Sie macht IT grün

Nele Kammlott (Lübberstedt) – Jahrgang 1984 – Geschäftsführerin kaneo GmbH

Es klingt nahezu unmöglich. Nele Kammlott (Lübberstedt) sagt: IT geht auch nachhaltig. Und nicht nur das. Grüne IT sei sogar ökonomisch absolut sinnvoll. Oft könne man die Hälfte der Leistungskapazität und der Ressourcen einsparen, bei gleichbleibender Qualität.

Schon in der Schule als Weltverbesserin bekannt

Verantwortungsbewusst und Ressourcen schonend zu handeln, darum ging es Nele Kammlott (Lübberstedt) schon früh. Ihren Mitschülern blieb das nicht verborgen. Als es um die berufliche Orientierung ging, sagten die Klassenkameraden zu ihr "Du wirst schon das richtige finden, um die Welt besser zu machen."

Einige Jahre später hat Nele Kammlott (Lübberstedt) einen unbefristeten Job als Qualitätsmanagerin in der Luft- und Raumfahrtindustrie. Eigentlich eine super Festanstellung. Aber sie will etwas anderes. Also hängt sie ihren Job an den Nagel, beginnt ein berufsbegleitendes Studium im Nachhaltigkeits- und Qualitätsmanagement. Tagsüber arbeitet sie im eCommerce im Quality Management. Ihre Masterthesis verfasst sie über Nachhaltige IT-Infrastruktur und will ihre Erkenntnisse künftig auch praktisch anwenden. Gemeinsam mit ihrem Partner gründet sie kaneo.

Wie macht man IT grün?

"Unser Ansatz ist es soviel IT-Equipment wie nötig und so wenig wie möglich zu verwenden. Uns geht es nicht nur darum, Energieverbräuche im Betrieb von Servern und Computern zu senken. Wir minimieren auch die benötigte Hardware. Dabei setzen wir einerseits auf kleine und effiziente Hardware und andererseits auf unsere besonderen Green-IT-Konzepte, die es ermöglichen eine IT-Architektur aufzubauen, die IT sicher, angenehm und zukunftsfähig macht. Zusätzlich integrieren wir ein Lifecycle Management und eine nachhaltige IT-Beschaffung, was die Umweltbelastungen durch die Umsetzung von Green IT ebenfalls minimiert. Für IT-Technik, die direkt mit dem Anwender in Berührung kommt, achten wir auf schadstoffarme Produkte, soziale Kriterien und berücksichtigen Gütesiegel."

Unglaubliches Einsparpotenzial

Es klingt unglaublich: 50% des Datenvolumens lassen sich so einsparen und bis zu 65% der benötigten Rechenleistung. Nele Kammlott (Lübberstedt) erklärt, dass das durch die konsequente Virtualisierung von Servern und Netzwerk funktioniert sowie die Optimierung der Kühlung, schlankere Server-Hardware und die Restrukturierung von Daten und IT-Prozessen. Und auf Qualität oder neue Funktionen müsse niemand verzichten.

"Zusätzlich reduzieren wir durchschnittlich mindestens 50% der verwendeten Hardware und setzen kleinere Hardware im Serverbereich ein. Das reduziert den Einsatz an benötigten Ressourcen in Form von Metallen, Plastik und dafür benötigten Energiebedarf und wirkt sich auch ganz direkt auf die wirtschaftlichen Investitionen aus."

Digitalisierung und Arbeit – Podium UnternehmensGrün
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Entwicklung von Green-IT-Konzepten
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Große Ziele treiben sie an

Das Angebot von Nele Kammlott (Lübberstedt) richtet sich an Unternehmen in jeder Größenordnung. Und da ihre Zielgruppe so groß ist, hofft sie auch möglichst viel erreichen zu können.

"Ich will eine echte Veränderung. Ich will eine Wende in der Wirtschaft und ein Umdenken in den Köpfen. Von unserer eigenen Datensammelwut und dem Ressourcenhunger der IT getrieben, verwenden wir privat und beruflich bedenkenlos immer mehr und immer kürzer alle möglichen Arten von Hardware: Laptops, Smartphones, Tablets. Wie viele wertvolle Rohstoffe in dieser Technik eigentlich wirklich stecken, welche Unmengen an Energie für die Herstellung benötigt wird, ob ich das Gerät reparieren, aufrüsten oder sehr lange verwenden kann, ist uns oft nicht bewusst. Die große Ungerechtigkeit und lebensbedrohlichen Umstände, unter denen Kinder und Menschen diese Geräte für uns fertigen, verdrängen wir.“

Tipps für grüne Gründer

Wer noch alleine arbeitet, sagt Nele Kammlott (Lübberstedt), komme ja meist mit einem Laptop, den üblichen Programmen und einer Website aus. Sie rät dringend davon ab, Anwendungen zu nutzen, bei der die Daten in irgendeiner Cloud gespeichert werden. Es gebe sehr gute Alternativen. Ansonsten gilt: Vor der Anschaffung von Software oder Hardware prüfen, wie lange man die Technik nutzen kann, ob es Schnittstellen gibt und was man weiterverwenden kann, wenn die Anforderungen sich verändern. Hardware sollte besser gebraucht gekauft werden und dafür professionell. Insgesamt sollten die Themen Sicherheit, Datenhoheit und Langlebigkeit für EinzelkämpferInnen Priorität haben.

Rollendenken muss sich verändern

Nele Kammlott (Lübberstedt) wünscht allen Frauen, dass sie sich selbst mehr zutrauen und Skepsis anderer nicht zwangsläufig persönlich nehmen. Vor allem in vermeintlichen Männerbranchen wie der ihren. "Ich bin auf Veranstaltungen nicht selten die einzige oder eine der wenigen Frauen. Ich tausche mich ganz bewusst mit Männern aus, mir geht es um das Inhaltliche. Ich habe den Eindruck, je selbstverständlicher ich als Frau anwesend bin und je weniger ich es auch für mich selbst thematisiere, dass ich eine Frau bin, desto selbstverständlicher ist es auch für die Männer."

Futurewoman ist ein Projekt von Janine Steeger