Unternehmen oder Deine Branche an Grenzen in der Nachhaltigkeit und wie löst Ihr diese Herausforderung?

Eine große Hürde ist FOMO – the Fear of Missing out (Deutsch: Die Angst etwas zu verpassen) und der innere Schweinehund, der Wandel erst einmal per se doof finden will. „Ist mein Leben noch interessant, wenn ich wenig bis gar nicht fliege?“ „Schmeckt mir mein Brot ohne Schinken?“ „Einwegwindeln und Quetschies sind so praktisch.“ Das fängt bei Individuen an und ist in Unternehmen nicht anders. Da kommen eher so Ängste wie „Bin ich dann noch rentabel?“ Jeder hat einen anderen Schweinehund. Leider steht dieser uns und unserem Planeten sehr im Wege. In meiner Arbeit zeige ich gerne, dass es 1) nicht um ganz oder gar nicht geht, dass weniger wirklich mehr ist, 2) dass nachhaltige Umstellungen in den meisten Fällen einen Mehrgewinn bedeuten, und dass 3) der Versuch allein schon viel Spaß machen kann, wenn man ihn von Schuld entkoppelt, und den Kopf frei macht. Dabei bleiben dann automatisch ein paar nachhaltige Gewohnheiten hängen. Wertvolle Tipps, Lifehacks und meine Expertise teile ich dabei natürlich auch, damit das Ganze leichter von der Hand geht. Eins ist dabei für mich sicher: wir Menschen unterschätzen oft die Wirkung des guten Gefühls, wenn man etwas Gutes tut. Das macht glücklich. Ich lade jeden dazu ein, es mal zu versuchen.

 
 

Wie kann Deine Arbeit oder Deine Branche dazu beitragen, die Welt nachhaltiger zu machen?

Ich zeige auf, dass Nachhaltigkeit machbar und konkret ist, dass sie sogar Spaß und Mehrgewinn bedeutet. Dazu helfe ich meinen Leser*inne und Klient*innen, ihren Geist zu öffnen und sich von Vorurteilen zu befreien. Ich glaube nämlich fest daran, dass die meisten Menschen gut sind und es gut meinen. Die starken Widerstände, die wir empfinden (und zwar aufgrund der Weise, wie unser reptilisches Gehirn daran arbeitet, um uns von Gefahren fernzuhalten), machen es uns nur schwer, über unseren inneren Schweinehund hinwegzukommen.

 
 

was war der Auslöser für die Gründung?

Ich bin da mehr oder weniger rein geschlittert. Ich wollte schon immer etwas tun, das mich mit Sinn und Freude erfüllt. Früher dachte ich allerdings, das ginge nur im Ehrenamt, neben einem Job. Irgendwann habe ich mich mit dem japanischen Konzept „IKIGAI“ („Grund morgens aufzustehen") auseinander gesetzt und verstanden, dass die Energie viel besser fliesst und mein Einsatz so effizienter ist, wenn ich beides verbinden kann. Und das läuft bei mir mittlerweile gut so.

 
 

was waren die größten Hürden und wie hast Du diese gemeistert?

Dass FindingSustainia immer bekannter wurde und wir als Speaker*innen auf Veranstaltungen oder Expert*innen ins Fernsehen eingeladen wurden, kam unerwartet. Was sich dann allerdings als Hürde darstellte, war, aus dem Ehrenamt eine Erwerbstätigkeit zu machen.

Santa Meyer-Nandi – Futurewoman
Santa Meyer-Nandi – Futurewoman
Santa Meyer-Nandi – Futurewoman
 

Was möchtest Du jungen Menschen in Sachen Nachhaltigkeit mit auf den Weg geben?

Ich möchte gerne etwas Allgemeineres sagen: Ich rate, wenn ich an Unis oder Schulen unterrichte, immer zu Folgendem: Sucht Euch eine Arbeit, die Euch mit Sinn und Freude erfüllt. Der Anfang kann schwer sein und vielleicht ist die Arbeit auch nicht ganz so gut bezahlt. Gleichzeitig gibt es genug Forschungen, die immer wieder zu dem Ergebnis kommen, dass sich eine Arbeit mit Sinn und Freude sehr stark auf Glück und Gesundheit auswirken.

 
 

Inspiriere uns – wie gestaltest Du Dein Arbeits- und Dein Privatleben umweltschonend?

Ich habe bestimmte Grundsätze, an die ich mich allgemein halte und die für mich positiv und die Umwelt nachhaltig sind. Das gibt mir innere Freiheit.

Seit 2011 fliege ich nicht (mit einer Ausnahme: ein 3-monatiger Verwandtschafts-Indien-Besuch mit meiner Familie). Aufträge und Reisen mache ich entweder mit Zug, Bus oder evtl. mit der Fähre – oder gar nicht, egal wie attraktiv. Z.B. war ich mal mit dem Zug in Istanbul oder habe Interrail nach Kroatien gemacht. Bei Reisen gilt für mich das Motto: Der Weg ist das Ziel. Ich habe kein Auto und laufe oder radele viel.

Weiterhin lebe ich die meiste Zeit vegan, verpackungsarm und regional.

Ich kaufe nur, wenn es etwas wirklich nötig ist und dann folge ich der Buyer-Hierarchie, d.h. wenn es nicht reparabel ist, dann entweder gebraucht oder sonst die nachhaltigste Variante.

Ich erlaube mir hier und da mal den einen oder anderen Luxus, sei es mal eine Süßigkeit, ein Produkt tierischen Ursprungs oder indische Gewürze. Weiterhin investiere ich gerne darin, die Qualität meiner Zeit zu verbessern, ob durch Hilfe im Haushalt oder indem ich besonders schöne Zeit „konsumiere“ im Theater o.a.

Meine Kinder ticken sehr ähnlich und entscheiden sich auch bewusst für den einen oder anderen Luxus.

 
 

Was treibt Dich an?

Meine Arbeit fühlt sich meistens nicht wie Arbeit an – sie ist aktiv, divers und ich darf ständig dazulernen. Ich darf über Themen sprechen, die mich antreiben und das mit interessanten Menschen mit ganz verschiedenen Hintergründen, ob mit Corporates, Studierenden, Lehrer*innen. Ich durfte sogar mal einen Workshop zum Umwelt-Superhelden in einer 1. und 2. Klasse geben. Das hat besonders viel Spaß gemacht.

 
 

Von welcher Positiv-Schlagzeile aus Deiner Branche zum Thema Umweltschutz träumst Du?

I have a dream...

Ich träume davon, dass negative externe Effekte auf unsere Umwelt und Menschen eingepreist, und Best-Practice Modelle belohnt werden, dass das nachhaltigste Produkt gleichzeitig auch die einfachste Variante für uns ist.

Ich träume davon, dass Städte menschlicher und autofreie Stadtkerne zur Normalität werden. Dass wir lärm- und abgasfrei laufen, radeln, auf ein wunderbares öffentliches Netz wie auch auf attraktive Sharing-Modelle zugreifen können. Dass wir unsere Region mehr erkunden und dass wir mit Nachtzügen komfortabel und günstig in Europa und darüber hinaus die Welt erkunden können.

Ich träume davon, dass Kindern schon in der Schule Urvertrauen und Umweltbewusstsein beigebracht werden und lernen, dass jeder gut so ist wie er ist.

Futurewoman ist ein Projekt von Janine Steeger