• Julia Gerner

    Julia Gerner

    Mit-Gründerin fremdformat

    Mode
    Recycling ist die Zukunft. Benutzt, was bereits abgebaut wurde und schont die Umwelt und die Menschen damit.

Sie schmückt uns mit Fair produziertem Schmuck


Julia Gerner

 

Person

Mit-Gründerin fremdformat

Jahrgang: 1982 | Geschäftssitz: Heidelberg

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  • 2002 – 2005 Ausbildung zur Gesundheits- und Krankenpflegerin im Klinikum der Stadt Ludwigshafen am Rhein
  • 2006 – 2011 Studium der Sozialen Arbeit an der Fachhochschule Ludwigshafen, Fachbereich Soziale Arbeit
  • 2011 – 2015 Angestellte bei der Jugendförderung der Stadt Ludwigshafen
  • 2014 – 2016 Teilzeit Selbständig mit dem Schmucklabel fremdformat
  • Seit Januar 2016 Selbstständig als Schmuckmacherin mit fremdformat
 

THEMEN

Schmuck | Schmuckherstellung | Nachhaltigkeit in der Schmuckbranche | Quereinsteigerin | fairer und nachhaltiger Schmuck | women-owned & queer business

 

Einsatzgebiete

Gast bei Diskussionsrunden | Speakerin | Workshop-Begleitung

 

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fremdformat – Futurewoman

Interview

Was genau machst Du beruflich im Bereich der Nachhaltigkeit?

fremdformat verwendet industrielle Materialien, Reste aus der metallverarbeitenden Industrie und kreiert daraus nachhaltige und charakterstarke Schmuck-Unikate. Der Verzicht auf die in der Schmuckindustrie üblichen Edelmetalle und -steine ist ein bewusster – aus ethischen Gründen. Für vergoldete oder silberne Schmuckstücke werden ausschließlich recycelte Materialien verwendet. Die nachhaltige Produktion durch Re- und Upcycling, also das Wiederverwenden von bereits Gebrauchtem, und die bewusste und umweltschonende Nutzung von Ressourcen, steht bei fremdformat im Mittelpunkt.

Wie bist du dahin gekommen, wo du jetzt bist?

Ich habe schon als Kind gerne auf dem Bett gesessen und aus alten Ketten meiner Mutter Schmuck gebastelt. Aus dieser Leidenschaft ist aber erst mal kein Beruf gewachsen, da ich keinen Ausbildungsplatz als Goldschmiedin gefunden habe. So habe ich aus Vernunft einen Beruf im sozialen Bereich eingeschlagen, denn das konnte ich gut. Allerdings hat mich das nicht erfüllt und ich habe immer hobbymäßig für mich Schmuck gemacht. Als ich meine Frau kennen lernte, hat sie mich das erste mal mit auf einen Design-Markt genommen. Und tatsächlich habe ich dort etwas von meinem Schmuck verkauft und wurde sogar nach einem Onlineshop gefragt. Ganz langsam haben wir gemeinsam daraus fremdformat aufgebaut: angefangen mit einem kleinen Tisch im Schlafzimmer, dann ein größerer Tisch im Keller und jetzt ein Studio in der Heidelberger Innenstadt.

Hat Nachhaltigkeit schon immer eine Rolle gespielt in Deinem Leben, oder gab es den berühmten Change?

Nachhaltigkeit spielt seit vielen Jahren im Privaten eine Rolle und wurde aber auch in Verbindung mit fremdformat immer wichtiger für uns. Vor allem als wir uns intensiv mit dem Thema Sourcing von Material auseinandergesetzt haben. Man fängt irgendwann an automatisch alle Bereiche zu überdenken, vom Material und der Produktion, über die Verpackung und den Versand oder generell über die Anzahl neuer Kollektionen und allem was damit verbunden ist.

Als wir mit fremdormat gestartet sind, waren wir in Deutschland eines der wenigen Schmucklabels, die nachhaltig arbeiteten. Mittlerweile bekomme ich täglich Werbung auf Instagram angezeigt von anderen Schmuck-Labels. Man sollte aber kritisch bleiben, denn genau wie in der Mode-Branche, hält leider auch im Schmuckbereich das Thema greenwashing Einzug. Für mich müssen faire Produktion & nachhaltige Materialien immer Hand in Hand gehen!

An welchen Punkten stößt Du, stößt Dein Unternehmen oder Deine Branche an Grenzen in der Nachhaltigkeit und wie löst Ihr diese Herausforderung?

Unsere größte Herausforderung ist, an Metallreste heranzukommen. Wir stellen Schmuck aus recycelten Materialien aus der Industrie her, z. B. Stanzreste, Verschnitte usw. Die Bereitschaft vieler Firmen, es überhaupt in Betracht zu ziehen, uns ihre Reste zu verkaufen, hält sich in Grenzen. Das ist schade! So müssen wir immer sehr kreativ sein, um aus den Resten, die wir bereits haben, neue Kollektionen entstehen zu lassen.

Wie kann Deine Arbeit, oder Deine Branche dazu beitragen die Welt nachhaltiger zu machen?

Die Schmuckbranche braucht ein breites Umdenken. Es kann nicht sein, dass am anderen Ende der Welt Kinder ihr Leben in Goldminen riskieren, so dass wir hier unsere Verlobung und unsere Hochzeit mit einem fetten Goldring feiern können. Recycling ist die Zukunft. Benutzt, was bereits abgebaut wurde und schont die Umwelt und die Menschen damit.

Was war der Auslöser für die Gründung?

Der Auslöser war, dass wir das Potential in unserem Konzept gesehen haben. Und wir hatten Recht!

Was waren die größten Hürden und wie hast Du diese gemeistert?

Wie ich schon erwähnt habe, ist das Sourcing unsere größte Herausforderung. Diese haben wir auch nicht gemeistert, sondern arbeiten fortlaufend daran.

Was möchtest Du jungen Menschen in Sachen Nachhaltigkeit mit auf den Weg geben?

Ich glaube, ich brauche jungen Menschen nichts mitgeben, sie sind ja zwangsweise viel früher mit dem Thema Nachhaltigkeit konfrontiert worden als meine Generation. Glücklicherweise gehen sie ja auch für das Thema auf die Straße.

Inspiriere uns – wie gestaltest Du Dein Arbeits- und Dein Privatleben umweltschonend?

Ich kaufe fast nur Second Hand - Kleidung und Möbel. Ökostrom – ist klar. Nur wirklich das kaufen, was man braucht ist schon eine Herausforderung, aber man sollte sich stets in seinem Kaufverhalten reflektieren. Auf Fleisch verzichten wir schon lange. Und wenig fliegen – ätzend aber effektiv :-)

Was treibt Dich an?

Die Kreativität, neue Schmuckstücke zu entwerfen, aber auch das handwerkliche Umsetzen, jedes Schmuckstück von Hand selbst herzustellen.

Von welcher Positiv-Schlagzeile aus Deiner Branche zum Thema Umweltschutz träumst Du?

„Alle Schmuckherstellenden weltweit haben auf fairtrade oder recycelte Materialien umgestellt!“

Futurewoman – Empowering Women in Sustainability