• Franziska Altenrath

    Franziska Altenrath

    Mitgründerin und Geschäftsführerin TUTAKA GmbH

    Gastronomie & Tourismus
    Bei Nachhaltigkeit geht es nicht darum, die Dinge weniger schlecht zu machen, sondern darum, einen Beitrag zu einer positiven Zukunftsvision zu leisten.

Sie unterstützt Gastgeber*innen dabei ihren „Handprint“ – also das positive Gegenstück zum CO2 Fußabdruck – zu vergrößern


Franziska Altenrath

 

Person

Mitgründerin und Geschäftsführerin TUTAKA GmbH

Jahrgang: 1990 | Geschäftssitz: Hamburg

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2010-2013 Daimler AG, Ausbildung zur Industriekauffrau und B.A. Wirtschaftswissenschaften (Fachhochschule Südwestfalen)
2013-2014 Daimler AG, Marketing + Kommunikation
2014-2018 LOUDR Communication, selbstständig, Marketing + Kommunikation
2016 Abendstudium Grafikdesign
2017-2019 M.A. Philosophie, Politik, Wirtschaft (LMU München)
2018-2020 TUTAKA, Mitgründerin und Geschäftsführerin

 

THEMEN

nachhaltiger Tourismus, Hotellerie, Gastronomie

 

Einsatzgebiete

Interviewpartnerin | Moderatorin | Speakerin | Panelteilnehmerin | Workshopleitern

 

#Tourismus #nachhaltigerTourismus #Hotellerie #Gastronomie

Franziska Altenrath – Futurewoman
Franziska Altenrath – Futurewoman
 

Interview

Was genau machst Du beruflich im Bereich der Nachhaltigkeit?

Ich bin Mitgründerin von TUTAKA. TUTAKA unterstützt Gastgeber*innen dabei, nachhaltiger zu werden. Das machen wir, indem wir auf einem Marktplatz unterschiedliche nachhaltige Produkte, Dienstleistungen und Anbieter*innen für unsere Zielgruppe präsentieren und Informationsasymmetrien zu Nachhaltigkeit auflösen. Dazu beraten wir auch noch zu Nachhaltigkeitsstrategien, zirkulären Customer Journeys und klischeefreier Kommunikation von Nachhaltigkeit.

Wie bist du dahin gekommen, wo du jetzt bist?

Durch Instinkt und Vorstellungskraft, etwas Mut und jede Menge Neugier, aber genauso durch die Unterstützung und Zuversicht der Menschen um mich herum. Dabei ist insbesondere meine großartige Mitgründerin Alexandra zu nennen. Gründen ist hart und auf jedes Erfolgserlebnis kommen mindestens genauso viele Misserfolge. All das geschieht in einer Welt, die es Frauen noch immer besonders schwer macht, selbstständig zu sein. Daher ist es wichtig, Partnerschaften und Allianzen zu schmieden und ein Unterstützungsnetzwerk aufzubauen, dass eine*n sicher trägt.

Hat Nachhaltigkeit schon immer eine Rolle gespielt in Deinem Leben, oder gab es den berühmten Change?

Ich bin in besonderem Maße naturverbunden und habe, nachdem ich genug Geld gespart hatte, angefangen, die Welt zu bereisen. So konnte ich andere Lebensverhältnisse und gemeinschaftliche Lebensträume und -erwartungen kennenlernen. Mich hat Ignoranz in Kombination mit Privilegien und Machtvorsprüngen schon immer enorm irritiert, auch wenn ich erst in den letzten Jahren gelernt habe, das so formulieren. Ungerechtigkeiten Menschen und Lebewesen gegenüber ist für mich ein zivilisatorisches Unding. Ich freue mich darüber, in meinem Beruf dagegen anzukämpfen.

Die große Veränderung ist für mich die, die Nachhaltigkeit von der "Triple-Bottom-Line" löst und sie mit einer positiven Zukunftsvision wie den SDGs verknüpft. Es geht nicht mehr darum, die Dinge weniger schlecht zu machen, sondern darum, die eigenen Tätigkeiten an einer gemeinsamen Idee von "gut" auszurichten. Dieser Prozess hat viel mit Aufklärung zu tun. Auf einmal bemerken wir destruktive Muster und Verhaltensweisen, stellen Selbstverständlichkeiten in Frage und machen uns auf die Suche nach Antworten und Lösungen.

An welchen Punkten stößt Du, stößt Dein Unternehmen oder Deine Branche an Grenzen in der Nachhaltigkeit und wie löst Ihr diese Herausforderung?

Gastgeber*innen stehen, auch außerhalb von Covid-19-Zeiten, massiv unter Druck. Ihr Job ist kein einfacher. Es gibt häufig wenig Strukturen für strategische Planungen und Entscheidungsfindungen. Das macht die Entwicklung eines Nachhaltigkeits-Aktionsplans sehr herausfordernd. Unser Anspruch ist es daher, Nachhaltigkeit für Gastgeber*innen leicht zu machen. Das setzt vieles voraus. Von der Verfügbarkeit von Waren, über die Preisstruktur bis hin zur Kommunikation und Beratung. Wir lernen jeden Tag von unseren Kund*innen und wollen diesen Weg weitergehen.

Wie kann Deine Arbeit, oder Deine Branche dazu beitragen die Welt nachhaltiger zu machen?

Das Selbstbewusstsein unserer Branche, des Gastgeber*innentums, ist in Bezug auf Nachhaltigkeit noch nicht besonders groß. Das liegt an der noch immer tief verwurzelten "Footprint" Ansicht. Reisen, feiern, essen & trinken gehen hat zahlreiche negative Auswirkungen. Das naheliegendste Mittel dagegen wäre der Verzicht. Das ist aber viel zu kurz gedacht. Gastgeber*innen inspirieren jeden Tag Menschen, die offen sind für neue Erfahrungen. Sie sitzen damit am Hebel des nachhaltigen Konsums. Wir erklären ihnen, wie sie ihren eigenen "Handprint", also die positiven Auswirkungen, erkennen und verstärken können.

Was war der Auslöser für die Gründung?

Meine Mitgründerin Alexandra rief mich vor circa drei Jahren an und fragte mich, ob ich wüsste, wo sie nachhaltige Hotelslipper her bekomme und ob dies nicht eine Marktlücke wäre, die wir gemeinsam schließen könnten. Wir setzen uns also zusammen und stellten fest, dass nicht nur die marktüblichen Hotelslipper, sondern auch viele andere Produkte weder nachhaltig sind, noch den Ansprüchen von modernen Gästen nachkommen. Und so entstand die Idee zu TUTAKA.

Was waren die größten Hürden und wie hast Du diese gemeistert?

Ein Marktplatz muss immer die Chicken-Egg Herausforderung überwinden: Wer keine Produkte hat, ist für Käufer*innen uninteressant. Wer keine Käufer*innen hat findet keine Anbieter*innen, die Produkte zur Verfügung stellen. Hinzu kam erschwerend, dass es noch nicht sehr viele Anbieter*innen mit nachhaltigen Produkten für Gastgeber*innen gab und gibt. Ohne irgendetwas vorweisen zu können ist es uns trotzdem gelungen, Anbieter*innen von unserer Idee und unserer Mission zu überzeugen. Bis heute pflegen wir enge Beziehungen zu diesen wunderbaren Innovator*innen, Designer*innen und Unternehmer*innen.

Was möchtest Du jungen Menschen in Sachen Nachhaltigkeit mit auf den Weg geben?

Ich bin überzeugt davon, dass fast jeder Mensch Instinkte hat, die ihn oder sie auf einen nachhaltigen Lebensstil hinweisen. Wir merken das regelmäßig in unseren Workshops mit Unternehmen, bei denen Menschen aufblühen, wenn wir sie nach Maßnahmen fragen, die sie gerne umsetzen würden. Es ist wichtig, auf diese Instinkte zu hören und ihnen zu folgen. Das bedeutet manchmal mitunter unangenehme Veränderung, die sich aber wirklich lohnen kann. Weiterhin ist Offenheit gegenüber Gegenargumenten und für Diskurs wirklich entscheidend. Es gibt so viele unterschiedliche Wahrnehmungen und Überzeugungen, die in gesellschaftlichen und kulturellen Prozessen miteinander bekannt gemacht und verhandelt werden müssen. Nachhaltigkeit ist nicht schwarz und weiß.

Inspiriere uns – wie gestaltest Du Dein Arbeits- und Dein Privatleben umweltschonend?

Wie jeder privilegierte Mensch ist mein Arbeits- und Privatleben alles andere als umweltschonend. Ich konzentriere mich daher darauf, die Ressourcen und Möglichkeiten, die mir zur Verfügung stellen, dafür einzusetzen Lösungen zu erarbeiten, die Impact generieren. Darüber hinaus engagiere ich mich mit der Erstellung von Inhalten, die einen Beitrag zur Sensibilisierung leisten und die Aufklärungsarbeit für Nachhaltigkeit vorantreiben.

Was treibt Dich an?

Die Überzeugung, dass Machtvorsprung und Privileg ein Auftrag sind, sich dafür einzusetzen, die Lebensbedingungen von Menschen und anderen Lebewesen, die über weniger Macht und Privileg verfügen, zu verbessern.

Von welcher Positiv-Schlagzeile aus Deiner Branche zum Thema Umweltschutz träumst Du?

Die Frage stellen wir uns regelmäßig in unseren #futopia Posts. Darunter: "2030- people and nature have reclaimed hotel car parks. Turning them from grey to colorful." oder "The word 'waste' has been replaced by 'resource'".

Portrait-Fotocredit: Sascha Martin

 

Futurewoman – Empowering Women in Sustainability