• Anna Katharina Meyer

    Anna Katharina Meyer

    Mit-Gründerin des Think & Action Labs FindingSustainia

    FuturelifestyleMobilitätEnergie
    Lebe Dein Ändern. Ich jedenfalls versuche es jeden Tag.

FÜR DEN KLIMASCHUTZ STEHT SIE AUF GROSSEN BÜHNEN UND IN KLEINEN KÜCHEN.


ANNA KATHARINA MEYER

 

Person

Mit-Gründerin des Think & Action Labs FindingSustainia | Autorin | Politologin | Mit-Initiatorin von www.dieklimawette.de

Jahrgang: 1982 | Geschäftssitz: Düsseldorf

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Politologin mit MBA Renewables, derzeit Promotion zu nachhaltiger Unternehmenssteuerung an der Universität Düsseldorf, Lehrstuhl Management Accounting | 5 Jahre Beratung für die deutsche Bundesregierung (Anstellung bei der GIZ) im internationalen Klimaschutz, vornehmlich in Asien zu Emissionsminderung in der Industrie | 5 Jahre Beratung der Landesregierung NRW (Anstellung beim TüV Nord) zu Fragen der Energiewende, Fokus auf Systemintegration Erneuerbarer Energien und Speicher | Zahlreiche Vorträge, Veröffentlichungen, Podiumsteilnahmen | 2014 Beginn von monatlichen Nachhaltigkeitschallenges gemeinsam mit Santa Meyer-Nandi auf www.findingsustainia.org. | Blog wird plötzlich bekannt, u.a. UNESCO Ideen Initiative Zukunft Gewinnerprojekt, bester Nachhaltigkeitsblog Deutschlands 2018 (GLS Bank Voting) wie auch Teil des Triodos Ranking #Nachhaltige100. 

 

THEMEN

Energie- und Mobilitätswende | Nachhaltige Konsummuster | Blogging

 

Einsatzgebiete

Speakerin

 

#nachhaltigkeit #energiewende #mobilitaetswende #wohlbefinden #lessismore #innerenachhaltigkeit #challenges #zukunftskunst #sustainablelifestyle

Interview

Was genau machst Du beruflich im Bereich der Nachhaltigkeit?

Als Politologin mit einem MBA Renewables halte ich Vorträge und schreibe: über die Energie- und Mobilitätswende, über nachhaltige Konsummuster und darüber, wie jeder einzelne einen positiven Beitrag leisten kann. Ich halte politische Rahmenbedingungen für ebenso wichtig wie die Kraft jedes*jeder Einzelnen. Ich sehe uns alle als Gestalter*innen einer lebenswerten Zukunft. Nur gemeinsam können wir es schaffen! Und ganz wichtig: All das soll sich auch noch gut anfühlen!

Wie bist du dahin gekommen, wo du jetzt bist?

Mit Mut, Optimismus und einem starken Drang, die Welt ein bisschen besser zu machen. Ich habe für meine Magisterarbeit Interviews im senegalesischen Finanzministerium geführt – mit einem miserablen Französisch. Ich habe 5 Jahre lang in Asien gearbeitet und Entscheidungsträger*innen zu Möglichkeiten der Emissionsminderung in der Industrie beraten – als Berufsanfängerin. Ich habe mich mit Santa Meyer-Nandi auf einen öffentlichkeitswirksamen Selbstversuch eingelassen, der 12 Monate lang mein komplettes Leben auf den Kopf stellte – und das ohne große Planung. Aktuell promoviere ich zu Fragen der nachhaltigen Unternehmenssteuerung – mit zwei kleinen Kindern.

Hat Nachhaltigkeit schon immer eine Rolle gespielt in Deinem Leben, oder gab es den berühmten Change?

Am Deutschen Institut für Entwicklungspolitik habe ich gelernt, dass alles mit allem zusammenhängt. Durch lange Forschungsaufenthalte in Asien wurde mir bewusst, dass wir nur eine Welt haben, dass Grenzen zwischen Ländern uns ebenso einschränken wie die Grenzen in unseren Köpfen und dass es unglaublich viele wunderbare Menschen gibt, die unsere Zukunft positiv mitgestalten wollen. Prof. Dirk Messner wurde mein Vorbild in seinem Wirken gegen den Klimawandel und viele der Gestalter*innen wurden meine Freunde. Von diesem Moment an war mir klar: auch ich möchte all meine Leidenschaft, meine Stärken und meine Kompetenzen für diese gemeinsame Sache nutzen!

Die Systemintegration Erneuerbarer Energien bringt erst einmal alles durcheinander, das allzu lange als unumstößlich galt: eine zentralisierte Energieversorgung, Abhängigkeiten von Ländern mit Öl- und Gasvorkommen und eine wie selbstverständliche Ausbeutung natürlicher Ressourcen. Zudem ist die Mobilitätswende viel mehr als nur eine reine Umstellung unserer Antriebe. Wir werden in einer Welt leben, in der Individualverkehr nach Vorgestern klingt und auf ehemaligen Straßen und Parkplätzen ganz neue Quellen der Lebensqualität entstehen. Ein nachhaltiger Lebensstil wird zu genau dem, was er sein sollte: absolut erstrebenswert! Green is the new black. Außerdem setze ich darauf, dass wir unsere Arbeitskraft und unser Geld sehr viel strategischer einsetzen, um eine lebenswerte Zukunft mitzugestalten. Fragt sich, wie weit entfernt wir von dieser schönen neuen Welt sind. Mit FindingSustainia sind wir angetreten, um den Weg dorthin mitzugestalten. Die GLS-Auszeichnung zum besten Nachhaltigkeitsblog 2018 hat uns erneut motiviert, alles zu geben.

An welchen Punkten stößt Du, stößt Dein Unternehmen oder Deine Branche an Grenzen in der Nachhaltigkeit und wie löst Ihr diese Herausforderung?

Ich habe sehr oft das Gefühl, dass mein Radius zu klein ist. Dass meine Erfolge zu wenig verändern. FindingSustainia und das gesamte Team um Santa und mich hat da schon einen etwas größeren Hebel. Am liebsten würden wir alles machen. Aber immer wieder merken wir, dass jeder*jede Einzelne, jede Initiative, jede Organisation und jedes Unternehmen nur ein Puzzleteil beitragen kann zum Großprojekt „Zukunftskunst“. Auf allen Ebenen muss etwas geleistet werden. Nur gemeinsam können wir es schaffen!

Wie kann Deine Arbeit, oder Deine Branche dazu beitragen die Welt nachhaltiger zu machen?

Auf der Grundlage von politischem, technischem und ökonomischem Wissen wollen wir vor allem Lust machen auf die gute Sache. Ich bin fest davon überzeugt, dass Veränderungen nur nachhaltig sind, wenn sie sich gut anfühlen. Ich spreche in meinen Vorträgen also von der Kraft des guten Gefühls: denn diese Erkenntnis brauchen wir in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Außerdem spreche ich über meine Erfahrung, Teil einer Bewegung zu sein. Angefangen mit den Gestalter*innen in der Entwicklungszusammenarbeit, meinen Mitstreiter*innen für die Energiewende über das Familiengefühl im Think Tank 30, dem jungen Club of Rome, bis zum gemeinsamen Selbstversuch mit unseren Leser*innen von FindingSustainia. Nachhaltige Veränderungen können meiner Meinung nach nur wirken, wenn der Funke überspringt. Was wir brauchen ist mehr als eine Kopfsache.

Was war der Auslöser für die Gründung?

Sagte ich bereits, dass wir es nur gemeinsam schaffen können? FindingSustainia ist genau das für mich: eine Plattform, um das umzusetzen, was ich alleine nie geschafft hätte.

Was waren die größten Hürden und wie hast Du diese gemeistert?

Um authentisch und unabhängig zu sein, verzichten wir auf Werbung und sprechen uns entschieden gegen jede Art der Einflussnahme aus. Aktuell versuchen wir Wege zu finden, um das Ganze auch parallel von Einnahmen aus Vorträgen finanziell tragfähig zu machen. Wir sind fest davon überzeugt, dass wir mit FindingSustainia noch so viel mehr erreichen könnten, wenn wir unser Team und unsere Einnahmebasis vergrößern würden. Alle, die eine Idee haben, wie sie sich einbringen könnten (ob mit Fotos, Texten, Fundraising oder Fleißarbeit) sind herzlich willkommen!

Was möchtest Du jungen Menschen in Sachen Nachhaltigkeit mit auf den Weg geben?

Think sustainability first. Genau das versuche ich auch. Bei so ziemlich allem, was ich tue. Ob es um mein Wahlverhalten, meinen Einkauf, meine berufliche Tätigkeit, etc. geht. Außerdem ist mir wichtig zu sagen, dass ich nicht daran glaube, dass sich „die Jugend“ nicht für Politik und ähnliches interessiert. In meinen Augen ist nur das, was wir sehen, eine sehr beschränkte Version von Politik. Ich sehe als Politologin das Politische in so vielen Lebensbereichen und ich sehe es in allen Farben. Junge Menschen sind dafür prädestiniert ihrer Kreativität freien Lauf zu lassen, um uns alle mit neuen Ideen mitzureißen. Bei Vorträgen an Schulen mache ich deutlich, dass ich den Jugendlichen alles zutraue!

Inspiriere uns – wie gestaltest Du Dein Arbeits- und Dein Privatleben umweltschonend?

Unterwegs bin ich mit unserem Lastenfahrrad, unserem Elektroauto oder mit der Bahn. Ich frage mich bei jeder Konsumentscheidung zuerst: Muss ich das haben, gibt es vielleicht eine nachhaltigere Alternative? Zeit statt Zeug ist auch so eine Maxime, die mir gefällt. Und beim Essen: Je näher ich an mein veganes Ideal komme, umso glücklicher macht es mich. Klar ist, dass es auch in meinem Leben jede Menge Baustellen gibt. Aber hey, auf Baustellen wird gearbeitet und ich komme meinen Zielen jeden Tag näher.

FindingSustainia hat den sogenannten Mix and Match-Ansatz geprägt: Aus unserer Sicht schadet es der ökologische Bilanz kaum, wenn wir uns zum Geburtstag ein Stück Fleisch oder eine Flugmango gönnen. Wichtig ist, was wir im Alltag tuen. Und da setze ich auf die Kraft guter Gewohnheiten. Ich denke nicht in Schubladen wie „Veganer“, etc. Mein nachhaltiger Lebensstil mag ganz anders aussehen als der einer anderen Person. Wichtig ist, dass wir diejenigen Verhaltensänderungen, die sich gut anfühlen weiter und weiter ausbauen. Und was fühlt sich gut an? Nachhaltiger Konsum in all seinen bunten Facetten natürlich.

Was treibt Dich an?

Zum einen mein Wissen über die globalen Konsequenzen unseres Handelns zusammen mit der Erfahrung, dass die Welt voller Lösungsmöglichkeiten ist. Wissen und Erfahrungen lassen sich nicht einfach wieder auslöschen. Zum anderen das gute Gefühl, Teil einer Bewegung zu sein. Danke, dass ich mich jeden Tag mit so megatollen Menschen umgeben darf!

Von welcher Positiv-Schlagzeile aus Deiner Branche zum Thema Umweltschutz träumst Du?

Wovon ich ganz persönlich träume? Von emissionsfreiem Flugverkehr. Ich habe viel von der Welt gesehen und es hat mein Leben so unendlich bereichert. Ich habe Freunde in vielen, vielen Ländern und ich wünsche mir, dass wir uns alle viel öfter sehen können. Seit der Gründung von FindingSustainia bin ich nur noch zweimal geflogen und natürlich versuche ich mir und anderen Lust auf Micro-Adventures im heimischen Wald zu machen, aber in meinem Träumen bin ich dann doch öfter mal etwas weiter weg.

Für unsere Welt wünsche ich mir die Schlagzeile: Wieder ein Jahr ohne Earth Overshoot Day!

Futurewoman – Empowering Women in Sustainability