• Jasmin Kirst

    Jasmin Kirst

    Gründerin von nordery.com

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    Love it, change it or leave it!

Sie verleiht den „No-Return-Award“ und sagt: Nachhaltigkeit und Konsum schließen sich nicht aus

Jasmin Kirst
Gründerin von nordery.com
JAHRGANG 1981

 
 

WAS GENAU MACHST DU BERUFLICH IM BEREICH DER NACHHALTIGKEIT?

Ich habe mit nordery.com eine Plattform aufgebaut, die Inspiration für nachhaltiges Wohnen & Leben bietet und dazu die passenden Produkte im nordisch-skandinavischen Designstil anbietet.

 
 

Wie bist Du dahin gekommen, wo Du jetzt bist?

Ich habe mich lange mit dem Gedanken herumgetragen, etwas Eigenes auf die Beine zu stellen. Nachdem ich 12 Jahre lang als festangestellte Marketingexpertin anderen Unternehmen dabei geholfen habe, ihr Business voranzutreiben, habe ich nun das Gefühl gehabt, dass der richtige Zeitpunkt gekommen ist, mein eigenes Unternehmen zu gründen. Anfang 2019 habe ich meinen Job gekündigt und mich an die Planung von nordery gemacht.

 
 

Hat Nachhaltigkeit schon immer eine Rolle gespielt in Deinem Leben, oder gab es den berühmten Change?

Ich muss ehrlich zugeben, dass ich mich bis vor etwa zwei Jahren nicht wirklich groß mit dem Thema Nachhaltigkeit auseinandergesetzt habe. Auf einer Weltreise habe ich die Unmengen an Müll und Plastik wahrgenommen, das hat mich sehr zum Nachdenken gebracht. Ich habe mich dann immer mehr mit dem Thema Müllvermeidung und einem nachhaltigeren Leben auseinandergesetzt.

 
 

Ein großer Trend in der Möbelbranche ist sicherlich das Thema Recycling, ressourcenschonende Produktion und der Einsatz umweltfreundlicher Materialien. Viele Unternehmen setzen auf recyceltes oder Bio-Plastik oder auf die Verwertung von Resten, die für die Produktion von neuen Produkten eingesetzt werden.

Einige Anbieter setzen auf das Prinzip "Sharing is Caring", d.h. Möbel oder die komplette Wohnungseinrichtung können für eine bestimmte Zeit gemietet werden und gehen danach wieder in den Verwertungskreislauf zurück. Allerdings ist die Akzeptanz im Markt noch relativ gering, sodass die ersten Anbieter leider schon wieder aufgeben mussten.

Auch ist das Thema "Veganes Interior" aktuell ein großer Trend. Hier wird sicherlich in nächster Zeit viel passieren.

 
 

An welchen Punkten stößt Du, stößt Dein Unternehmen oder Deine Branche an Grenzen in der Nachhaltigkeit und wie löst Ihr diese Herausforderung?

Online-Shopping an sich ist leider nicht unbedingt nachhaltig, auch wenn wir bei nordery klimaneutralen Versand anbieten. Ein großes Problem sind allerdings die Retouren. Jedes sechste Paket geht zurück, im Bereich Schuhe und Mode sind es sogar mehr als 80%, die retourniert werden. Allein in Deutschland werden pro Jahr etwa 280 Millionen Pakete retourniert. Die Rücksendungen verursachen so viel Klimagift wie 2.200 Autofahrten von Hamburg nach Moskau – und das jeden Tag!

Eine kostenlose Rücksendung, wie es der Großteil der Online-Shops anbietet, habe ich ganz bewusst vermeiden wollen, um dafür zu sensibilisieren, dass jede Retour enorme Belastungen für die Umwelt und zusätzliche Kosten bedeutet.

Weiterhin sind recycelbare Versandmaterialien sowie die Vermeidung von Plastikmüll elementare Ansätze, die nordery im Bereich Nachhaltigkeit verfolgt. Mit dem selbst initiierten "No Return Award" z. B. soll das umweltbewusste Handeln der Käufer belohnt und zukünftig auch Umwelt- und Spendenaktionen unterstützt werden. Zudem gibt der Blog viele Tipps und Hilfestellungen für eine nachhaltige Lebensweise. Zukünftig sollen umweltfreundliche Versandalternativen, wie z. B. die Zustellung mittels E-Bikes oder Click & Collect optional angeboten werden können.

Mein Anliegen ist es, für ein bewussteres Konsumverhalten zu sorgen und unüberlegte Impulskäufe zu verhindern – gemäß dem Prinzip "Think twice – buy consciously".

 
 

Wie kann Deine Arbeit oder Deine Branche dazu beitragen, die Welt nachhaltiger zu machen?

Den Trend zum Online-Shopping können wir nicht aufhalten und möchten wir auch nicht, weil wir darin auch viel Potenzial sehen. Wir möchten vielmehr Bewusstsein und Impulse für eine nachhaltigere Lebensweise schaffen und einen wertvollen Beitrag für einen umweltfreundlichen Online-Konsum leisten.
Dies erreichen wir aus unserer Sicht, indem wir zum einen ausschließlich Produkte anbieten, die langlebig und nachhaltig sind sowie Transparenz über deren Herkunft und Produktion liefern. Und zum anderen gestalten wir den gesamten Prozess des Kaufens nachhaltiger und schaffen für den Kunden Anreize, Rücksendungen zu vermeiden und etwas Gutes für die Umwelt zu tun.

Jasmin Kirst – Futurewoman
Jasmin Kirst – Futurewoman
 

was war der Auslöser für die Gründung?

Ich habe schon länger mit dem Gedanken gespielt, mich beruflich neu zu orientieren, aber nie so richtig die passende Idee und Motivation gehabt, mich selbständig zu machen. Bei einer Reise durch einige nordische Länder im Jahr 2018 habe ich viele Marken und Produkte entdeckt, die einen nachhaltigen Ansatz verfolgen und die es bei uns nicht oder nur bedingt zu kaufen gibt. Schnell stand fest, dass ich diese tollen Labels und Produkte auch nach Deutschland bringen möchte. Anfang 2019 habe ich dann den Entschluss gefasst, alles auf eine Karte zu setzen, meinen Job gekündigt und mich an die Planung des Online-Shops gemacht.

 
 

was waren die größten Hürden und wie hast Du diese gemeistert?

Für mich war die erste Herausforderung, zu definieren, welche Kriterien im Bereich Nachhaltigkeit wichtig sind und hinter welchen ich persönlich auch voll und ganz stehe. Es ist nicht glaubwürdig, ein nachhaltiges Business aufzubauen, wenn ich selbst nicht diese Werte leben kann oder möchte.

Die zweite große Herausforderung war es, im Bereich Logistik und Versand nachhaltige Alternativen zu finden und abzuwägen, welche für mich als Gründerin vertretbar und erschwinglich sind.

 
 

Was möchtest Du jungen Menschen in Sachen Nachhaltigkeit mit auf den Weg geben?

Einfach sofort starten und mit kleinen Veränderungen beginnen. Das kann der Verzicht auf den täglichen Coffee-To-Go Becher sein oder auf die Plastiktüte am Obst- und Gemüsestand. Nach und nach entdeckt man dann immer mehr Alternativen, die schon viel bewirken können und Ausgangsbasis für eine nachhaltigere Lebensweise sind.

 
 

Inspiriere uns – wie gestaltest Du Dein Arbeits- und Dein Privatleben umweltschonend?

Auch ich stehe noch relativ am Anfang und versuche meine Lebensweise mit kleinen Schritten stetig nachhaltiger zu gestalten.

Im Privatleben habe ich größtenteils auf Naturkosmetik oder plastikfreie Alternativen umgestellt – Reinigungs- und Waschmittel stelle ich z.T. selbst her. Ich versuche möglichst viel Fahrrad zu fahren oder die öffentlichen Verkehrsmittel zu benutzen. Ich habe mein Konsumverhalten deutlich reduziert und achte nun viel mehr auf nachhaltige Produkte und Fair Fashion. Schon allein der Verzicht auf meinen täglichen Kaugummi ist umweltschonend, da mir gar nicht wirklich bewusst war, dass ich auf Plastik herumkaue, das sich frühestens nach 5 Jahren zersetzt. Vor zwei Jahren habe ich das Rauchen aufgehört und erst danach erfahren, dass die giftigen Stoffe in den Zigarettenstummeln in das Grundwasser gelangen können und für den Tabakanbau ganze Wälder gerodet werden.

Im Arbeitsleben achte ich darauf, Geschäftsreisen weitestgehend mit der Bahn zu erledigen. Meinen Stromvertrag habe ich auf Öko-Strom umgestellt.

 
 

Was treibt Dich an?

Mich treibt der Gedanke an, dass wir gemeinsam Großes bewirken können, wenn jeder seinen kleinen Beitrag dazu leistet und versucht, sein Leben nachhaltiger zu gestalten.

 
 

Von welcher Positiv-Schlagzeile aus Deiner Branche zum Thema Umweltschutz träumst Du?

"Heute ist der Tag, an dem wir das Klimaziel erreicht haben und mehr CO2 einsparen, als wir produzieren!"

Futurewoman ist ein Projekt von Janine Steeger