• Dr. Katja Arzt

    Dr. Katja Arzt

    Nationale Naturlandschaften e.V., Hochschule für Nachhaltige Entwicklung Eberswalde

    BildungNGOs / Verbände
    Wahnsinn ist, wenn man immer wieder das Gleiche tut, aber andere Resultate erwartet. (Rita Mae Brown)

Sie hilft maßgeblich mit wichtige Ökosysteme in Deutschland zu retten.


Dr. Katja Arzt

 

Person

Leiterin für Unternehmenskooperationen Nationale Naturlandschaften e.V.

Studiengangsleiterin für den internationalen Masterstudiengang „Biosphere Reserves Management“ Hochschule für Nachhaltige Entwicklung Eberswalde

Freiberuflich als Mediatorin und Moderatorin tätig

Jahrgang: 1970 | Geschäftssitz: Berlin

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Dr. Katja Arzt studierte Internationale Agrarwissenschaften an der Technischen Universität Berlin. Nach Arbeitsaufenthalten in Chile, Bolivien und Kambodscha arbeitete sie am Institut für Ressourcenökonomie der Humboldt-Universität zu Berlin. In einer Weiterbildung qualifizierte sie sich als Projektkoordinatorin für Erneuerbare Energien und als Mediatorin. Sie arbeitet seit 2011 für den Dachverband der Nationalen Naturlandschaften e.V. für die Nationalparks, Biosphärenreservate und Naturparks in Deutschland und ist seit 2019 an der Hochschule für Nachhaltige Entwicklung Eberswalde als Studiengangsleiterin für den internationalen Master „Biosphere Reserves Management“.

 

THEMEN

Biologische Vielfalt | Nachhaltige Regionalentwicklung | Umweltkooperationen im Naturschutz | Biosphärenreservate | Partizipation

 

Einsatzgebiete

Konfliktmoderation | Veranstaltungsmoderation | Mediation | Workshopgestaltung und Durchführung | Vorträge

 


Interview

Was genau machst Du beruflich im Bereich der Nachhaltigkeit?

Seit über 10 Jahren begeistere ich Unternehmen aller Branchen dafür sich für Naturschutzprojekte in Deutschlands Nationalsparks, Biosphärenreservaten und Naturparks zu engagieren. Gemeinsam mit zahlreichen Akteur*innen arbeite ich an der Konzeption und Umsetzung dieser Projekte und entwickle außerdem neue Formate, wie sich Unternehmen sinnvoll am Naturschutz beteiligen können. Ein Beispiel sind die „Naturschutzzertifikate“, mit einem Zertifikat sichert man nachweislich 1m² biologische Vielfalt – dafür haben wir die UN Dekadepreis Biologische Vielfalt erhalten. Gemeinsam können wir so dazu beitragen, dass wertvolle Ökosysteme gerettet werden – und zwar von der Renaturierung alter Gewässer bis hin zu Streuobstwiesen, die als Hotspots der biologischen Vielfalt in Mitteleuropa gelten.

Seit 2019 befasse ich mich außerdem als Studiengangsleiterin mit dem Aufbau des Masterstudienganges „Biosphere Reserves Management“ an der Hochschule für Nachhaltige Entwicklung Eberswalde. Es ist weltweit der erste englischsprachige Masterstudiengang, der sich gezielt mit dem Management von UNESCO-Biosphärenreservaten beschäftigt. Biosphärenreservate sind Modellregionen oder besondere Lernorte für nachhaltige Entwicklung. Weltweit gibt es mehr als 700.

Wie bist du dahin gekommen, wo du jetzt bist?

Als junger Mensch war ich fest davon überzeugt, dass ich dazu beitragen kann, den Hunger und die Umweltverschmutzung in der Welt zu stoppen und habe mich für ein Studium der Internationalen Agrarwissenschaften entschieden. Ich wollte unbedingt in der Entwicklungszusammenarbeit tätig werden und dort unterstützen, wo es dringend notwendig ist. Bei Arbeitserfahrungen in Bolivien und Kambodscha habe ich gemerkt, dass es vielleicht besser ist, im ersten Schritt zuhause „vor der eigenen Haustür“ zu kehren und arbeitete anschließend als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Humboldt-Universität zu Berlin – ich wollte mehr wissen, erforschen und die Zusammenhänge besser verstehen. Gegenstand meiner Forschung waren lokale Partizipationsprozesse in der Landwirtschaft. Das führte zu meiner Doktorarbeit, in der ich „Entscheidungsprozesse in Gruppen zum nachhaltigen Umgang mit Umweltressourcen“ erforscht habe. Mich hat dabei besonders interessiert, welche Regeln Menschen anwenden und von welchen gesellschaftlichen Normen sie bei ihrer Entscheidungsfindung beeinflusst werden. 

Im Laufe meiner beruflichen Laufbahn entdeckte ich meine Leidenschaft für die Moderation von Gruppen und für eine Arbeit als Mediatorin. Diese Kompetenzen helfen in verschiedenen Kontexten. Gern nehme ich Aufträge als Mediatorin und Moderatorin an. Denn als „Externe“ kann mein frischer Blick neue Horizonte eröffnen. Gute Motivatoren sind zudem meine Kinder, für deren Zukunft macht es Sinn und auch Freude sich einzusetzen - auch mal in Nachtschichten!

Hat Nachhaltigkeit schon immer eine Rolle gespielt in Deinem Leben, oder gab es den berühmten Change?

Für mich war die Natur schon immer wichtig. Je mehr ich darüber gelernt habe - desto größer wurde mein Staunen und die Wertschätzung für sie. Ich bin immer wieder ergriffen von der Schönheit und Schlauheit der Natur, die braucht uns Menschen nicht, aber wir brauchen sie.

Nachhaltigkeit sollte meiner Meinung nach weniger etwas mit Trends zu tun haben, eher mit dem Wissen über die komplexen Zusammenhänge sowohl im ökologischen als auch im gesellschaftlichen Bereich. Das ist oft sehr schwer zu vermitteln, weil man dazu neigt die einfachen Lösungen suchen. Dabei hat jede neue Entwicklung, z.B. auch bei den erneuerbaren Energien ihre Schattenseiten. Windkraftanlagen sparen zwar fossile Energien ein, töten aber auch Vögel und Fledermäuse. Daher müssen wir langfristig denken und uns Fragen stellen: Was macht hier an diesem Ort Sinn, was können wir besser machen und wie gehen wir mit den Auswirkungen um? Deshalb ist mir klare, authentische und stimmige Kommunikation auch so wichtig und hierauf lege ich als Moderatorin besonderen Wert.

An welchen Punkten stößt Du, stößt Dein Unternehmen oder Deine Branche an Grenzen in der Nachhaltigkeit und wie löst Ihr diese Herausforderung?

Die Wertschätzung für den Naturschutz in Deutschland hat sich in den letzten Jahrzehnten sehr gewandelt: Das Thema ist aus der Nische mitten in der Gesellschaft angekommen und die Menschen schätzen immer mehr die Natur und Naturerlebnisse. Dennoch wird beispielsweise die Arbeit, die Ranger*innen in den Nationalen Naturlandschaften leisten, viel zu wenig wertgeschätzt und damit einher geht auch eine nicht adäquate Bezahlung und personelle Unterbesetzung. Hier müsste sowohl politisch als auch gesellschaftlich ein Umdenken passieren. Naturschutz ist kein Luxusgut mehr, sondern intakte Natur sichert unser Überleben. Wir versuchen mit vielen Aktionen darauf hinzuweisen, ich nehme die Unternehmen auch gern mit in die Natur und zeig ihnen was zum Erhalt einer biologischen Vielfalt alles getan werden muss und welches Wissen man braucht, damit es morgen auch noch blüht, duftet und die Insekten brummen. Der Bau eines Insektenhotels ist noch keine Lösung.

Wie kann Deine Arbeit, oder Deine Branche dazu beitragen die Welt nachhaltiger zu machen?

Ohne intakte Natur gibt es keine Wirtschaftsgrundlage: keine nachwachsenden Ressourcen, kein sauberes Grundwasser, keine saubere Luft zum Atmen und keine biologische Vielfalt. Auch die Klimaanpassung wird uns nur mit intakten Ökosystemen gelingen. Daher setze ich mich mit vielen anderen für den Erhalt und die Förderung der biologischen Vielfalt ein.

Was möchtest Du jungen Menschen in Sachen Nachhaltigkeit mit auf den Weg geben?

Lauft los, geht in die Natur, stellt Fragen, seid mutig, seid neugierig, lernt die Natur zu beobachten - auch mal für längere Zeit. Manchmal erzählen die Krabbeltiere interessantere Geschichten als jene die auf Social Media Kanälen wie Instagram zu sehen sind.

Inspiriere uns – wie gestaltest Du Dein Arbeits- und Dein Privatleben umweltschonend?

Ich kann da bestimmt noch von Anderen lernen. Ich bin auf jeden Fall nicht besonders materialistisch und habe noch Pullover, die ich mit 16 getragen habe, die jetzt meine Tochter trägt. Einfach nicht so viel von allem, das rechte Maß finden, nicht zu extrem sein und viel Lachen und Humor haben, das ist die beste Gesundheitsvorsorge und somit nachhaltig.

Was treibt Dich an?

Grundsätzlich treibt mich die Liebe zum Leben an, die Neugier, was passiert, wenn ich versuche, die Dinge anders zu machen als üblich. Mich treibt an, dass dieser Planet so wunderschön ist und wir Menschen wunderbare, kreative Dinge erschaffen können.

Von welcher Positiv-Schlagzeile aus Deiner Branche zum Thema Umweltschutz träumst Du?

Der Rückgang der biologischen Vielfalt ist gestoppt, Menschen leben im Einklang mit ihrem Ökosystem!

Futurewoman – Empowering Women in Sustainability