• Annette Mann

    Annette Mann

    Leiterin Corporate Responsibility Lufthansa Group

    Neu in:Mobilität & Transport
    Die meisten Branchen stehen noch ganz am Anfang, Konsument:innen mit auf die Nachhaltigkeitreise zu nehmen!

Sie treibt die Dekarbonisierung der Lufthansa voran


Annette Mann

 

Person

Leiterin Corporate Responsibility Lufthansa Group

Jahrgang: 1977 | Geschäftssitz: Frankfurt am Main

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Annette Mann ist Quereinsteigerin im Bereich Nachhaltigkeit und hat Anfang 2021 die große Aufgabe übernommen, die Dekarbonisierung der Lufthansa Group voranzutreiben.

Nach ihrem wirtschaftswissenschaftlichen Studium in Passau & Eichstätt-Ingolstadt startete sie ihre berufliche Laufbahn im internationalen Trainee Programm der Lufthansa Group. Seitdem war sie in vielen verschiedenen Positionen bei Lufthansa und SWISS mit den Schwerpunkten Produktentwicklung, Vertrieb und Strategie tätig. Seit Anfang 2021 verantwortet sie die Nachhaltigkeits-Strategie sowie die Umsetzung der Klimamaßnahmen der Lufthansa Group. Als erfahrene Managerin und Netzwerkerin führt sie ein Team aus Nachhaltigkeitsspezialisten sowie eine funktions- und konzernübergreifende Community aus Führungskräften auf dem Weg zum klimafreundlichen Fliegen.

Annette Mann berichtet in dieser Rolle direkt an die Konzernvorständin Christina Foerster, gehört dem „Group Leadership Team“ der Top 50 Führungskräfte des Konzerns an und engagiert sich in der Initiative „Leadership Next Level“ zur Weiterentwicklung der Führungskultur. Sie ist außerdem Beiratsvorsitzende der gemeinnützigen Gesellschaft „help alliance“, Mitglied im Aufsichtsrat der Lufthansa CityLine sowie Beirat in der Schweizer Luftfahrtstiftung.

 

THEMEN

Nachhaltiges Fliegen | Zukunft des Fliegens | Nachhaltige Produktentwicklung | Circularity | Corporate Citizenship & Corporate Volunteering | Leadership & Collaboration

 

Einsatzgebiete

Speakerin | Nachhaltigkeitsbeirätin | Panels, Podcasts, Interviews, Workshops | Beratung wie man auch heute schon als Privatperson oder Unternehmen CO2-neutral fliegen kann

 

#nachhaltigfliegen #customercentricity #faktormensch #sustainableaviation #makechangefly

Interview

Was genau machst Du beruflich im Bereich der Nachhaltigkeit?

Ich entwickle gemeinsam mit einem konzernübergreifenden Team die langfristige Nachhaltigkeitsstrategie der Lufthansa Group. Wir haben uns ehrgeizige Klimaziele gesetzt, jetzt arbeiten wir daran, den Lösungs-Mix konsequent umzusetzen. Dazu gehört neben den technologischen Ansätzen auch der Faktor Mensch und die Frage, wie wir unsere Mitarbeitenden und Kund:innen mit auf die Nachhaltigkeits-Reise nehmen können.

Wie bist du dahin gekommen, wo du jetzt bist?

Ich bin Quereinsteigerin im Bereich Nachhaltigkeit, und tatsächlich wäre ich deswegen selbst nie auf die Idee gekommen, mich auf diese Rolle zu bewerben – ich hätte aus meiner Perspektive wenig anzubieten gehabt. Typisch Frau eben :-).

Inzwischen ist mir aber klar geworden, dass mein Mix aus General Management Erfahrung, großem Netzwerk und Kundenzentrierung zum jetzigen Zeitpunkt sehr gut passt, um das Thema Nachhaltigkeit aus der Expertenecke zu holen und tief in allen Funktionen unseres Kerngeschäfts zu verankern sowie neue Partnerschaften zu entwickeln. Nur so können wir ehrgeizige Klimaziele erreichen.

Hat Nachhaltigkeit schon immer eine Rolle gespielt in Deinem Leben oder gab es den berühmten Change?

Weder noch. Ich habe zwar die wissenschaftliche Diskussion zunehmend nachdenklich verfolgt und bin als Taucherin und Seglerin sensibel was Umweltverschmutzung und Ressourcenverbrauch angeht. Aber im beruflichen Kontext habe ich mich von der „Nachhaltigkeitsszene“ eher fern gehalten – mit einigen Ausnahmen war mir das lange Zeit zu viel Mix aus Ideologie, Naivität und teilweise auch Unehrlichkeit. Ich würde daher sagen, ich habe mich kontinuierlich entwickelt zum Typ „rationale Überzeugungstäterin“. Damit fühle ich mich sehr wohl und meine jetzige Rolle ist für mich auch definitiv mehr als „just another job“.

Mehr als 99% unseres direkten Footprints fallen durch das Verbrennen von Kerosin beim Fliegen an. Entsprechend geht es bei uns um „Reduzieren“ durch den Einsatz von möglichst effizienter Flugzeuge und optimierte Flugrouten.

Der wichtigste Hebel wird allerdings „Ersetzen“ sein: mit sogenannten „Sustainable Aviation Fuels“ (SAF) bzw. „grünem Kerosin“ können wir bis zu 90% weniger CO2 ausstoßen. Leider sind die verfügbaren Mengen noch sehr klein, so dass klimafreundliches Fliegen zwar für immer mehr Einzelkunden schon klappt, aber bezogen auf die gesamte Industrie noch riesige Investitionen erfordert.

Immerhin: auch wenn der 19,95€ Wochenend-Trip nach Mallorca wohl Geschichte sein wird, CO2 neutrales Fliegen ist keine Fantasie, sondern technisch möglich und es geht jetzt im Prinzip „nur“ noch ums Geld. Darüber hinaus hoffen wir, dass zumindest auf Kurz- und Mittelstrecken das Fliegen mit Wasserstoff in ca. 15-20 Jahre eine echte Alternative wird.

An welchen Punkten stößt Du, stößt Dein Unternehmen oder Deine Branche an Grenzen in der Nachhaltigkeit und wie löst Ihr diese Herausforderung?

Ich spüre an allen Ecken Aufbruchstimmung und den echten Willen etwas zu verändern. Das ist im Prinzip großartig, aber führt auch häufig zu wenig zielführendem Aktionismus. Da hilft nur, sich immer wieder auf die großen Hebel zu konzentrieren.

Persönlich herausfordernd finde ich, dass es oft ein riesen Spagat ist, wichtige Maßnahmen wie zum Beispiel die geplante EU Beimischquote für grünes Kerosin zu unterstützen, aber auch regelmäßig sagen zu müssen „Achtung – Carbon Leakage“ oder „Achtung – Wettbewerbsverzerrung“.

Fliegen wird mit hoher Wahrscheinlichkeit in Zukunft teurer. Das ist im Prinzip auch richtig, Flugpreise sollen ja die ehrlichen Kosten von CO2 Emissionen abbilden. Das wird nur immer dann problematisch, wenn im Langstreckenverkehr nicht gleiche Regeln für alle gelten. Falls Kunden zukünftig in Istanbul oder im Mittleren Osten umsteigen, weil sich Tickets europäischer Airlines nach Asien durch EU Regulierung um dreistellige Beträge verteuern, hilft dies dem Klima nicht und schwächt gleichzeitig unsere Finanzkraft. Die brauchen wir aber dringend, um die anstehenden großen Investitionen tätigen zu können.

Mein Weg hier ist, sauber und differenziert zu argumentieren und gleichzeitig Lösungsoptionen vorzuschlagen, ohne dabei den Anspruch an Klimaschutz zu verwässern. Inhaltlich ist das auch gar nicht so schwierig, aber als Industrievertreterin werden einem schnell „Lobbyismus“ und potentielle „Tricks“ unterstellt. Da hilft wahrscheinlich nur, dass ich hartnäckig bleibe und mir über die Zeit noch mehr Vertrauen erarbeite.

Wie kann Deine Arbeit oder Deine Branche dazu beitragen, die Welt nachhaltiger zu machen?

Das Bedürfnis zu reisen steckt tief in uns Menschen – seit Jahrtausenden. Heute tragen Flugreisen ca. 3% zum globalen CO2 Ausstoß bei. Ich helfe mit, das zu reduzieren und eines Tages CO2-neutrales Fliegen im großen Maßstab möglich zu machen. Zukünftige Generationen sollen nicht verzichten müssen.

Was möchtest Du jungen Menschen in Sachen Nachhaltigkeit mit auf den Weg geben?

Entscheidet Euch für ein naturwissenschaftliches oder technisches Studium, lernt die großen Zusammenhänge und Hebel im Klimaschutz wirklich zu verstehen! Damit könnt Ihr dann in Eurem Berufsleben die wirklich großen Themen anpacken. Schwätzer gibt’s schon genug :-).

Inspiriere uns – wie gestaltest Du Dein Arbeits- und Dein Privatleben umweltschonend?

Ich versuche bewusst, mein Verhalten als Konsumentin besser zu verstehen, daraus eigene Veränderungen umzusetzen und gleichzeitig Erkenntnisse für meine berufliche Rolle zu gewinnen. Denn ich bin total überzeugt: noch viel zu oft führen wir mit dem pauschalen Ruf nach „Verzicht“ oder „kauf doch Qualität“ eine moralisch-elitäre Diskussion innerhalb einer sehr kleinen Wohlstands-Bubble. Sich nachhaltig zu verhalten und für nachhaltige Produkte & Services mehr Geld auszugeben muss mehr als nur Moral ansprechen.

Ein konkretes Beispiel: Wenn ich meine Flüge kompensiere, probiere ich verschiedene Optionen, um zu verstehen, wie sie psychologisch und kommunikativ aufgebaut sind. Ich habe also Accounts bei verschiedenen Offsetting Anbietern mit größeren Projektportfolios, aber ich kaufe auch mal gezielt Mangroven über die Projektseite von Boris Herrmann, habe einen kleinen Wald bei „Treedom“ und beschäftige mich gerade mit Seetang Projekten.

Mit welcher Lösung kann ich mich warum am besten identifizieren? Welcher Option vertraue ich am meisten? Und wann fällt es mir leicht, aufs Knöpfchen zu drücken und auch mal substantiell mehr Geld für Nachhaltigkeit auszugeben?

Man kann sich auch selbst beim Einkaufen, Online Shoppen etc. beobachten und dabei viel über sich selbst und potentielle Konsumenten-Lösungen für die Zukunft lernen!

Was treibt Dich an?

Ich würde niemals meine vielen tollen Reisen missen wollen, meine Auslandsaufenthalte, meine Freundschaften, die ich dabei weltweit geschlossen habe. Dass ich jetzt dazu beitragen kann, genau das auch für zukünftige Generationen zu erhalten, ist ein ziemlich guter Grund morgens aufzustehen.

Von welcher Positiv-Schlagzeile aus Deiner Branche zum Thema Umweltschutz träumst Du?

„Greta begeistert nach dem erstem Flug ihres Lebens – natürlich klimaneutral.“

Futurewoman – Empowering Women in Sustainability