Sie macht die Eventbranche zukunftsfähig


Kerstin Hoffmann-Wagner

 

Person

Gründerin u. Inhaberin von KERSTIN HOFFMANN-WAGNER | Eventberatung und Training

Jahrgang: 1970 | Geschäftssitz: Mühlheim am Main

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Kerstin Hoffmann-Wagner ist seit 2000 im Eventbereich tätig. Bis 2012 arbeitete sie als Senior-Referentin und Projektleiterin für Events in einem großen Finanzunternehmen. Seit 2012 ist die studierte Kulturmanagerin als selbstständige Eventstrategin, zertifizierte Trainerin, Bloggerin, Speakerin und Buchautorin tätig. Zudem hat sie sich zur Nachhaltigkeitsberaterin für die Eventbranche und Social-Media-Expertin weitergebildet. Sie berät, coacht und trainiert Unternehmen bei ihren Aktivitäten im Bereich Event- und Messeplanung. Schwerpunkte ihrer Arbeit sind Social Media in der Eventkommunikation, Krisenmanagement für Events sowie Inklusion und Barrierefreiheit für Events und Messen. Seit 2017 setzt sie sich für eine stärkere Vernetzung weiblicher Eventprofessionals in Deutschland ein und hat dafür die Facebook-Gruppe Women In Events gegründet. Damit setzt sie ein Zeichen für mehr Sichtbarkeit von Frauen in der Eventbranche und generell auf Bühnen.

 

THEMEN

Nachhaltigkeit in der Veranstaltungsbranche | Inklusion und Barrierefreiheit im Eventbereich | Frauen auf die Bühne | Female Empowerment/Netzwerken

 

Einsatzgebiete

Speakerin | Trainerin für Seminare u. Workshops | Gast bei Diskussionsrunden | Moderation

 

#Eventprofs #SocialMedia #Sustainability #Inklusion #FemaleEmpowerment #Diversität

Foto: Businessfotografie Winkelmann
Foto: Businessfotografie Winkelmann
Foto: Sabine Antonius
Foto: Sabine Antonius
 

Interview

Was genau machst Du beruflich im Bereich der Nachhaltigkeit?

Als Eventberaterin und Trainerin begleite ich professionelle Veranstalter dabei, ihre Eventkonzepte zeitgemäß und zukunftsgerichtet auszurichten. Als Nachhaltigkeitsberaterin für die Eventbranche und Expertin für barrierefreie Events und Messen zeige ich Kund*innen, aber auch meinen Teilnehmenden in Seminaren, wie sie diese Transformation in ihre Eventplanung einbinden und alle Schritte auf diverse, nachhaltige und inklusive Veranstaltungen ausrichten.

Wie bist du dahin gekommen, wo du jetzt bist?

Mit Nachhaltigkeit in der Veranstaltungsplanung habe ich mich schon seit vielen Jahren beschäftigt – erst ganz selbstverständlich und ganz praktisch, ohne dass man damals schon den Begriff "nachhaltig" für unser Tun verwendet hätte. Schon Anfang der 2000er Jahre haben wir im Eventbereich mit der
örtlichen Tafel gearbeitet, als sie viele noch gar nicht kannten. 

Es hat sich dann einfach weiter entwickelt, was sich entwickeln musste. Mit meiner Weiterbildung zur Nachhaltigkeitsberaterin habe ich dann das Fundament für meine Ausrichtung gelegt. Für mich war vor allem der soziale Aspekt der Nachhaltigkeit besonders spannend und so habe ich 2015 eine zusätzliche Spezialisierung hin zu den Themen Inklusion und Barrierefreiheit gefunden.

Hat Nachhaltigkeit schon immer eine Rolle gespielt in Deinem Leben, oder gab es den berühmten Change?

Ich bin ein Kind der 70er Jahre und bin von meinen Eltern ganz selbstverständlich umweltbewusst erzogen worden. Für die damalige Zeit noch gar nicht so üblich. Die Umwelt zu schützen, Müll zu vermeiden, sparsam zu sein, war bei uns kein Dogma, sondern eine Lebenseinstellung, obwohl meine Eltern alles andere als Hippies waren.

Genauso selbstverständlich war es übrigens für mich, schon als Kind Kontakt zu Menschen mit Behinderung zu haben im familiären, aber auch in unserem gesellschaftlichen Umfeld. Dass ich heute genau diese Themen auch beruflich verfolge, ist für mich daher ein tiefes Bedürfnis und Erfüllung zugleich.

Der gesamte Veranstaltungsbereich befindet sich im Umbruch und zwar nicht erst seit der Corona-Pandemie. In den vergangenen Jahren hat sich die recht junge Branche mit einer Denkweise Richtung „Schneller-Höher-Weiter“ Wettbewerbe geliefert, wer die spektakulärsten Inszenierungen, die abgefahrenste Location oder die berühmtesten Speaker hatte. Dass diese Entwicklung nicht endlos weitergehen konnte, lag auf der Hand.

Die große Herausforderung für die Eventbranche besteht in dem Umdenken, dass wir nicht einen Trend nach dem anderen „abarbeiten“ können. Zeitgemäße und zukunftsgerichtete Eventkonzepte sind nachhaltig, divers, inklusiv und konnektiv. Sie richten sich dabei ganz stark auf die Bedürfnisse der eigenen Zielgruppe aus. Wir müssen Events mehr und mehr von Anfang an in diese Richtung denken und planen – eben ganzheitlich, auch wenn dieser Begriff inzwischen arg abgenutzt wirkt.

An welchen Punkten stößt Du, stößt Dein Unternehmen oder Deine Branche an Grenzen in der Nachhaltigkeit und wie löst Ihr diese Herausforderung?

Gerade bei den Themen Nachhaltigkeit und Barrierefreiheit, letzteres bestreite ich gemeinsam mit einer wunderbaren Kooperationspartnerin, bestehen noch viele Unsicherheiten in der Eventbranche. Das wiederrum schiebt die Priorität dieser Themen für viele noch immer in den Hintergrund. Wie lösen wir diese Herausforderung? Ganz einfach: Steter Tropfen höhlt den Stein. In der Nachhaltigkeit sind wir in der Veranstaltungswirtschaft schon ein kleines Stück weiter, bei Inklusion arbeiten quasi größtenteils noch „missionarisch“.

Wir bleiben dran und bringen diese zukunftsweisenden Themen immer wieder ins Bewusstsein, z.B. durch Vorträge, Beiträge, Veröffentlichungen. Mir ist dabei immer wichtig, Lösungen aufzuzeigen und durch eine offene Art, mit Inklusion umzugehen, Ängste und Vorurteile abzubauen.

Wie kann Deine Arbeit, oder Deine Branche dazu beitragen die Welt nachhaltiger zu machen?

Veranstaltungen sind für alle Menschen da und ich möchte dazu beitragen, die Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass alle teilhaben können und dass alle gesehen werden. Das ist Inklusion und das ist Diversität.

Was möchtest Du jungen Menschen in Sachen Nachhaltigkeit mit auf den Weg geben?

Es ist keine Frage mehr, ob wir nachhaltige und inklusive Veranstaltungen planen, sondern wie wir sie planen. Ich sehe, dass die Themen Nachhaltigkeit und Inklusion bei Events gerade von jungen Branchenkolleg*innen und Studierenden der Hochschulen nachgefragt werden. Diese nachkommende Generation wird viel selbstverständlicher an diese Themen herangehen, als wir es heute noch tun.

Was ich diesen jungen Menschen ganz konkret mit auf den Weg geben möchte? Einfach machen. Einfach anfangen, auch mit kleinen Schritten. Und speziell an die jungen Frauen: Zeigt Euch, macht Euch sichtbar, dann werdet Ihr auch wahrgenommen. Die beste Voraussetzung, die Welt zu verändern.

Inspiriere uns – wie gestaltest Du Dein Arbeits- und Dein Privatleben umweltschonend?

Im Privaten lebe ich meinen beiden Kindern das vor, was auch ich gelernt habe: Wir haben nur eine Erde und alle Menschen sind gleich. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Und das fängt bei jedem Einzelnen an im eigenen Zuhause und im eigenen Umfeld – in der Familie, in der Schule, bei Freunden, im Alltag. Soweit möglich, kommt bei uns nur Bio auf den Tisch oder wenigstens von regionalen Anbietern.

Was meine Arbeit angeht, profitiere ich davon, dass ich von Anfang an überwiegend im Homeoffice gearbeitet habe oder dort, wo meine Kund*innen sind. Ich arbeite möglichst papierlos, versuche unnötige Wege zu meiden, indem ich z.B. schon seit einigen Jahren Online-Beratungen anbiete. So habe ich auch mein Marketing von Anfang an über Online-Wege verfolgt, ohne aufwendige Flyer oder Prospekte. Ich fliege innerhalb Deutschlands gar nicht und versuche zu Kundenterminen soweit es möglich ist, mit der Bahn zu fahren.

Was treibt Dich an?

Auf jeden Fall immer guter Kaffee …

Ich glaube, ich wollte die Welt irgendwie immer schon ein wenig schöner machen, obgleich ich weiß, dass es viele, viele Probleme oder sagen wir Herausforderungen gibt. Aber ich habe nicht zuletzt durch eigene, sehr schwierige Situationen gelernt, dass es immer irgendwie weiter geht. Ich sehe die Herausforderungen, denke aber in Lösungen – das ist chronisch. Mir ist dabei in allem, was ich tue, der wertschätzende Umgang mit den mich umgebenden Menschen, aber auch mit der Natur wichtig.

Von welcher Positiv-Schlagzeile aus Deiner Branche zum Thema Umweltschutz träumst Du?

Oktober 2035: „Die Eventbranche feiert: 10. Jahrgang des Studienganges Nachhaltiges und Inklusives Eventmarketing verabschiedet“

Portraitfoto: Businessfotografie Winkelmann

 

Futurewoman – Empowering Women in Sustainability