Plastikmüll beim Einkaufen

Plastikmüll beim Einkaufen – Janine Steeger – Futurewoman

Plastikmüll ohne Ende im Einkaufskorb. Es gibt immer mehr Momente, in denen ich beim Einkaufen aggressiv werde. Plastik wohin man schaut. Dabei stellt insbesondere Plastik ein massives Umweltproblem dar: In den Weltmeeren schwimmt inzwischen sechs Mal mehr Plastik als Plankton. Tiere fressen das Zeug und sterben.

Auch in unserem Blut finden sich Plastikreste, weil so vieles von dem, was wir essen, trinken oder benutzen, aus Plastik ist. Experten sagen, dass Plastik Menschen sogar unfruchtbar machen kann. Das alles wissend, kriegt man doch einen Knall, wenn man im Supermarkt steht und auf in Plastik eingeschweißte Gurken und Brokkoli schaut.

BIO IST AUCH NICHT BESSER

Im Bio-Supermarkt läuft es bei Obst und Gemüse insofern meist besser als das man die Ware lose kaufen kann. Schlau, wer dann das lose Obst und Gemüse nicht in Plastikbeutel steckt, die es im Bio-Supermarkt genauso gibt wie Papiertüten. Vor Kurzem wurde ich dann im Bio-Supermarkt richtig sauer, weil ich nicht nachvollziehen konnte was ich sah … . Auf meiner Einkaufsliste standen Hafer- und Weizenkleie. Die Weizenkleie ist in einer Papierpackung zu bekommen, die auch von innen keine fühlbare Beschichtung hat. Haferkleie ist weder von demselben, noch von einem anderen Anbieter in Papier zu bekommen, sondern nur in Plastik. Verrückte Welt ...

WAS SAGEN DIE UNTERNEHMEN DAZU?

Ich habe die Unternehmen angeschrieben und um Erklärung gebeten. Hier die Ausschnitte aus den Antworten

Davert schreibt mir:
"Für Kleingebinde-Artikel verwenden wir bewusst Polypropylen-Beutel. Die Herstellung, Verwendung und Entsorgung von Polypropylen (PP) ist nicht mit wesentlichen Umweltbelastungen verbunden. Von unseren Lieferanten liegen uns Konformitätserklärungen vor. Diese sagen unter anderem aus, dass für die Herstellung der Verpackungsmaterialien keine gefährlichen Substanzen verwendet werden."

Und die Firma demeter verweist mich auf ihre Richtlinien:
"Die Demeter-Verpackungsrichtlinien (siehe www.demeter.de) regeln auch diese Frage – und lassen Kunststoffverpackungen durchaus zu."

Es freut mich, dass das Plastik, in dem mein Essen verpackt ist, offenbar nicht gesundheitsschädlich sein soll. Aber kann es denn sein, dass sich PP Verpackungen genauso schnell abbauen wie Papier? Ich frage genau das beim Umweltbundesamt nach. Die Antwort: "Wenn die Plastik-Verpackungen so entsorgt werden, wie es sein soll, sprich in die gelbe Tonne, dann ist alles gut. Aber natürlich ist es richtig, dass Plastik sich in der freien Natur deutlich negativer auswirkt, als Papier, weil es viel langsamer verrottet."

Nun gehe ich natürlich davon aus, dass die Konsumenten das alles hinkriegen mit der gelben Tonne und so … . Aber wäre es nicht ein gutes Zeichen, wenn ein Bio-Lebensmittelhersteller auf Papier statt Plastik setzt? Zumal das Umweltbundesamt mich noch darauf hinweist, dass selbst Plastikverpackungen aus natürlichen Rohstoffen nicht auf den Bäumen wachsen, sondern unter Aufwendung vieler Ressourcen hergestellt werden müssen.

WAS MUSS PASSIEREN?

Ich glaube, dass viele Seiten dieses massive Plastik-Problem beherzt angehen müssen. Die Unternehmen sollten umstellen auf Papiertüten an den Kassen. In vielen Kaufhäusern kann man das Verpacken in Plastiktüten nur verhindern, indem man sie vehement ablehnt. Auch auf Wochenmärkten wird man mit Plastiktüten zugemüllt, wenn man nicht mit eigenen Tüten präpariert ist. Die Drogeriemarktkette dm hat seine Gratis-Plastiktüten gerade in Frage gestellt. Die Filialleiter können derzeit selbst entscheiden, ob sie diese aus dem Sortiment nehmen. Das Feedback soll bislang überwiegend positiv sein. Die kostenpflichtigen Plastiktüten gibt es aber weiterhin. Die Politik muss etwas tun. Ein EU-weites Verbot hat sich leider nicht durchgesetzt. Aber viele Länder machen die Tüten per Gesetz so teuer, dass sie niemand mehr haben will.

Und wir Kunden können viel tun. In erster Linie immer Stoffbeutel dabei haben. Das mag Frauen leichter fallen, weil sie so was in der Handtasche verstauen. Aber der moderne Mann von heute hat oft auch eine Tasche dabei, in der sich problemlos Beutel verstauen lassen. Darüber hinaus können Stoffbeutel ja auch im Auto oder am Fahrrad verstaut werden und dort immer griffbereit sein. Natürlich erfordert das ein kleines bisschen Disziplin, aber es lohnt sich. Und wir Kunden können in Plastik eingeschweißte Gurken, Tomaten oder Weintrauben boykottieren. Aber es wird uns verdammt nicht leicht gemacht.

Deshalb fordere ich alle Supermärkte und Hersteller auf, die Entscheidung FÜR Plastik und GEGEN Papier oder Pappe zu überdenken.

Futurewoman ist ein Projekt von Janine Steeger